Mann aus Jülich soll sich an mehreren Prostituierten vergangen haben

Mit Drogen gefügig gemacht : Jülicher soll sich an mehreren Prostituierten vergangen haben

Er soll die suchtkranken Frauen in Aachen aufgelesen, mit Drogen gefügig gemacht und dann in seinem Haus vergewaltigt haben: Ein Mann aus Jülich muss sich wegen mehrerer schwerer Straftaten vor dem Aachener Landgericht verantworten.

Der wegen Freiheitsberaubung und Vergewaltigung Angeklagte ist von eher kleiner Statur, von türkischer Herkunft und spricht fließend Deutsch. „Ich bin seit langem Deutscher“, berichtet er dem Vorsitzenden der 7. Großen Strafkammer, Richter Jürgen Beneking, auf die Frage, ob er denn einen Dolmetscher benötige.

Nein, das sei nicht nötig, er werde je nachdem als Türke oder als Deutscher angesehen, daran habe er sich gewöhnt, die Sprache spreche er gut. Das ist auch wichtig für den 53-Jährigen ehemaligen Staplerfahrer aus Jülich-Mersch, der sich seit Montag vor dem Landgericht wegen schwerwiegenden Straftaten verantworten muss. Staatsanwältin Pascale Schlimm wirft dem Mann vor, am Abend des 4. März dieses Jahres eine Prostituierte aus der Drogenszene am Aachener Kaiserplatz angesprochen und mit dem Auto in seine Wohnung in Jülich geschleppt zu haben.

Betäubt und vergewaltigt

Laut Anklage stieg die Frau freiwillig in den Opel Corsa des Mannes. Er habe ihr weitere Drogen versprochen und vor Ort Ecstasy-Tabletten ausgehändigt, um sie gefügig zu machen. Doch die Situation änderte sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft schlagartig. Der Beschuldigte habe die Frau, die später auch in nichtöffentlicher Sitzung als Zeugin vernommen wurde, bei sich zu Hause mit Drogen und Alkohol betäubt.

Nachdem er sie gegen ihren Willen in seiner Wohnung eingeschlossen hatte, soll er sie am Folgetag gegen 11 Uhr vormittags auf sein Bett geschmissen und dort vergewaltigt haben. Aufgrund ihrer Drogensucht habe die Frau sich nicht wehren können. Ein Messer mit einer elf Zentimeter langen Klinge soll für den Tatverdächtigen griffbereit unter seiner Matratze gelegen haben, heißt es in der Anklageschrift.

Der Verteidiger des D., der Jülicher Anwalt Björn Hühne, hatte seinem Mandanten geraten, zu den Vorwürfen selber zunächst keine Angaben  zu machen und auf die Vernehmung seines mutmaßliches Opfers vom Aachener Kaiserplatz zu warten. Schließlich gibt es noch weitere, ähnlich schwere Vorwürfe  aus dem Februar 2019 sowie aus dem Jahr 2017 gegen den Mann.

Mit einer Kette gefesselt

Schon vor drei Jahren soll er eine Drogenabhängige in seiner Wohnung in Jülich-Mersch mit einer 15 Meter langen Kette, so die Anklage, gefangen gehalten haben. Die Fesselung mit der Kette soll zwar bereits nach zwei Stunden vorbei gewesen sein. Doch für die Staatsanwaltschaft passt dieser Vorfall in das allgemeine Bild, das D. laut Anklage vermittelt.

Denn die weitere schwere Tat, derer man ihn bezichtigt, soll sich am frühen Morgen des 7. Februar abgespielt haben. Dieses Mal nicht am Kaiserplatz, sondern am Rehmplatz im Aachener Ostviertel. Hier soll der Mann ebenfalls eine drogenabhängige Frau aufgegriffen, ihr eine Kokainpfeife angeboten und sie noch im Auto dazu überredet haben, Ecstasy-Tabletten einzunehmen. Dann gehe das mit dem „schnellen Sex“ besser, soll er ihr gesagt haben.

Angst vor Sexspielzeugen

Im Auto des Angeklagten hätten verschiedene Sexspielzeuge gelegen, vor deren Einsatz sich das Opfer allerdings gefürchtet haben soll. Die Frau soll daraufhin deutlich gemacht haben, mit Geschlechtsverkehr nicht einverstanden zu sein. Dennoch habe der Mann sie zu seinem Haus in Jülich gebracht und dort vergewaltigt.

Der Angeklagte berichtete, wie er als 15-Jähriger nach Deutschland kam, heiratete, mit seiner Frau Kinder bekam und wie er 2004 wieder geschieden wurde. Zu den Taten, die ihm vorgeworfen werden, äußerte er sich hingegen nicht. Bei der Polizei, diese Aussage wurde von Richter Beneking verlesen, hatte er erklärt, dass die Frauen jeweils freiwillig mitgekommen seien und für einvernehmlichen Sex Geld bekommen hätten. Der Prozess wird am Donnerstag im Aachener Landgericht fortgesetzt.

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