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Aachen: Lothringair: Ein Straßenfest wie aus einem (Regen-)Guss

Aachen : Lothringair: Ein Straßenfest wie aus einem (Regen-)Guss

Pack’ die Gummistiefel ein, wir gehen feiern! Auch wenn es zeitweise wie aus Eimern schüttete, wurde bei dem Straßenfestival „Lothringair — Eine Straße macht Kultur“ am vergangenen Samstag wieder feuchtfröhlich gefeiert: Bereits zum vierten Mal lud das alternative Straßenfest zu Kultur, Kunst, Musik und Essen ein.

Wie auch in den Vorjahren verwandelten sich Geschäfte, Ateliers und Büros in Bühnen und Ausstellungsräume, so dass von 14 bis 22 Uhr die gesamte Lothringerstraße kurzerhand zu einer autofreien Kulturmeile für Groß und Klein wurde.

Überschaubarer Besuch, tolle Stimmung: Beim Lothringair im Frankenberger Viertel gab es trotz Regens viel Musik unter freiem Himmel.

Viel Unterhaltung

Stadtbekannte Institutionen wie die Bleiberger Fabrik, das Hochschulradio Aachen oder das Stadtmagazin Klenkes sorgten trotz des Regens für abwechslungsreiche Unterhaltung. Richard Mariaux vom Klenkes und seine Kollegen konnte auch das miese Wetter nichts anhaben: „Wir haben kurz darüber nachgedacht, alles einzupacken, als es richtig los ging. Aber zum Glück haben die Planen und unsere Regenjacken uns nicht im Stich gelassen.“

Graffitikünstler und Maler Matthes Straetmans, besser bekannt als „Lazy65“, hat aufgrund der schlechten Wetterprognose für das Wochenende seine Kunst gar nicht erst ausgepackt: „Ich hatte überlegt, meine Bilder hier aufzustellen. Aber bei dem Regen? Es ist ja auch mal schön, einfach nur als Zuschauer das Straßenfest zu besuchen.“ Dass das Publikum diesmal überschaubarer ist, findet er gar nicht so schlimm: „Auch wenn wir mehr Besucher erwartet hatten, gefällt es mir persönlich besser, dass sich nicht die Massen durch die Straßen schieben — wie letztes Jahr. Hier sind diesmal nur die richtigen Fans, die Hardliner, die sich vom Regen nicht abschrecken lassen.“

Ausstellung präsentiert

Trockene Füße gab es dafür in der ehemaligen Apotheke in der Lothringerstraße 76. Hier präsentierte der seit vier Jahren in Aachen lebende Fotograf Kevin Biberbach seine erste Ausstellung „EVRY DAY“. In dem „365Am-Tage Fotoprojekt“ hat er jeden Tag einen besonderen Moment im Leben verschiedener interessanter Menschen mit der Kamera festgehalten und ihnen dazu eine spontane Frage gestellt. „Ich habe gehofft, dass einige Menschen meine Ausstellung besuchen werden, aber dass die Räume so voll sein werden, habe ich nicht erwartet,“ sagt Biberbach. „Festivals leben ja vor allem vom guten Wetter. Umso mehr freut es mich, dass doch so viele Leute gekommen sind.“

Ebenfalls gut besucht war die ehemalige jesuitische Klosterkirche St. Alfons, in der heute das renommierte Beratungsunternehmen BET Büro für Energiewirtschaft und Planung seine Arbeit verrichtet. Neben dem Cellisten Daniel Brandl stand hier auch die „Comédia — Junges Theater aus Köln“ auf der Bühne. Man führte das Recherchestück „Taksi to Istanbul“ auf, in den es um die Reise von drei jungen Menschen mit verschiedenen Sehnsüchten und Wünschen nach Istanbul geht, die auf der Suche nach ihrer nationalen und kulturellen Zugehörigkeit sind.

Aber auch für die kleineren Besucher fehlte es nicht an Angeboten: Der Schülerzirkus Configurani führte das Stück „Alice im Wunderland“ auf. Und wer selber künstlerisch tätig werden wollte, konnte im Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung an einem Graffiti- und Zeichnenworkshop teilnehmen — oder an Bastelständen seiner Kreativität freien Lauf lassen. Wer danach hungrig war, konnte sich einfach vom Geruch der frischgebackenen Pizza oder des vegetarischen Döners zu einem der kulinarischen Stationen leiten lassen.

Nur Fenster öffnen

Am entspanntesten und trockensten war der Tag aber wahrscheinlich für die Anwohner der Lothringerstraße. Denn wer keine Lust auf nasse Haare und feuchte Kleidung hatte und trotzdem am bunten Treiben teilnehmen wollte, brauchte nur nur das Fenster zu öffnen, um etwa der Folkband „Walking on Rivers“, der Aachener Funkband „Mofo and the sexy humans“ oder vielen weiteren Konzerten beizuwohnen.