"Maria 2.0": Katholikinnen in Aachen-Eilendorf organisieren Mahnwache

Protetst-Initiative „Maria 2.0“ : Katholikinnen in Aachen-Eilendorf organisieren Mahnwache

„Maria 2.0“, die Protest-Initiative katholischer Frauen, die in Münster zum Kirchenstreik aufgerufen haben, zieht auch in Aachen Kreise. In Eilendorf werden Frauen am Sonntag, 26. Mai, ab 11 Uhr vor der Kirche St. Severin demonstrieren. Sie werden sich mit Plakaten an den Eingängen positionieren, und sie werden an diesem Sonntag keinen Fuß in die Kirche setzen.

Stattdessen werden sie draußen vor der Tür selbst einen kleinen Gottesdienst feiern und bereitstehen für Gespräche und Diskussionen. „Wir zeigen, dass Frauen in der katholischen Kirche außen vor sind und deshalb die Kirche nicht betreten“, sagt Angelika Quadflieg. Sie ist Regionalleiterin für Aachen-Stadt im Diözesanverband Aachen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd). Die kfd-Frauen von St. Severin und St. Apollonia in Eilendorf bereiten die Protestaktion gemeinsam vor.

Übersehen werden die Kirchgänger die Frauen am 26. Mai ganz sicher nicht. Dafür sorgen schon die vielen Plakate, die sie gemalt haben. „Gottes Töchter zu Priesterinnen weihen“ steht darauf. „Die Hälfte der Menschheit, die Hälfte der Macht“. Und: „Macht Licht an im Missbrauchsskandal“. Über ihre Forderungen wollen die Frauen vor der Kirchentür gern mit anderen ins Gespräch kommen. „Wir werden aber niemanden ansprechen“, betont Quadflieg, „denn wir wollen keinen zur Diskussion nötigen“. Sie wollen aber deutlich zeigen, dass sie mehr wollen als Kaffee kochen beim Pfarrfest. Man wolle sich endlich Gehör verschaffen, sagt kfd-Mitglied Helene Delahaye.

Den Pfarrer von St. Severin, Alexius Puls, haben die Frauen vorab über ihre Aktion informiert. Begeistert war der offenbar nicht. Puls habe argumentiert, man solle die Politik doch aus dem Gottesdienst heraushalten, berichtet Quadflieg. Das nehmen die Frauen zur Kenntnis. „Aber wir machen das auf jeden Fall“, sagt die kfd-Vertreterin energisch. Anderswo ist der Gegenwind offenbar größer. In Burtscheid, so hört man, wurde es Frauen schon schwer gemacht, über die geplante Aktion in Eilendorf auch nur zu informieren.

Wie viele Frauen sich an der Protestaktion vor der Kirche St. Severin beteiligen? Da wagt Angelika Quadflieg erst mal keine Prognose. Aber sie weiß, dass das Interesse an „Maria 2.0“ auch in Aachen sehr groß ist. Einzelne kritische Stimmen gebe es zwar, berichtet die kfd-Vertreterin, „aber wir spüren deutlich mehr Zustimmung.“

„Maria 2.0“ sei ein ganz großes Thema, berichtet auch Nina Rau, die Geschäftsführerin des kfd-Diözesanverbands. Die ersten interessierten Anfragen nach Aktionen im Bistum erhielt sie schon, als die Initiative in Münster ganz klein ihren Anfang nahm.

Und in den vergangenen Tagen, berichtet Rau, hätten viele Frauen angerufen, um zu erfahren, wo sie denn mitmachen können. Auch die kfd-Geschäftsführerin betont: „Es geht den Frauen um eine inhaltliche Auseinandersetzung um die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche.“ Da greife es zu kurz, den Frauen von kirchlicher Seite vorzuwerfen, dass sie die Eucharistie schwänzen. Zu den Forderungen der Initiative aus Münster gehören der Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche, die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine Ausrichtung kirchlicher Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen.

Der kfd-Diözesanverband organisiert für kommenden Samstag, 18. Mai, ab 9 Uhr eine Mahnwache vor der Bischöflichen Marienschule in Mönchengladbach. „Wir fordern eine gerechte Teilhabe von Frauen an allen Weiheämtern“ ist die Aktion überschrieben.

Angesetzt ist der Kirchenstreik „Maria 2.0“ für diese Woche. Dass die kfd-Frauen in Eilendorf mit ihrem Protest erst am 26. Mai an die Öffentlichkeit gehen, hat einen guten Grund: Rücksichtnahme. „Der Instrumentalverein Eilendorf wird 150“, sagt Angelika Quadflieg. „Und der Festgottesdienst wird am 19. Mai gefeiert. Dann wollten wir nicht mit unseren Plakaten vor der Kirchentür stehen.“

Am Sonntag danach, so hoffen die Initiatorinnen, werden viele Frauen – und Männer – mit ihnen vor der Kirchentür stehen. „Kirche verändern statt verlassen“, steht auf einem der Plakate.

www.mariazweipunktnull.de

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