Aachen: „Lennet & Kann“: Oben Salate und Säfte, unten ein Grab

Aachen: „Lennet & Kann“: Oben Salate und Säfte, unten ein Grab

„Ohne Moos nix los“ — davon konnte nicht nur „va Oche der schönnste Mann“ ein Liedchen singen. Als „„Lennet & Kann“ erweckt Gastronom Dany Ward jetzt das gleichnamige und mindestens so populäre Haus an der Pontstraße 5 zu neuem Leben.

Das Schmuckstück wurde direkt nach dem Stadtbrand 1656 neben der Aula Carolina errichtet und gilt als eines der ältesten Wohn- und Geschäftshäuser der Stadt. Spätestens ab Anfang September serviert Ward hier Salate, Säfte, Smoothies, Suppen und Kaffee-Spezialitäten.

Prominente Adresse mit Geheimnis: Im Keller des über 350 Jahre alten Hauses, Pontstraße 5, tauchte ein Grabstein auf. Foto: Michael Jaspers

Und an einer Wand sorgen zwei Quadratmeter lebendiges Moos im weißen Bilderrahmen tatsächlich für ein optimiertes Raumklima. Das florale Meisterwerk hat der Gastronom eigens aus Italien einfliegen lassen. Den ersten Leckerbissen während der laufenden Umbauarbeiten der geschichtsträchtigen Immobilie ließ sich aber Stadtarchäologe Andreas Schaub mit seinem Team schmecken. Im Gewölbekeller buddelte man nämlich beim Einbau des Kühlraums für das Bistro-Restaurant einen uralten Grabstein aus.

Sinnbildlich: Gastronom Dany Ward mit einem teuren italienischen Meisterwerk aus echtem grünen Moos im neuen „Lennet & Kann“. Foto: Michael Jaspers

Mit diesem hatten Handwerker vor hunderten Jahren offenbar ein Becken wasserdicht eingefasst — vielleicht für einer Gerberei oder Färberei, wie Experten vermuten. „Der Fund der drei Grabsteinfragmente ist aber vor allem so spannend wegen des Namens der Verstorbenen, der dort neben dem Todesjahr 1515 verewigt ist“, erklärt Archäologe Schaub.

Neben einem Familienwappen würdigt die Grabsteininschrift „die tugendhafte Helena Prym“. Wobei der Familienname Prym zu einem stadtbekannten Patriziergeschlecht gehört, das in Aachen seit dem 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt wird und viele namhafte Goldschmiede und Kupfermeister hervorbrachte — bis hin zum weltbekannten Stolberger Nadelfabrikanten. „Das Stadtarchiv forscht jetzt nach der genauen Herkunft jener Helena Prym“, sagt Schaub. Möglicherweise lag ihr Grabstein früher im Boden der Aula Carolina, die vormals eine Klosterkirche war.

Solche geschichtlichen Zusammenhänge faszinieren auch Restaurantchef Ward. Im „Lennet & Kann“ verschmelzen — in enger Abstimmung mit Denkmalschutz und Bauaufsicht — architektonische Elemente wie die grobe Außenwand der Aula Carolina hinter dem Bistro-Tresen, der Blausteinboden, mächtige Tragebalken und die hölzerne Galerie mit stilvoll modernem Mobiliar.

„Zurück zu den Wurzeln“ lautet das Motto für die regionale Küche und das Gebäude schlechthin. Das Haus „Lennet Kann“ erlangte seit 1968 als Kneipe seinen hohen Bekanntheitsgrad, wurde ab Mitte der 90er Jahre bis 2009 als Salsa-Tanzlokal und bis vor wenigen Monaten als Geschenkartikel-Geschäft genutzt. Der bettelarme Lennet Kann hätte das frische Konzept unter seinem Namen sicher begrüßt — und sich reichlich einladen lassen.

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