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Neuveröffentlichung: Liebeserklärungen an die Seele

Neuveröffentlichung : Liebeserklärungen an die Seele

Es sei sein bisher persönlichstes Buch, sagte Rainer Oberthür bei der Vorstellung seines neuen Buches „Der Seelensucher“. Zu erkennen auch an einer erstmals aufgenommenen Widmung für seine gestorbenen Eltern. Entstanden ist ein Buch für Kinder – aber nicht nur für Kinder.

„Vielleicht hatte ich in den vergangenen Monaten zu viele Abschiede, habe meine eigene Sterblichkeit stärker als sonst erfahren“, überlegte der Autor und Dozent für Religionspädagogik am Katechetischen Institut des Bistums Aachen. Grundsätzlich begegne ihm die Seele aber immer wieder – in Gesprächen mit Lehramtsanwärtern, Lehrerinnen und nicht zuletzt mit Kindern. „Schon sie haben eine Ahnung von der Seele.“ Aus diesen Gesprächen und aus dem Studium der Kulturgeschichte der Seele entstand das jetzt erschienene Buch.

Oberthür teilt die Geschichte des Seelensuchers in drei Teile: „Der Seelensucher“ beschreibt die Rahmenhandlung. Ein Mann, der sein Heil in Besitz und Ichbezogenheit sucht, ist erst unzufrieden und schließlich krank. Die Alte Sophia, Frau Weisheit, schickt ihn auf eine Reise, um seine Seele wiederzufinden, in dem er herausfindet, was die Seele ist. Er trennt sich von allem, was er besitzt, und zieht los. Er fragt alle, die er auf seiner Reise trifft, nach der Seele.

Davon zeugt „Die Sammlung des Seelensuchers“. Hier hat Oberthür in kurzen Abschnitten all das mit seinen Worten aufgeschrieben, was er von Kindern, Frauen und Männern aus Naturwissenschaft, Literatur, Philosophie und Theologie gehört und gelesen hat: Mal beschreibt er die Seele als Labyrinth, mal als Sonne im Menschen. Sie ist der Ort, in dem Angst und Liebe fließt. Sie braucht Zuwendung, kann zerbrechen und ist zugleich eine innere Kraft. Oberthürs Sammlung von Beschreibungen, was die Seele ist, „sind 99 Liebeserklärungen an die Seele“, erklärte er und gab zugleich zu bedenken: „Wir wollen begreifen, was die Seele ist, werden es aber nie können. Dennoch ist die Auseinandersetzung mit der Frage schon bereichernd.“

Im dritten Teil geht es um „Die Geschichte der Seele“ – vom Urknall bis zum Menschen, der sich seiner selbst bewusst ist, seine Umwelt erforscht und die Welt gestaltet. Hier lässt Oberthür auch Gott und seine christliche Überzeugung einfließen. Allerdings auf zurückgenommene Weise, denn: „Die Seele beschäftigt die Menschheit seit 3000 Jahren und über alle Religionen hinweg.“

Obwohl Kinder eine wesentliche Rolle bei der Entstehung des Buches gespielt haben, ist „Der Seelensucher“ kein Buch für Kinder allein. „Ich versuche immer alle Altersgruppen anzusprechen“, so Oberthür. Dies ist ihm dies äußerst gut gelungen. Dazu trägt auch die Illustratorin Barbara Nascimbeni bei, die in zarten Farben Oberthürs Liebeserklärungen umsetzt, besonders eindrücklich, wenn Oberthürs Worte eher im Indirekten, im Philosophischen bleiben.