Aachen: „litAIX“: Literarischer Blick auf die Menschenwürde

Aachen: „litAIX“: Literarischer Blick auf die Menschenwürde

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so lautet der erste Artikel des Grundgesetzes. Liest man Kommentare in Online-Medien, mag man meinen, dass so mancher Nutzer diesen Satz zwar nicht vergessen hat, ihn aber kaum beherzigt.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so lautet der erste Artikel des Grundgesetzes. Liest man Kommentare in Online-Medien, mag man meinen, dass so mancher Nutzer diesen Satz zwar nicht vergessen hat, ihn aber kaum beherzigt. Wegen der wachsenden rechten Tendenzen, die nicht nur für einen Aufschwung der AfD gesorgt haben, sondern auch Donald Trump in den USA an die Macht gebracht haben, stand die „litAIX“ 2018, organisiert von Marga Meier mit Unterstützung der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, ganz im Zeichen des ersten Artikels des Grundgesetzes.

Im Rahmen der Initiative „Offenes Aachen — Initiative für Demokratie, Menschenwürde und Vielfalt“ fand die Veranstaltung bei der Erholungsgesellschaft Aachen statt. In verschiedenen literarischen Formen setzten sich an diesem Abend Schriftsteller, Poeten, Wissenschaftler und Musiker mit der Frage nach der Menschenwürde auseinander. Dass die Frage nach der Würde, nach dem Nachdenken darüber, wie man für ein besseres Leben für alle sorgen kann, keine neuzeitliche Frage ist, zeigte der erste Beitrag.

Schon der mittelhochdeutsche Dichter Walther von der Vogelweide stellte sich diese und andere Fragen im sogenannten Reichston. In Kostümierung las der promovierte Germanist und ehemalige Leiter des Anne-Frank-Gymnasiums Werner Haubrich die erste Strophe des Reichstons vor, die sogenannte Reichsklage, besser bekannt unter ihrem ersten Satz: „ich saz uf eime steine“.

Wie Berthold Brecht später ebenfalls feststellte, sind es auch schon im Mittelalter die Verhältnisse gewesen, die es zu ändern galt. Diesen zu ändernden Verhältnissen widmete sich auch Poetry-Slammerin Caroline Heintz mit ihrem sehr düsteren Gedicht „Hoffnungslos“. Das Gedicht, das sich ebenfalls als Aufruf zum Handeln verstehen lässt, bekam zurecht viel Applaus, machte aber auch sehr nachdenklich. Denn die anwesenden Gäste dürften nicht diejenigen sein, an die sich solche Gedichte in erster Linie richten.

Riema und Alesia, zwei Schülerinnen des Anne-Frank-Gymnasiums, die an einem schulinternen Projekt namens „Zwischen den Welten“ teilgenommen haben, stellten zwei Texte aus dem während diesem Projekt entstandenen Buch gleichen Titels vor. Es sind berührende Texte, solche, die zeigen, wie sehr junge Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund mit der eigenen Identität hadern, wie sehr sie ihre Verwandten und ihre Familie vermissen.

Schauspieler Karl Walter Sprungala trug den Text „Der Ich,man, ein Jemand und ich — in Basel am Rhein“ von Dieter Roth vor. Der sehr in sich verschlungene, aber unterhaltsame Text setzte sich vor allem mit dem Selbstverständnis des Menschen auseinander. Es war eine Freude, Sprungala bei seiner kleinen Vorstellung zuzuschauen.

Nach einer kurzen Pause stellte Walter Vennen die Anthologie „Wer die Wahrheit spricht … muss immer ein gesatteltes Pferd bereit halten“, die sich ebenfalls mit der Menschenwürde beschäftigt, vor. Am Schluss hielt Philosoph und Gründer des Logoi in Aachen, einen Vortrag über das Thema „Menschenrechte — Warum tun wir uns nur so schwer mit ihnen?“ Es war ein aufwühlender Abend, der in der heutigen Zeit viel nötiger ist denn je.

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