Luftbilder lassen Bombenfunde unter Grundschule in Aachen vermuten

Der Schulstart verschiebt sich : Bombenblindgänger unter der Grundschule Hanbruch?

Liegen unter der Grundschule Hanbruch etwa Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg? Die Auswertung neuer Luftbilder lässt dies nach Mitteilung der Stadt Aachen jedenfalls vermuten. Sie hat die Bauarbeiten, die auf dem Schulgelände derzeit stattfinden, deshalb vorsichtshalber gestoppt.

Nichts geht mehr. Die Stadt Aachen hat für ihre Baustelle an der Katholischen Grundschule Hanbruch einen Baustopp verhängt. Der Grund für den überraschenden Schritt: Kurzfristig ist der Verdacht aufgetaucht, dass auf dem Gelände womöglich Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden liegen. Mit Spezialbohrungen will man sich nun Klarheit verschaffen.

Für Lehrer, Eltern und die 200 Kinder der Grundschule bedeutet das nach derzeitigem Stand: An der Hanbrucher Straße fängt die Schule nicht am Mittwoch, 28. August, sondern erst am Montag, 2. September, wieder an. In einer Pressemitteilung betonte die Verwaltung am Mittwoch: „Oberste Priorität hat für die Stadt der Schutz der Bevölkerung.“ Und weiter: „Eine akute Gefährdung liegt nicht vor.“

Drei Wochen zuvor hatte es noch keinerlei Hinweise auf irgendeine Gefahr gegeben. Das städtische Gebäudemanagement informierte damals über die zahlreichen Baumaßnahmen an Schulen in den Sommerferien und gab auch an der Hanbrucher Schule einen Überblick über die Pläne für die Grundschule. Die alte Pausenhalle hinter dem Altbau war da schon abgerissen. An ihrer Stelle soll ein Neubau mit Multifunktionsraum entstehen.

Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg

Wie in der Landesbauordnung vorgeschrieben, war die Baustelle an der Hanbrucher Straße im Vorfeld auf etwaige Kampfmittel in Boden untersucht worden. Dafür wurden Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg ausgewertet. Für das gesamte Aachener Stadtgebiet erledigt der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) der Bezirksregierung Düsseldorf diese Aufgabe. „Für den geplanten Neubau des Multifunktionstraktes der KGS Hanbruch wurde im Baugenehmigungsverfahren auf das Ergebnis der Luftbildauswertung aus dem Jahr 2004 zum damaligen Bau der Sporthalle zurückgegriffen“, teilte die Stadt am Mittwoch mit. „Damals wurden keine konkreten Verdachte festgestellt.“

Die Bauverwaltung gab daraufhin grünes Licht für den Baubeginn. Für Arbeiten mit erheblichen mechanischen Belastungen wurde allerdings eine Sicherheitsdetektion, eine spezielle Probebohrung, empfohlen. Und da für die Fundamente des Neubaus zahlreiche Bohrpfähle in den Boden gerammt werden müssen, habe das Gebäudemanagement eine solche Sicherheitsdetektion beantragt, heißt es weiter. Bei Fundamentarbeiten dieser Art ist das ein standardisiertes Verfahren.

An dieser Stelle nun kommen wieder die Kampfmittelbeseitiger ins Spiel. Der KBD unterhält ein Geoinformationssystem, in dem alle Antragsflächen seit 2006 enthalten sind. Um auch das Grundstück an der Hanbrucher Straße in diese Datenbank aufnehmen zu können, baten die Kampfmittelräumer um eine neuerliche Luftbildauswertung. Und dabei wurden zwei „Verdachtspunkte“ festgestellt. Was wiederum zu sofortigem Baustopp einerseits und reichlich Organisationsbedarf andererseits führte. „Das kam auch für uns völlig überraschend“, sagte Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt am Mittwoch. „Aber Sicherheit geht vor. Wir müssen sicher sein, dass da nichts Gefährliches im Boden liegt.“

Noch vor Ferienende sollen die beiden verdächtigen Bereiche überprüft werden. Spezialbohrer mit Sensoren sollen am Montag, 26. August, Klarheit bringen, ob auf dem Gelände tatsächlich seit Jahrzehnten nicht detonierte Sprengladungen unter der Erde liegen. Ein Spezialunternehmen wird jeweils in einem Radius von sechs Metern suchen und dabei bis zu sieben Meter in die Tiefe bohren. Mit diesem Verfahren können sogenannte ferromagnetische Störkörper entdeckt werden, eisenhaltige Gegenstände, die sich womöglich als Weltkriegsblindgänger entpuppen.

Bereits am kommenden Montag, 19. August, müssen der Schulhof und der benachbarte Spielplatz für die Bohrungen vorbereitet werden. Unter anderem wird der Bauwagen der Offenen Ganztagsschule (OGS) vorübergehend umgesetzt, der Spielplatz muss gesperrt werden. Probeschachtungen sollen Aufschluss geben, wo im Boden Grundleitungen verlaufen.

Auf den Schulbetrieb an der Grundschule wirkt sich der Blindgänger-Verdacht schon in den Ferien massiv aus. Die Ferienbetreuung der OGS muss nächste Woche in ein Ausweichquartier umziehen. 15 bis 20 Kinder werden dann erwartet. Kinder und Betreuer kommen in Räumen an der Händelstraße unter, wo auch die OGS der Grundschule Bildchen bereits untergebracht ist.

Drei Tage länger Ferien

Mit Schulleiterin Stefanie Krapp hat die Verwaltung vereinbart, dass der Unterrichtsbeginn nach derzeitigem Stand auf Montag, 2. September, verschoben wird. Die Schule werde alle Eltern informieren, dass es später losgeht, heißt es bei der Stadt. Derzeit überlege man, wie das „verlässlich“ hinzukriegen sei. Für Familien, die durch den späteren Schulstart ein Betreuungsproblem bekommen, müsse womöglich auch eine Notfallbetreuung organisiert werden, erklärte Stefan Herrmann. Mit allen Fragen können sich betroffene Eltern an die Schulverwaltung, Telefon 0241/432-45401 und -45423, wenden. Schon jetzt sei abzusehen, dass sich die Baumaßnahme an der Schule um mindestens drei bis vier Wochen verzögern werde, sagte Herrmann, „selbst wenn man bei den Bohrungen nichts findet.“

Betroffen von den zwangsweise verlängerten Ferien sind auch 47 Mädchen und Jungen, die dem Schulbesuch wahrscheinlich sehnlichst entgegenfiebern. Die 47 i-Dötzchen der KGS Hanbruch müssen sich nun ebenfalls ein paar Tage länger gedulden.

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