Aachen: „Ladies“ zünden ein emotionales Feuerwerk

Aachen: „Ladies“ zünden ein emotionales Feuerwerk

Ein mit Spannung erwartetes Spiel hat am Samstagabend in der Sporthalle Neuköllner Straße seinen fulminanten Höhepunkt gefunden. Dort trafen die „Ladies in Black“ und der Schweriner SC im Viertelfinale der Play-offs aufeinander. Zwei Stunden vor Spielbeginn standen die Fans bereits vor der Halle Schlange.

„Uns haben die Bilder der Schlangen vor der Halle noch im Hotel erreicht; von da an war die Nervosität nicht mehr zu stoppen“, sagte Spielerin Julia van den Berghen. Nachdem van den Berghen im vergangenen Jahr ihr Abitur am Aachener Einhard-Gymnasium gemacht hat, ist dies ihre erste Saison bei den „Ladies in Black“ — und das gleich bei ausverkauftem Haus. Die Nervosität also absolut nachvollziehbar. Bisher waren annähernd alle Heimspiele ausverkauft, das ist einmalig in der Volleyball-Bundesliga.

Harte Arbeit belohnt

Zu Beginn der Saison war nach dem Wechsel zum PTSV offen, wie sich die neu zusammengestellte Mannschaft unter Trainer Marek Rojko präsentieren würde. Aber man fand schnell zusammen und erreichte mit viel harter Arbeit und der Unterstützung eines engagierten Teams das Saisonziel: die Playoffs. Entsprechend groß war die Hoffnung auf einen Sieg beim ersten Spiel im Viertelfinale der Playoffs. „Nach der eher durchwachsenen vergangenen Saison ist dies wirklich eine ‚Sahnehauben-Saison’“, freute sich André Schnitker, seit zehn Jahren Hallensprecher bei den Ladies. „Bei den Play-offs bin ich nervöser als bei einer Liga-Partie, denn hier steht viel auf dem Spiel“, sagte er.

Dabei ist ihm anzusehen, welch hohen emotionalen Stellenwert das Spiel für das gesamte Team — vom Ballmädchen bis zu Hausmeister „Manni“ Schaaf — besitzt. Sie alle halten ihren „Ladies in Black“ die Treue und engagieren sich neben Schule, Arbeit und Familie mit viel Herzblut für das Team. Trotz großen Siegeswillens: Gegen die andere Mannschaft gibt es keinerlei Sprechchöre oder gar Pfiffe der gut 1327 Zuschauer in der Halle. „Fairness, Teamfeeling und positives Denken machen den Sport zu etwas Besonderem“, erklärte Fanclub-Mitglied Olaf Lindner, der über den Fußball zum Volleyball gefunden hat. „Bei uns gibt es weder Gerangel noch Schuldzuweisungen“, sagte er.

Applaus für die Gegnerinnen

Tatsächlich. Dies zeigte sich bereits bei der Begrüßung der Spielerinnen des Schweriner SC, die das Publikum mit Applaus in der Kaiserstadt willkommen hieß. Was dann folgte, war ein Spiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Nachdem der Schweriner SC nach dem ersten Satz in Führung lag, war von Enttäuschung im Publikum nichts zu spüren.

Unermüdlich feuerte man sein „Öcher Team“ an — zuweilen bis die Stimme versagte, während Hallensprecher Schnitker „Nicht hinsetzen!“ skandierte. Dies war jedoch eigentlich nicht nötig. So spürbar war die Spannung, die bei jedem Aufschlag in der Luft lag — und die auf das laute Anfeuern eine spannungsgeladene Stille folgen ließ. Die folgenden Sätze waren hart umkämpft, bis die „Ladies in Black“ schließlich — zwei Mal in der „Verlängerung“ — triumphierten. Wellen der Begeisterung und Erleichterung schwappten durch die Halle, man lag sich in den Armen. Und jeder der Beteiligten war stolz, auch einen kleinen Teil zum Sieg beigetragen zu haben.

Nun blicken alle gespannt auf das Rückspiel in Schwerin, dem — falls Aachen dieses Auswärtsspiel nicht gewinnt — bald ein entscheidendes drittes Spiel in Aachen folgen könnte.

Mehr von Aachener Zeitung