Linke fordern sozialen Wohnungsbau auf dem BLB-Gelände

Ehemaliges Landesstraßenbauamt bleibt ungenutzt : Linke läuft Sturm gegen den Stillstand

Der Zahn der Zeit hat an diesem Gebäude genagt. Aber längst nicht nur er. Schon von außen ist gut erkennbar, dass Vandalen im ehemaligen Landesstraßenbauamt ganze Arbeit geleistet haben.

Die Zäune, mit denen das Grundstück in exponierter Lage an der Karl-Marx-Allee abgesperrt ist, konnten sie offensichtlich nicht davon abhalten. Und so verfällt die 1965 fertiggestellte Immobilie, aus der sich der Landesbetrieb Straßen NRW mit seiner Aachener Niederlassung im Frühjahr 2013 zurückgezogen hat, zusehends.

5000 Quadratmeter Grundstück und 3000 Quadratmeter Nutzfläche liegen seit mittlerweile fast sechs Jahren brach und leer. Und ein Ende des jämmerlichen Zustandes ist immer noch nicht in Sicht. Die Linken bringt das mächtig in Rage. Sie haben am Freitag in einem Gespräch mit unserer Zeitung vehement gefordert, dass endlich Bewegung in die Angelegenheit kommen müsse. Und zwar in eine ganz bestimmte Richtung: „Eine solch große Fläche über Jahre nicht zu entwickeln, ist völlig unverantwortlich“, findet Marc Beus. Auf dem Wohnungsmarkt gebe es gerade im günstigeren Segment einen akuten Mangel. „Deshalb muss nicht erst in zehn Jahren, sondern sofort gehandelt werden, um an dieser Stelle sozialen Wohnraum zu schaffen“, fordert der planungspolitische Sprecher der Aachener Linken-Fraktion.

Voraussetzung dafür sei, dass der aktuelle Eigentümer – der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) – das Grundstück an die Stadt Aachen verkaufe. „Und zwar zu einem reduzierten Preis. Denn durch den Bau von preisgünstigen Wohnungen wird ein gesellschaftlicher Mehrwert geschaffen“, unterstreicht Ellen Begolli. „Der BLB hat schließlich auch eine soziale Verantwortung in dieser Stadt“, stellt die wohnungspolitische Sprecherin fest. Bis zu 120 Wohneinheiten könnten nach einer Schätzung der Linken in der Burtscheider Randlage geschaffen werden. Wobei sie eine Nutzung des maroden Bestandsgebäudes ausschließen. Ebenso wie eine Entwicklung und Vermarktung durch private Investoren. „Es handelt sich um öffentliches Eigentum, das auch in Zukunft der Öffentlichkeit, das heißt den Bürgern, zugute kommen soll“, betont Marc Beus. Deshalb gebe es nur zwei Möglichkeiten: „Entweder baut die Stadt an dieser Stelle selbst, oder die Gewoge übernimmt das.“ In diesem Sinne soll die Stadt Aachen nach den Vorstellungen der Linken Druck auf den BLB machen. „Es kann doch nicht sein, dass zwei öffentliche Stellen es über Jahre nicht schaffen, sich im Interesse der Bürger zu einigen.“

Vor knapp zwei Jahren hatte es kurzzeitig schon einmal so ausgesehen, als könnte es was werden mit dem Verkauf des Grundstücks. Damals hatte es eine erste Kontaktaufnahme gegeben zwischen der Gewoge und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb, was von letzterer auf Anfrage bestätigt worden war. Getan hat sich seitdem nichts. Eine andere Idee hatte sich bereits drei Jahre zuvor zerschlagen. Damals hatte die Stadt in Erwägung gezogen, einen Teil des Gebäudes für die vorübergehende Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. Auch hier blieb es bei einem Gedankenspiel.

Ob zu diesem Thema in näherer Zukunft mehr zu erwarten ist, bleibt offen. Tim Irion, Pressesprecher des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW, wollte sich am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung nicht äußern und kündigte stattdessen eine Stellungnahme für die kommende Woche an. Auch bei der Stadt Aachen hält man sich eher bedeckt. „Das Interesse ist vorhanden, es gibt allerdings derzeit keine Verkaufsgespräche“, erklärte Harald Beckers vom Presseamt. Aber es gibt eine Absprache zwischen Stadt und BLB: „Wir werden informiert, wenn das Objekt auf den Markt gebracht werden soll.“ Bis es soweit ist, wird der Zahn der Zeit weiter an dem maroden Gebäude nagen. Und nicht nur er…