Luftreinhaltung in Aachen: Stadt setzt Tempo 30 um

Luftreinhaltung : Für Autofahrer gilt in Aachens City jetzt Tempo 30

Die Stadt Aachen weist laut Ratsbeschluss dutzende neue Tempo-30-Strecken in der Innenstadt aus. Damit wird ein weitere Baustein im Maßnahmenpaket zur Luftreinhaltung gesetzt.

In der Innenstadt gilt ab sofort (fast) flächendeckend Tempo 30. Auch auf der Monheimsallee von der Bastei zum Hansemannplatz hat die Verwaltung reihenweise Tempo-30-Schilder zwischen die Bäume am Straßenrand gepflanzt. Erreicht wird die neue Höchstgeschwindigkeit am Dienstag hier aber nur von Radfahrern, Autofahrer stehen ab Heinzenstraße wegen zwei Baustellen im Stau. Es geht um Verkehrssicherheit, um die Verbesserung des Verkehrsflusses und natürlich um Luftreinhaltung. Die Mehrheit des Aachener Stadtrats hatte im September das Tempolimit beschlossen. Eile war aus Sicht der Politiker plötzlich geboten, um ein drohendes Dieselfahrverbot zu verhindern.

Denn erst Ende Juli dieses Jahres hatte das Oberverwaltungsgericht Münster den ursprünglichen Luftreinhalteplan 2019 der Stadt Aachen für rechtswidrig erklärt, allerdings kein Fahrverbot angeordnet. Stattdessen musste nun ein neuer Plan auf Grundlage aktuellerer Messwerte und damit korrekter Prognosen erstellt werden – was nach jahrelangem Stillstand von Politik und Verwaltung hektisch in Angriff genommen wurde. Der neue Plan musste dann zusätzliche Maßnahmen wie Fahrverbote enthalten – natürlich nur falls die Grenzwerte entgegen der nunmehr aktualisierten Prognose doch nicht schnellstmöglich eingehalten würden.

Was das Tempolimit über die bisherigen geschwindigkeitsberuhigten Innenstadtareale für die Luftqualität bringt, ist umstritten. Eine Prüfung für spezielle Straßenabschnitte gab es nicht. Auch die auf drei Seiten detailliert formulierten Bedenken der Aachener Polizei heftete man bei der Stadt wohl lieber in der Fachverwaltung ab, als diese öffentlich zu machen. Hierbei geht es offenbar vor allem um die Frage, wer das Tempolimit engmaschig überwachen soll. Das Presseamt lehnte auf Anfrage eine Veröffentlichung ab. Auch die Polizei blieb am Dienstag diesbezüglich zurückhaltend – keine Aussagen zu den Bedenken der Ordnungshüter trotz Nachfragen unserer Zeitung.

Nicht der Geheimhaltung unterliegt unterdessen die Liste der Straßen, die jetzt mit Tempo-30-Schildern bestückt wurden: Geschwister-Scholl-Straße, Schinkelstraße, Templergraben (zwischen Wüllnerstraße und Königstraße), Karlsgraben, Jakobstraße, Vaalser Straße zwischen Jakobstraße und Schanz/Junkerstraße, Löhergraben, Alexianergraben, Franzstraße, Karmeliterstraße und Borngasse, Theaterstraße (Borngasse bis Theaterplatz), Theaterplatz, Kapuzinergraben, Friedrich-Wilhelm-Platz, Peterstraße, Komphausbadstraße, Seilgraben, Hirschgraben, Pontdriesch, Pontstraße und rund ums Ponttor.

Insgesamt 140 zusätzliche Schilder werden montiert sein, wenn in wenigen Tagen alle Strecken temporeduziert sind: Wüllnerstraße, Malteser-/Marienbongardstraße, Templergraben zwischen Wüllnerstraße und Pontstraße, Driescher Gässchen, Sandkaulstraße, Monheimsallee, Peterstraße und Theaterstraße zwischen Normaluhr bis Borngasse.

Bitte auf die Bremse treten: Bergab gilt auf der Karmeliterstraße ebenfalls Tempo 30. Foto: ZVA/Harald Krömer

Danach geht die Schildermontage noch weiter: „Überall dort, wo die Autofahrer vom Alleenring auf die Straßen innerhalb des Alleenrings abbiegen, werden in einem ersten Schritt zusätzlich zum Tempo-30-Schild noch Schilder mit dem Hinweis ,Luftreinhaltung’ angebracht“, teilt Harald Beckers vom Presseamt auf Anfrage mit. „Danach werden auch noch Monitore an ausgewählten Standorten montiert. Sie weisen Autofahrer darauf hin, dass das Tempo auf den Hauptverkehrsstraßen innerhalb des Alleenrings auf 30 Stundenkilometer abgesenkt worden ist“, erläutert er.

Immer wieder Schilder

Warum die Stadt so viele zusätzliche Tempo-30-Schilder pro Straße montiert? „Die Tempo-30-Streckengebote gelten immer nur von Kreuzung/Einmündung bis zur nächsten Kreuzung/Einmündung. Wer also von einer Nebenstraße auf eine Hauptverkehrsstraße einfährt, muss das Tempo-30-Schild sehen. Deshalb muss die Tempo-Regelung per Schild ständig wiederholt werden“, erklärt Becker.