Aachen: Livemusik und Kabarett im alten Sexkino

Aachen: Livemusik und Kabarett im alten Sexkino

Die nackten Tatsachen kommen ohne Schmuddelkram aus: „60 Kubikmeter Pornokino-Schrott haben wir aus dem alten Sexkino gekarrt, bevor wir mit unserem Umbau beginnen konnten”, erklärt Ralf Stollenwerk. Der Diskjockey hat sich unmittelbar vor dem Hansemannplatz, an der Peterstraße 55, einen Traum erfüllt.

„Fiftyfive” prangt nun statt blanker Haut über dem schwarzen Portal, innen glänzt der Lounge-Club mit feinster Ausstattung. 157.400 Euro hat er nach eigenen Angaben investiert. Mehrere hundert Gäste sollen hier abends Elektromusik von „Minimaltechno” bis „House”, Jazzkonzerte, Kabarett und Comedy-Shows besuchen.

„Schon unser Eröffnungswochenende Anfang Mai war ein Riesen-Erfolg”, sagt „Fiftyfive”-Chef Stollenwerk. Doch seitdem ist das Portal für Gäste geschlossen. Aachens nächtliche Partylandschaft steckt im Umbruch. Neben den großen Diskotempeln wie „B9”, „Tanzpalast”, „Image/Abendrot” und „Starfish” suchen kleinere Lokalbetreiber nach dem Erfolg in Nischen.

Genauso wie der Hansemannplatz und die Achse Peterstraße/Jülicher Straße. Zwischen den Spielhallen haben die meisten Sexkinos und -clubs mittlerweile ihre Türen verrammelt. Die Konzessionen für derlei „Vergnügungsstätten” laufen dann mit der Zeit aus. Eine Chance für die Stadt, an solchen Stellen ihr Schmuddelimage loszuwerden. Die politische Ratsmehrheit hatte immer wieder bekundet, keine weitere Ausdehnung unliebsamer Unternehmungen wie Internetcafs/Wettbüros, Automatenspielhallen und Sexkinos zulassen zu wollen.

Das macht die Wiedereröffnung der Ladenlokale - auch für hochwertige Clubs mit Konzerten und Kabarett - aufgrund dann zu erneuernder baurechtlicher Nachweise zum Teil durchaus schwierig. Wie das 190 Quadratmeter große „Fiftyfive”, das nun in dem früheren Kinosaal mit bis zu 60 Zentimeter dicken Mauern beheimatet ist, konzessioniert wird, soll nach Auskunft der Stadt in der kommenden Woche erörtert werden. Dem Vernehmen nach ist überdies die Wiedereröffnung einer früheren Kultdiskothek geplant, die noch näher am Stadtkern liegt.

Derweil buhlen Kneipen, Cafés, Clubs und Diskotheken entlang der Pontstraße ständig mit neuen Angeboten um die Gunst der meist jungen Kundschaft. Das ehemals reinrassige Programmkino „Apollo” zieht mittlerweile weit mehr Partygäste als Filmfans an.

An der Ecke Pontstraße/Marienbongard sollte unterdessen mehr nackte Haut für ansehnliche Umsätze sorgen. Die Fastfood-Kette „Hooters” hatte schon vor Monaten vollmundig angekündigt, an dieser Stelle ein Lokal mit knapp bekleideten Kellnerinnen eröffnen zu wollen - spätestens zur Fußball-WM. Doch der Umbau lässt auf sich warten. Genauso wie eine Stellungnahme der „Hooters”-Zentrale in Saarbrücken zum Stand ihrer Aktivitäten in Aachen.

Kenner der Gastronomie-Szene erwarten, dass sich das Gesicht der Partyviertel - auch an der Milchstraße - weiter wandelt. Einige namhafte Restaurants haben anscheinend große Probleme, mit den Billig-Angeboten der Fastfood-Konkurrenz mitzuhalten. Dann sollen dort weitere Lounges, Clubs und Disko-Betriebe einziehen, heißt es.

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