Aachen: Lesekünstler in spektakulärer Kulisse

Aachen : Lesekünstler in spektakulärer Kulisse

Wenn Oliver Scherz vorliest, dann kann man sofort verstehen, warum der Kinderbuchautor 2015 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum „Lesekünstler des Jahres“ gewählt wurde.

Vom ersten Moment seiner Lesung im Aachener Dom am Sonntag zog der 1974 in Essen geborene Autor seine jungen Zuhörerinnen und Zuhörer mit „Wenn der geheime Park erwacht, nehmt euch vor Schabalu in Acht“ in seinen Bann. Das 2016 erschienene Buch begeistert wohl nicht nur Grundschüler aufgrund seines Fantasiereichtums und vor allem der spektakulären Kulisse.

Die Geschwister Jonathan, Kaja und Mo sind wie magisch angezogen von dem verlassenen Vergnügungspark und betreten eines Tages, obwohl es natürlich verboten ist, den Park. Riesige Dinosaurierfiguren liegen zerbrochen auf dem Boden, die Bahn, die einst Besucher durch den Park transportierte, steht still und rostig auf ihren Schienen. Und plötzlich, in einem geisterhaften Westernsaloon, erwacht der Park zum Leben. „Geht nach Hause, dieser Park ist für euch verboten“, raunzt der hölzerne Cowboy, der sich alsbald als Sheriff entpuppt und entgegen seines Willens die Kinder mitnimmt auf einen Ritt durch den Park. Denn: er hat ein Problem.

Der Plastikclown Schabalu begeistert mit Süßigkeiten die anderen Figuren im Park und keiner hält sich mehr an das, was der Sheriff sagt. Vielleicht können die Kinder ihm helfen? Nach einigen Erzählungen und einem Blick auf das fantastische Märchenschloss, das Schabalu zu seinem Haus erklärt hat, wollen die Kinder den Clown unbedingt kennenlernen und brechen, entgegen der Wünsche des Sheriffs alleine auf, um Schabalu zu besuchen.

Auf ihrer Reise werden sie wie von einem verzauberten Riesenrad mit in luftige Höhe genommen, können Riesen beobachten und werden von der Frau ohne Kopf und einem Skelett in der Geisterwelt erschreckt. Auch die Piraten lassen sie hinter sich, um schließlich in Schabalus Schloss anzukommen. In der prachtvollen Kulisse des Aachener Doms saßen die Kinder rund eine Stunde lang still und lauschten gespannt Scherz‘ Worten, der mit seiner Gitarre und Stimmbegabung auch für die richtigen Geräusche sorgte. Hufgeklapper, Gewieher und quietschende Türen inbegriffen. Unterstützt wurde er durch Kinder der Domsingschule und der Katholischen Grundschule Höfchensweg in Aachen.

Die wohlige Gruselstimmung des Buches ist nicht nur etwas für Kinder, auch Erwachsene können sich wohl gut einen verlassenen Freizeitpark vorstellen. Angst vor Schabalu muss dann übrigens doch kein Kind haben, denn: er ist kein Horrorclown, wie Scherz betont. Ein bisschen, das erklärt er später in der Fragestunde, findet er sich sowohl in dem wilden, ungezähmten Schabalu wieder, der den Kindern so viel Süßigkeiten gibt, wie sie haben wollen als auch im gestrengen Sheriff, der Grenzen aufzeigt. Im Anschluss an die Lesung interessierten sich die Kinder für viele verschiedene Dinge: Woher Scherz seine Ideen hat, wie lang er an dem Buch geschrieben hat, wie Schabalu eigentlich aussieht (diese Frage beantwortet das Buch), wie viele Bücher Scherz geschrieben hat oder wie viele Türme Schabalus Schloss hat. Scherz nahm sich viel Zeit, die Fragen der Kinder so gut wie möglich zu beantworten, ohne zu viel von der Geschichte zu verraten.

Wer im Übrigen wissen möchte, wie etwa der verlassene Vergnügungspark, den Scherz beschreibt, aussieht, der sollte im Internet nach dem Spreepark in Berlin suchen. Denn dieser ist die direkte Vorlage für den Park im Buch. Das Buch ist im Buchhandel für 12,99 Euro zu erwerben.

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