Landwirte in Aachen wollen weiter gegen Agrarpaket protestieren

Bauernproteste : Aachener Landwirte fühlen sich weiterhin unverstanden

Vor wenigen Tagen sind Tausende Bauern in Bonn gegen den Agrarpakt der Bundesregierung auf die Straße gegangen. Drei Aachener Landwirte erklären, warum sie sich Sorgen um ihre Existenz machen – und deshalb weiter protestieren wollen.

Das Protestschild hat Christian Plum vorsorglich aufbewahrt. Wer weiß, wann es wieder zum Einsatz kommen muss. „Nur noch Nahrungsmittel aus dem Ausland???“ steht in schwarzer Schrift auf der grünen Holzplatte.

Diese Sorge treibt nicht nur den Landwirt aus Vaalserquartier um. Auch seine Kollegen Georg Grooten und Dieter Lanckohr sehen ihre Branche am Scheideweg. Deshalb haben sie sich auch vor knapp anderthalb Wochen im Morgengrauen auf ihre Trecker geschwungen und sind fünf Stunden lang bis nach Bonn getuckert. Rund 6000 Landwirte hatten sich in der ehemaligen Hauptstadt versammelt, um unter anderem ihre Kritik am Agrarpaket der Bundesregierung zum Ausdruck zu bringen. Darunter waren auch zahlreiche Landwirte aus Aachen und der Region.

Die Bilder der Treckerkolonnen gingen durch ganz Deutschland. Verstanden fühlen sich Grooten, Plum und Lanckohr allerdings immer noch nicht. „Wir sind nicht gegen mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft“, versichert Grooten – nur müssten dafür die Rahmenbedingungen stimmen. Und von stimmigen Rahmenbedingungen finden die Aachener Landwirte im Agrarpaket der Bundesministerinnen Julia Klöckner (Ernährung und Landwirtschaft, CDU) und Svenja Schulze (Umwelt, SPD) nur wenig.

Im Wesentlichen geht es in dem Paket um drei Punkte: ein Kennzeichen für Tierwohl, das Aus für den Unkrautvernichter Glyphosat und eine Neuverteilung der EU-Subventionen. Die Subventionen sollen künftig mehr am Grad der Nachhaltigkeit und weniger nach der Größe der Höfe bemessen werden. Das Tierwohl-Label soll kennzeichnen, unter welchen Bedingungen die Nutztiere gehalten werden. Glyphosath soll ab 2023 verboten sein.

Als Schlagworte sind all diese Punkte dem Zeitgeist entsprechend für die breite Masse konsensfähig, das ist den Aachener Landwirten bewusst. Trotzdem sagt Grooten, der in Seffent einen Mischbetrieb mit Getreide, Raps und Zuckerrüben sowie Milchkühen betreibt: „Das Agrarpaket hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Die Auflagen seien zu hoch, die Subventionen, um die teuren Anstrengungen für den Umweltschutz zu kompensieren, zu gering. Dabei sei unstrittig, dass sich die Landwirtschaft zum Wohle der Umwelt verändern müsse. „Die Einsicht ist schon lange bei uns angekommen. Wenn wir unsere Böden verseuchen würden, könnten wir davon nicht mehr leben“, ergänzt Lanckohr, der in vierter Generation einen reinen Ackerbaubetrieb in Horbach führt. Die geforderten Maßnahmen zum Umweltschutz seien in dieser Form jedoch existenzbedrohend.

Als Beispiel nennen die Bauern das Thema Unkrautbekämpfung: In Schutzgebieten soll nach den Plänen der Bundesregierung der Einsatz von Herbiziden und biodiversitätsschädigenden Insektiziden verboten werden. „Dann wird die Türe zugehen“, prognostiziert Plum düster das Ende seines Familienbetriebes. Schließlich lägen 80 Prozent seines Lands im Naturschutzgebiet. Sollte diese Regelung ohne finanzielle Entschädigung beschlossen werden, sieht auch Grooten für den Erhalt seines Unternehmens schwarz.

In den Aussagen der Landwirte schwingt viel Frust mit. Sie sprechen über Billigware an der Supermarkttheke, höhere Milchpreise, die seit Jahren versprochen, aber nicht erfüllt würden. Von Wettbewerbsfähigkeit, die gefährdet sei. Und vom zunehmend schlechten Image der Landwirtschaft. So würden Kinder vom Hof in der Schule gemobbt. „Und wenn wir mit dem Schlepper im Feld unterwegs sind, werden wir oft beschimpft“, sagt Plum.

Den Ruf der Bauern können sie mit ihrem Protest zwar nicht ohne weiteres beeinflussen. Doch sie wollen mit an den Verhandlungstisch und Sachverstand in die Diskussion bringen, so die Landwirte. Bis auf weiteres werden Grooten und seine Kollegen als stillen Protest also weiter grüne Kreuze in den Feldern stehen haben. Und wenn es noch deutlicher werden muss, dann wird eben das Protestschild wieder hervorgeholt.

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