Aachen: Lutz Görner erzählt launige Geschichten im Walzertakt

Aachen: Lutz Görner erzählt launige Geschichten im Walzertakt

Lutz Görners neuer Klavierabend ist dem Walzer gewidmet, der als Tanz im Dreivierteltakt ein Kind der Französischen Revolution war und der die Frauen und Männer der damaligen Zeit aus ihren sexuellen Fesseln zu befreien versucht hat.

Denn zum ersten Mal hielten sich bei diesem Tanz die Paare eng aneinander geschmiegt in den Armen und fühlten so den Körper des anderen. Das war skandalös, und so wetterte die Kirche: „Bisher war es Sitte, dass sich der Herr und die Dame beim Tanzen höchstens die Hände reichen. Nun bieten die Frauen den Männern nicht nur ihre bloßen Hände, sondern auch ihre bis zu den Schultern entblößten Arme, ja sogar ihre halbnackten Brüste und alle anderen Körperteile vom Knöchel bis zur Wade dar, die sonst nur die Kurtisanen enthüllen.“

Im Rauschmusik und Geschlechtertanz-Programm, bei dem wieder die wunderbare Nadia Singer am Flügel sitzt, wird aber nicht die revolutionäre Geschichte dieses Tanzes, sondern vor allem die des revolutionären Konzertwalzers erzählt, der alle großen Komponisten des 19. Jahrhunderts inspirierte. 100 Jahre Konzertwalzer getreu dem Motto des griechischen Philosophen Platon: Die Gesetze der Musik ändern sich immer dann, wenn sich die bürgerliche Ordnung ändert.

Und so erleben Zuhörer an diesem Abend, wie sich Politik und Musik während der Zeitspanne zwischen Beethoven und Schönberg im Takt des Konzertwalzers entwickelt haben.

Nadia Singer spielt: Carl Maria v. Weber - Aufforderung zum Tanz; Hector Berlioz - Un Bal; Giacomo Meyerbeer - Nonnenwalzer; Frédéric Chopin - Valse brillante; Franz Liszt - Valse de bravoure; Charles Gounod - Faustwalzer; Franz Liszt - Valse oubliée; Claude Debussy - La Valse la plus que lente; Franz Liszt - 4. Mephistowalzer; Maurice Ravel - La Valse.

Das Konzert findet statt am Dienstag, 19. September, ab 19.30 Uhr in der Citykirche an der Großkölnstraße.