Aachen: Luisenhöfe: Anwohner suchen den Dialog

Aachen : Luisenhöfe: Anwohner suchen den Dialog

Schon drei Mal haben sich die Planer im Planungsausschuss eine Abfuhr geholt. Jedes Mal wiesen die Politiker in nicht-öffentlicher Sitzung die in einer „Machbarkeitsstudie“ zusammengefassten Ideen für eine Wohnbebauung in Teilen des riesigen Blockinnenbereichs zwischen Boxgraben, Südstraße, Reumontstraße und Mariabrunnstraße zurück.

Zu dicht, zu hoch, zu kompakt lautete die Kritik an den Ideen für die „Luisenhöfe“, für deren Realisierung die beiden Aachener Investoren Landmarken AG und Aixact eine gleichnamige Gesellschaft gegründet und schon einiges an Grundbesitz erworben haben.

Und Widerstand rührte sich auch in der Nachbarschaft, wo sich eine Bürgerinitiative gründete, die die Pläne kritisch hinterfragte. Wobei es den Bürgern nicht um um eine strikte Ablehnung des Projekts geht. Schließlich wisse man um die Notwendigkeit zusätzlichen Wohnraums, betont Hauptinitiator Karsten Schellmat. „Wir wollen nicht verhindern, sondern konstruktiv mitarbeiten“, sagt er. Man spreche sich für ein Abwägen aller Interessen vor Ort aus und wende sich gegen eine reine Fokussierung auf den Wohnungsbau. Was auch der ehemalige Sprecher der Stadt Aachen Hans Poth unterstreicht, der im Viertel aufgewachsen ist und die Bürgerinitiative unterstützt: „Die Stadt kann nicht nur Gutes tun wollen für Neubürger“, sagt er, „sondern muss auch diejenigen im Blick haben, die schon da sind.“

Und Letztere, die Anwohner, stellen einige deutliche Anforderungen an das Bauvorhaben. So plädieren sie — ebenso wie dem Vernehmen nach die große Mehrheit der Politik — unter anderem für eine maßvolle Verdichtung der Bebauung, die Bezug auf die Umgebung nimmt und Freiräume lässt. Außerdem fordern sie, dass ein verwildertes städtisches Grundstück im Planbereich nicht an die Investoren verkauft wird, sondern erhalten und gestärkt wird, um unter anderem als Rückzugsort für die Tierwelt im Block zu dienen.

Außerdem sprechen sie sich für eine Durchgrünung der neuen Bebauung aus. Auch das Kalde-Gelände, ein altes Fabrikgelände im Innern des Blocks, soll nach dem Willen der Initiative in seiner Struktur weitgehend erhalten werden. Dies sei „eine der letzten innerstädtischen Flächen, wo gearbeitet wird“, sagt Schellmat und kann sich auf beiden Seiten des langgezogenen Hofs „viele kleine Start-up-Firmen“ und eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten vorstellen.

Und dann sind da noch die Pläne für das Parkhaus an der Mariabrunnstraße. Nach den Informationen der Bürgerinitiative soll es im Zuge der Bebauung um rund 150 Plätze vergrößert und in den Blockinnenbereich hinein erweitert werden — was strikt abgelehnt wird. Die Anwohner sagen, dass die Erweiterung vor allem auf Wunsch des Luisenhospitals vorgesehen sei. Die Klinik wolle allen Mitarbeitern einen Parkplatz anbieten, was Poth angesichts moderner Mobilitätskonzepte, die eher auf den Verzicht des Privat-Pkw setzen, nicht nachvollziehen kann — zumal, wie Schellmat ergänzt, das Viertel über eine hervorragende Anbindung an den ÖPNV verfüge. Erforderliche Stellplätze sollten stattdessen in einer Tiefgarage oder außerhalb des Baublocks geschaffen werden.

Wettbewerb wird vorbereitet

Aktuell fortführen will die Initiative den Dialog mit den Projektverantwortlichen im Übrigen am Dienstag, 17. April. Dann lädt die Luisenhöfe GmbH um 18.30 Uhr zu einer zweistündigen Informationsveranstaltung ins Luisenhospital ein. Anwohner können dann Bedenken und Anregungen äußern. Die Initiative hofft, dass viele Bürger von dieser Möglichkeit Gebrauch machen — auch wenn man dieser Form der Bürgerbeteiligung skeptisch gegenübersteht. Denn: Laut Informationen von Schellmat ist die Ausschreibung für einen Architektenwettbewerb bereits erstellt. Und somit sei es fraglich, fürchtet er, inwieweit Anregungen der Bürger überhaupt noch in den Prozess einfließen könnten.

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