Maria-Montessori-Gesamtschule arbeitet Auschwitz-Reise nachhaltig auf

Auschwitz-Eindrücke unbedingt weitererzählen : Aachener Schüler arbeiten entsetzliche Vergangenheit nachhaltig auf

Wie kann man Auschwitz besuchen, ohne dass die Reise so etwas wie reiner Tourismus wird?“ Diese Frage stellten sich Schüler der Jahrgangsstufe 11 der Maria-Montessori-Gesamtschule. Unter Leitung ihrer Lehrer Thomas Schulte und Dennis Rütters bereiteten sie sich intensiv vor und suchten nach Projekten, mit denen sie das schwierige Thema in den Griff bekommen konnten.

Sie schrieben Kurzgeschichten, sprachen mit Überlebenden und entwarfen Kunstobjekte. Und sie folgten der Bitte einer Überlebenden: „Erzählt es weiter, erzählt weiter, was hier passiert ist.“ Das in all ihrer Konsequenz zu verstehen, fiel den Schülern offenbar gar nicht so leicht. „Ich kann nicht wirklich verstehen, was hier passiert ist“, sagt einer und nähert sich dem Thema, indem er selbst in einer Kurzgeschichte die Sicht eines Jungen einnimmt, der gerade ins Vernichtungslager Birkenau kommt.

Und gerade diese ganz unmittelbare Auseinandersetzung rührt die Schülerinnen und Schüler zutiefst. Nach der Gedenkstättenfahrt im vergangenen März und dem Abschluss ihrer eigenen Projekte trafen sie sich jetzt, um sich ihre Arbeiten gegenseitig vorzustellen. Greta Minderjahn hat eine kleine Installation angefertigt: Stacheldraht, Spiegel, die den Betrachter mit sich selbst konfrontieren sollen, und als Basis selbst angefertigte Zeichnungen, angeordnet in Form eines Davidsterns. Lina Knipprath stellte so etwas wie ein Schatzkästchen vor: Darin verbergen sich kleine Fotos, die den dazu passenden Sätzen zugeordnet werden sollen. Bei diesem Memory greift sie Themen wie beispielsweise die verbrecherischen Forschungen des Nazi-Arztes Josef Mengele an Zwillingen auf.

Eileen Jägers hat das Thema „Prostitution“ im Lager aufgearbeitet. „Obwohl die Nazis Prostitution eigentlich verurteilten, gab es in Auschwitz Zwangsprostituierte, die die Insassen teilweise zur Belohnung besuchen durften“, erzählt sie. Sie hat eine kleine Unterrichtsreihe entwickelt, mit der Lehrer das Thema behandeln können. Dennis Rütters selbst ist begeistert von dem großen Engagement seiner Schülerinnen und Schüler. Ihnen selbst sind die Fahrt und die Auseinandersetzung mit dem Thema der Massenvernichtung unter die Haut gegangen. „Und das wirkt noch nach“, sagen sie.

Ihre Projekte sind sicher eine gute Herangehensweise, um dem Wunsch der Auschwitz-Überlebenden gerecht zu werden: „Erzählt von Auschwitz!“ Denn davon zu erzählen, ist offensichtlich nicht leicht. In den Texten und Projekten der Schüler wird das Lagerleben einmal mehr lebendig. Ein Schüler schreibt über die Baracken und vergleicht die Unterbringung der Juden dort mit unwürdiger Massentierhaltung. „Damals waren noch nicht einmal die Böden betoniert, sodass die Menschen, die keinen Schlafplatz in den Hochbetten gefunden hatten, im Dreck und Schlamm schlafen mussten“, schreibt er.

Die Arbeiten der Schüler sollen zum Teil im Unterricht der zehnten Klassen verwendet werden. In einer 15-minütige Radio-Reportage haben alle ihre Eindrücke zusammengefasst.

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