Aachen: Leerstände in Aachen: Großprojekte beleben den Einzelhandel

Aachen : Leerstände in Aachen: Großprojekte beleben den Einzelhandel

Eine Frage der Perspektive: Wenn man die seit Jahren abrissreife Häuserzeile neben Aquis Plaza mitzählt, kommt der Aachener Einzelhandel derzeit auf knapp 90 Leerstände — nur eine Handvoll weniger als noch vor einem Jahr. Im Jahr 2015 waren es nur 50 Leerstände. Auffallend ist aber, dass dort, wo im großen Stil neu gebaut wird, auch im Umfeld jahrelang verwaiste Geschäftsflächen neu vermietet wurden.

Dies ist ein Ergebnis der Leerstandserhebung, die unsere Zeitung jedes Jahr im Oktober durchführt. Untersucht wird die City im inneren Grabenring plus Adalbert-, Theater- und Bahnhofstraße. Gleichzeitig liegen mit der neuen Standortanalyse der Initiative Aachen zum gewerblichen Immobilienmarkt die Mietspiegel für 2017/18 in den Bereichen Einzelhandel, Büro, Lager, Produktion und erstmals auch in der Gastronomie vor.

Dabei zeigt der Mietspiegel im Einzelhandel deutliche Reaktionen zum Beispiel auf die Schließung von Lust for Life im Ex-Hortenhaus mit sinkenden Mieten am Dahmengraben sowie die — stockenden — Planungen zum Büchelquartier. „Hier liegen die Mieten mittlerweile im unteren Bereich. Und das mitten in einem ehemals pulsierenden Quartier der Aachener City“, bestätigt Andrea Trebschuh, Geschäftsführerin der Initiative Aachen. Sie hat hunderte Neuvermietungen in der Städteregion ausgewertet.

„Es ist zu hoffen, dass die geplanten Entwicklungen in den Bereichen Büchel, Großkölnstraße sowie in der Adalbert­straße Fahrt aufnehmen und die Aachener City in ihrer Gesamtheit zukünftig wieder zu einem Einkauferlebnis mit neuen, modernen Angeboten und Aufenthaltsqualitäten werden lassen“, sagt sie. Trotzdem verlangen Hauseigentümer in der Krämer- und Adalbert­straße teils mehr als 80 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche. Und selbst an der Pontstraße müssen Gastronomen bis zu 50 Euro pro Quadratmeter Restaurant berappen.

Während in der Nachbarschaft des Theaterplatzes — wo mit dem Bau von Motel One und der Entwicklung des ehemaligen Bankhauses erhebliche Zugkraft entsteht — lange leerstehende Immobilien (etwa das alte Café Opera) umgebaut und neu verpachtet werden, herrscht anderswo (noch) Stillstand. Umso wichtiger sind die geplanten Großprojekte: Die List-Gruppe überbaut bald das vergammelte Pfeiffer-Grundstück an der Großkölnstraße, das Modehaus Sinn plant einen Neubau in Marktnähe.

Bevor das Altstadtquartier Büchel überplant und neu errichtet wird, soll spätestens 2018 ein Food-Markt im Erdgeschoss im verlassenen Hortenhaus einziehen. Solch ein Publikumsmagnet würde als „Scharnier“ zwischen Adalbertstraße mit dem Aquis Plaza am Kaiserplatz auf der einen und der historischen Altstadt auf der anderen Seite funktionieren. Und für die Auflösung der rekordverdächtig vielen Leerstände, vor allem am Dahmengraben und der Mefferdatisstraße, sorgen.

Dagegen hat Galeria Kaufhof, der Pionier an der Adalbertstraße, schon aufgerüstet. Mit der Einverleibung des ehemaligen Saturns hat das Kaufhaus seine Nettoverkaufsfläche, also abzüglich Flure und Gänge, von 12.000 auf 15.000 Quadratmeter vergrößert — und dabei das komplette Gebäude gleich mit modernisiert. Am morgigen Donnerstag ist die offizielle Eröffnung.

Die Investitionssumme in die Aachener Filiale sei, wie Direktor Günther Knie auf AZ-Anfrage einräumt, „etwas reduziert“ worden. Der kanadische HBC-Konzern hatte die Kaufzurückhaltung der Kunden zu spüren bekommen. Die leerstehenden Geschäftsflächen in unmittelbarer Nähe in Richtung Kugelbrunnen beobachte man mit „mit Sorge“. „Da haben wir lieber einen Konkurrenten mehr“, sagt er auch mit Blick auf den — zeitlich völlig offenen — Baubeginn Peek & Cloppenburg. Eine brummende Innenstadt sei schließlich für alle besser — nicht nur perspektivisch.