Aachen: Lions-Clubs wollen jungen Flüchtlingen zur Seite stehen

Aachen : Lions-Clubs wollen jungen Flüchtlingen zur Seite stehen

„28 Jahre ist es her, dass eine clubübergreifende Veranstaltung stattgefunden hat,“ verkündet Kurt Drews, Präsident des Lions-Club Aachen-Kaiserpfalz. „Und heute freue ich mich besonders, dass Sie so zahlreich erschienen sind, um etwas für den guten Zweck zu tun.“

Nun trafen sich deshalb sechs Lions-Clubs und ein Leo-Club im Quellenhof, um sich bei ihrer Jahresauftaktveranstaltung über Hilfsmaßnahmen für ein ganz aktuelles Thema zu informieren: jugendliche Flüchtlinge in Aachen.

Dafür wurde Susanne Schwier, Dezernentin für Bildung, Schule, Kultur und Sport der Stadt, eingeladen, die mit ihrem Vortrag neue Denkanstöße zu Hilfsmaßnahmen gab. Unter anderem stellte sie das Projekt „Teach First Fellow“ vor, mit dem in Hamburg gute Erfolge erzielt wurden. Das bundesweite Programm ermöglicht Hochschulabsolventen — „Fellows“ genannt —, vor dem Einstieg in den Beruf für zwei Jahre ganztägig an einer Schule soziale Erfahrungen zu sammeln, indem sie beispielsweise Klassen unterrichten, benachteiligte Schülerinnen und Schüler individuell fördern oder Projekte anbieten.

Dies könnte sich Schwier auch für Aachener Schulen vorstellen, an denen viele Flüchtlinge unterrichtet werden. Denn insgesamt 40 sogenannte internationale Flüchtlingsklassen gibt es bereits in Aachen.

Von rund 55.000 Kindern und Jugendlichen, die ohne Erziehungsberechtigte nach Deutschland geflüchtet sind, befinden sich aktuell 650 in Aachen. Diese werden beispielsweise von der Bundespolizei am Hauptbahnhof aufgegriffen und erst einmal vom Kinderheim Burscheid in Obhut genommen, bevor sie dann durch das Jugendamt auf andere Heime verteilt werden.

„Es ist erschreckend wie gekennzeichnet diese jungen Menschen durch ihre Fluchterfahrung sind,“ erzählte Schwier. „Geflüchtet vor Terror, Krieg, Unterdrückung oder Chancenlosigkeit, kommen sie hier völlig erschöpft und traumatisiert an und schlafen nach einer warmen Mahlzeit und einer erfrischenden Dusche teilweise erst einmal 20 Stunden.“

Die meisten von ihnen sind männlich, zwischen 13 und 18 Jahre alt und kommen aus Krisenländern wie Afghanistan, Eritrea oder Syrien. Der Bildungsstand sei sehr unterschiedlich. So gibt es Jugendliche, die bereits das Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können, und wieder andere, die noch nicht einmal ihren eigenen Namen buchstabieren können. Genau hier möchte „Teach First Fellow“ ansetzen, denn die meisten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sind schulpflichtig, weiß die Dezernentin. „Sie brauchen ein Bildungsangebot und eine geordnete Tagesstruktur. Salopp gesagt: Das Schlimmste für die Jugendlichen ist es, wenn sie rumgammeln und nichts tun.“

Alleine kann die Stadt eine freiwillige Leistung wie einen „Fellow“, der 52.000 Euro auf zwei Jahre kosten würde, nicht stemmen, weshalb sie auf die Spendenbereitschaft der Lions-Clubs hofft. „Schließlich möchten wir die Jugendlichen in unserer Stadt willkommen heißen und ihnen eine bestmögliche Förderung anbieten, um ihnen so eine soziale, politische und kulturelle Teilhabe ermöglichen zu können.“