Aachen: Letzter Rettungsring für das Bad im Preuswald?

Aachen: Letzter Rettungsring für das Bad im Preuswald?

Die Stadt wirbt gerne mit dem Titel „Bad Aachen“. Werner Dünnbier kann darüber derzeit nur enttäuscht den Kopf schütteln. Denn „sein“ Schwimmbad im Preuswald soll spätestens am 12. Dezember geschlossen werden. Das erzürnt Dünnbier und viele Bewohner des Viertels.

Daher haben sie vor einigen Monaten die Initiative „Rettet das Schwimmbad“ ins Leben gerufen. Am kommenden Mittwoch laden sie zu einem runden Tisch ein, um Licht ins Dunkel der Causa Bad Preuswald zu bekommen. Die letzte Hoffnung setzen sie dabei vor allem auf die Stadt.

Engagieren sich für den Erhalt des Bades:Christa Hein, Werner Dünnbier und Irene Elsing. Foto: Michael Jaspers

Aktueller Inhaber des Schwimmbads ist das Immobilienunternehmen Deutsche Annington, dem ein Großteil der Wohnhäuser im Quartier gehört. Seit vielen Jahren besteht ein Vertrag zwischen der Annington und dem Marienhospital, das das Schwimmbad als Mieter betreibt. Das Hospital hatte zum 30. Juni diesen Jahres den Nutzungsvertrag mit der Annigton fristgerecht gekündigt. „Das Bad ist wirtschaftlich nicht mehr zu halten gewesen“, so Rolf-Leonhard Haugrund, Vorstand der Katholischen Stiftung Marienhospital. 90 Kurse finden pro Woche statt. „Das Bad ist von montags bis samstags ständig belegt“, sagt Dünnbier. Über 1000 Teilnehmer zählen die Kurse — vom Babyschwimmen bis zur Wassergymnastik.

Doch all das soll Mitte Dezember vorbei sein. Im Sommer teilte die katholische Stiftung Marienhospital in einem Aushang mit: „Zur Aufrechterhaltung der Hygiene- und Sicherheitsstandards sind hohe Investitionen durch die Deutsche Annington notwendig, die diese nur im Falle einer Refinanzierung durchführen würde.“ Seit Jahren, klagen die Menschen im Preuswald, sei es den verantwortlichen Parteien nicht gelungen, notwendige Sanierungen anzugehen.

Mitte Juli überreichte die Initiative knapp 1600 Unterschriften zum Erhalt des Bads an Oberbürgermeister Marcel Philipp. Der versprach damals: „Wir werden alles ausnutzen, was geht, und auch den Klageweg nicht scheuen.“ Diesen ultimativen Einsatz fordern die Sprecher der Initiative, Dünnbier und Dr. Volker Siller, jetzt von der Stadt. Denn die Stadt ist Verpächter des Bades — im Sinne des Erbbaurechts — und hat so aus Sicht der Initiative die Möglichkeiten, auf die Annington einzuwirken.

Es geht ums liebe Geld

„Grundlegend hat sich an der Haltung der Stadt nichts geändert“, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt am Freitag auf AZ-Anfrage. Zwar sei man bestrebt, das Bad zu erhalten, doch die Kostenfrage sei nicht beantwortet. In einem Schriftwechsel zwischen Aachens SPD-Chef Karl Schultheis und Haugrund sprach letzterer im Juni diesen Jahres davon, dass das Bad 80 000 Euro Minus pro Jahr mache. In einem offenen Brief an die Schwimmbadnutzer wenige Wochen später wurde dann bereits von einer Unterdeckung in Höhe von 100 000 Euro gesprochen. Das Ganze war verbunden mit der Frage, ob die Schwimmbadgäste bereit wären, eine 30-prozentige Erhöhung der Kursgebühr zu akzeptieren. Damit schöpfte man im Preuswald Hoffnung. „Ein Großteil stimmte zu. Da haben wir gedacht: Es tut sich was“, erzählt Dünnbier. Doch passiert ist seitdem aus Augen der Initiative nichts mehr.

Die Deutsche Annington teilte am Freitag auf Anfrage der AZ mit, dass sie wegen „der Kurzfristigkeit des Termins und der Absage wichtiger Gesprächspartner“ keinen eigenen Vertreter zum runden Tisch am 13. November schicken kann. Man sei aber mit der Aachener Stadtverwaltung im Kontakt und sei „jederzeit gesprächs- und verhandlungsbereit“, sobald sich „sich ein geeigneter Betreiber für das Schwimmbad im Aachener Preuswald findet“. Rolf-Leonhard Haugrund sagte am Freitag, er habe um eine Verlegung des Termins gebeten. Da dies von Seiten der Bürgerinitiative nicht möglich gewesen sei, habe man vom Marienhospital die Teilnahme ebenfalls absagen müssen.

Für viele Bewohner stellt das Schwimmbad einen wichtigen sozialen Treffpunkt im Brennpunkt Preuswald dar. Auch die Schüler der nahen KGS Bildchen nutzen bisher das Bad und lernen dort das Schwimmen. „Was passiert dann mit denen?“, fragen die Mitglieder der Initiative und verweisen dabei auf die Alleinstellungsmerkmale des Bads: eine variabel einstellbare Wassertemperatur und -tiefe.

Ausweichtermine, die das zum Marienhospital gehörende Zentrum für Gesundheitsförderung (ZGF), das die Kurse durchführt, in Zukunft in einem kleineren Schwimmbecken im Haus Hörn anbieten wird, kommen für viele Bewohner im Preuswald nicht in Frage.

Und so bleibt vielen nur der letzte Funken Hoffnung, dass es doch noch eine Lösung für „ihr“ Bad vor Ort gibt. „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagt Dünnbier entschlossen.