„Faires Wohnen“: Lieber an einen Tisch als vor den Richter

„Faires Wohnen“ : Lieber an einen Tisch als vor den Richter

Probleme gibt es mehr als genug, wenn man sich um ein Mietshaus und um die darin befindlichen Mieter zu kümmern hat, als Hausbesitzer oder -besitzerin etwa. Oder auch als Mieter, der darin wohnt.

Denn viele Menschen können angesichts immer knapper werdenden Wohnraums in den Städten ein Lied davon singen, was impulsiver Streit unter Nachbarn oder zwischen Mietern und Vermietern alles anrichten kann.

Doch müssen solche Interessengegensätze zwangsläufig vor dem Kadi oder als Vorstufen beim Anwalt landen? Nein, meint Hausbesitzerin und Vermieterin Helga Junker (76) und berichtet über ihre bereits 2012 gestarteten Bemühungen, sich regelmäßig über Miet-, Vertrags- und Rechtsprobleme oder auch über Handwerker und ihre vorhandenen oder eben nicht vorhandenen Qualitäten auszutauschen. „Ende 2012 hatte ich die Idee, eine Selbsthilfegruppe für diese Fragen ins Leben zu rufen“, berichtet Helga Junker und weiter: „Die Leute kamen und sie treffen sich, in anderer Zusammensetzung, heute noch.“

Doch sie und ihr Sohn Dimitri Junker (55) wollen noch ein Stück weiter gehen. „Ich stelle mir vor, einen Verein ins Leben zu rufen, dessen Inhalt es ist, sich für ‚Faires Wohnen‘ einzusetzen, zu werben für eine Gemeinschaft, in der die aktuellen Probleme zwischen den verschiedenen Interessen ohne gegenseitige Drohungen wieder beigelegt werden können“, wünscht sich Dimitri Junker und sagt: „Da können sich Mieter und Vermieter dann austauschen“.

Konsens und die friedliche Beilegung von zwischenmenschlichen Konflikten liegen ihr am Herzen. Dabei lägen manches Mal die Interessen von Mietern und Vermietern nahe beieinander. So habe man sich bei den Treffen immer wieder gegenseitig guten Tipps geben können, Tipps zum Beispiel, wo man schneller Handwerker herbekommt und dann solche, die solide arbeiten.

Auch um faire Mieten halten zu können – und sie sei immer noch kein Freund von ungezügelten Mieterhöhungen – habe sie zumeist alle ihre Wohnungen selber saniert, sagt Junker, und sie kann das, denn als gelernte Bauingenieurin weiß sie, was nötig ist.

„Faires Wohnen“ setze eben voraus, dass ein zufriedenstellender Interessenausgleich gefunden werde, meint auch Dimitri Junker, der für die Mutter die beiden Immobilien, die sie besitzen, inzwischen verwaltet.

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