Lessing trifft auf Elfriede Jelinek

Neu am Theater Aachen : Menschlichkeit und Toleranz als zentrale Werte

Was passiert bei einer Kostprobe im Theater Aachen?

„Wir haben den Rahmen verändert und damit auch neue Erkenntnisse gewonnen“, meint Regisseur Jan Langenheim zur neuen Inszenierung „Nathan der Weise“ am Theater Aachen.

Zwar steht Lessings „Nathan der Weise“ nach wie vor im Mittelpunkt der aktuellen Inszenierung am Theater Aachen, aber die gleichzeitige Konfrontation mit den Texten aus Elfriede Jelineks Sekundärdrama „Abraumhalde“ gibt der Aufführung auch nach Meinung der Dramaturgin Inge Zeppenfeld eine ganz neue Dimension. Denn Lessings Ursprungstext wurde ihrer Meinung nach bei dieser Inszenierung so durchgerüttelt und durchgeschüttelt, dass neue Nuancen sichtbar wurden.

Menschlichkeit und Toleranz spielen in „Nathan der Weise“ eine ganz zentrale Rolle, doch laut Langenheim steht das vorgestellte Ideal in einem großen Widerspruch zur Realität. Während in Lessings Werk die drei Weltreligionen friedlich miteinander auskommen, entwickelt sich das darauffolgende Zeitgeschehen tatsächlich in eine ganz andere Richtung und mündet schließlich im Holocaust. Muss da nicht der Gottesglaube, und vor allem auch der Glaube an die menschliche Vernunft, ins Wanken geraten? Das ist die Frage, die sich laut Langenheim zwangsläufig daraus ergibt.

„Das wird ein toller Abend“, ist er mit Blick auf die Premiere am 20. September, um 20 Uhr in der Kammer überzeugt. Drei Schauspieler übernehmen insgesamt rund zehn Rollen und haben sich darauf intensiv vorbereitet. Abgesehen von den Proben ist das Ensemble sogar nach Jerusalem gereist, um sich die Original-Schauplätze des Stückes anzusehen. Langenheim beschreibt die Vorbereitungen als „Nathan-Werkstatt“, in der alle gemeinsam das Stück entwickelten. Und mit dem Ergebnis sind nun alle gleichermaßen zufrieden.

Gotthold Ephraim Lessing vereint in seinem Werk die drei Weltreligionen vor allem auch in der Figur der Recha, Ziehtochter des unorthodoxen Juden Nathan. Recha ist Tochter einer europäischen Christin und eines zum Christentum konvertierten Moslems. Und Lessings Ringparabel gilt als Schlüsseltext der Aufklärung. Selbst wenn Humanität und Toleranz als Hauptbotschaften der Aufklärung in der Realität immer wieder gescheitert seien, so sieht Inge Zeppenfeld im Stück noch eine ganz andere Utopie: „Wir sollten das Ringen um Verständigung niemals aufgeben“, sagt sie auch mit Blick auf den Umgang mit der AFD.