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Das Original auf der Bühne: Lennet Kann wie ihn die Öcher lieben

Das Original auf der Bühne : Lennet Kann wie ihn die Öcher lieben

Donnernder Beifall, laute Bravorufe, Szenenapplaus, Standing Ovations - das Publikum im restlos ausverkauften Brüsselsaal des Eurogress war ausgesprochen kreativ darin, seine Begeisterung für die Premiere von „Lennet Kann - Das Musical 2“ kund zu tun.

Wie bereits bei der ersten Ausgabe des uröcher Spektakels vor drei Jahren kannte der Jubel keine Grenzen, weil Kurt Joußen, der das Stück geschrieben hat und bereits seit mehr als 30 Jahren den Lennet Kann verkörpert und alle Mitwirkenden auf und hinter der Bühne die Öcher Seele streichelten und „för ene rechtig joue Vermaach“ sorgten.

Heike Vogt, die Vorsitzende des veranstaltenden Theater und Konzertvereins Aachen, begrüßte mehr als 400 Besucher. Ihr besonderer Dank galt den vielen Gönnern und Sponsoren, deren Hilfe es ermöglicht habe, erneut eine solche Produktion zu stemmen. In den letzten Jahren hat sie als Tochter von Kurt Joußen die Entstehung der beiden Teile des Musicals intensiv miterlebt und mitgestaltet und ist sicher, dass dabei etwas Einmaliges von Öchern für Öcher entstanden ist.

Mit dieser Einschätzung liegt sie nicht falsch, denn Lennet Kann II ist ein hinreißendes Werk. Sicher ist dessen Geschichte nicht von großer literarischer Wucht, aber es gibt viele wunderschöne Szenen, die wie Perlen an einer Schnur aufgereiht sind und funkelnden Glanz erzeugen, so dass das Spiel im besten Sinne die Züge einer Revue annimmt. Bei den vielen Soli und Potpourris aus Kurt Joußens Sammlung von Öcher Leddchere kann das Ensemble auf die Unterstützung eines stimmgewaltigen Chores aus dem Brüsselsaal setzen. Wahre Kleinode sind die Ballettszenen unter der Leitung von Maria Saacke, der Aufmarsch einer Abteilung des KK Öcher Storm unter dem Kommandanten Bernd Schaefer und der grandiose Auftritt des von Frank Sibum geleiteten Kinderchores von St. Katharina in Forst, der wahre mimische Meisterleistungen abruft.

Im Wesentlichen spielt die Handlung aus den Jahren 1901 und 1911 am Rüütche, dem Schankfenster für den Straßenverkauf der Gaststätte Contze, lediglich im zweiten Akt wechselt der Ort des Geschehens in den Ballsaal des alten Kurhauses. Der rote Faden ist die Liebesgeschichte zwischen Marie Contze und dem Referendar Friedrich von Wittgenstein, die sich natürlich um Herz und Schmerz, um zarte Liebe, um Entfremdung, Abschied, Wiedersehen und glücklichen Ausgang dreht. Das alles spielt im von Norbert Böhm konzipierten Bühnenbild, und die von Gretl und Norbert Böhm entworfenen Kostüme aus der Zeit der Handlung machen die Illusion perfekt. Aber was wäre das alles ohne das glänzend aufgelegte Bühnenensemble?

In den Hauptrollen versprühen Elke Eschweiler, Esther Widua, Helga Vondenhoff, Lothar Engels, Uli Havermann und Hubert Cosler große Spielfreude, wobei ihnen die übrigen nicht so umfangreichen Rollen in Nichts nachstehen. Ganz bestimmt ein Verdienst von Regisseur Roman Kohnle, der seine Mimen - darunter viele Öcher Originale wie d´r Poliss Noppenei, et Maatwiiv, de Frau Timm und natürlich d´r Lennet Kann - ohne Mätzchen mit viel Erfahrung und Sinn für das rechte Maß führt. Ihm zur Seite stehen dabei Kurt Savelsberg als Regieassistent und Heike Vogt als Produzentin.

Die musikalische Gesamtleitung liegt in den Händen von Meinolf Bauschulte, der bereits seit vielen Jahren beweist, das er das richtige Öcher Feeling für Rhythmus und Tempo hat. Hinter der Bühne sind darüber hinaus auch noch Sonja Vopel als Schneiderin, Waltraud Horn als Maskenbildnerin, Herbert Klinkenberg als Bühnenmeister und Steffi Klinkenberg als Inspizientin für das gute Gelingen und die reibungslose Inszenierung verantwortlich.