Aachen/Maaseik: „Ladies in Black“: Heimspiel auf Leihbasis weckt Sehnsüchte

Aachen/Maaseik : „Ladies in Black“: Heimspiel auf Leihbasis weckt Sehnsüchte

Am Ende siegt das Lachen. Beim abschließenden Mannschaftsfoto, als die „Ladies in Black“ mit Blumen in der Hand und den Bronzemedaillen um den Hals ein tolles Bild abgeben und ihren Fans zum letzten Mal in dieser Saison zuwinken. Und sie können dann endlich die Atmosphäre in der Steengoed-Arena genießen, die zum wiederholten Male zur besten aller denkbaren Improvisationslösungen geworden ist.

Die Spielerinnen um Trainerin Saskia van Hintum hatten zwar das zweite Halbfinalspiel gegen MTV Stuttgart verloren (siehe Sport), aber sie werden von den 1810 Fans gefeiert wie Sieger. Und es ist bezeichnend für die Mannschaft des PTSV Aachen, den Volleyballsport und seine Fairness, dass sich die Anhänger aus dem Schwabenland in die Gesänge zu Ehren der Ladies einreihen.

Hallenerlebnis: Das Spielfeld in Maaseik ist von vier Sitzplatztribünen umgeben, die am Samstag von 1810 Zuschauern genutzt wurden — davon geschätzt 100 aus Stuttgart. Die Aachener hatten eigens ein großes Banner (kleines Bild) mitgebracht. Foto: Andreas Steindl

Eine überragende Saison hat ihr würdiges Ende gefunden. Die Stuttgarterinnen waren nicht nur die bessere Mannschaft, sie spielen auch finanziell in einer anderen Liga. Das wissen offensichtlich auch die Fans, die sofort nach dem Matchball für den MTV ins „Super Aachen olé“ einstimmen. Dass die Zahl 1810 für den PTSV einen Rekord darstellt, spricht fürs Gesamtbild der Ladies, beweist zugleich aber zweierlei: Die Fans sind bereit für größere Dinge in Sachen Volleyball, und die legendäre Atmosphäre aus der Heimhalle an der Neuköllner Straße ist durchaus transplantierbar. Oder wie Aachens Hallensprecher André Schnitker es augenzwinkernd, aber mit ernstem Hintergrund vor dem ersten Aufschlag ausdrückt: „Haste mal ne Anhängerkupplung? Dann ziehen wir die Halle nach Aachen…“ Für ihn ist auch wegen der großen Gastfreundschaft die Halle ein Stück Zuhause, zugleich auch der Beweis, „dass Atmosphäre transportierbar ist“.

Kurze Wege vom Parkplatz in die Halle: Aus Aachen kamen Fans mit vier Bussen. Foto: Andreas Steindl

In dem Moment würde die erneut bemerkenswerte Gastfreundschaft Verantwortlichen von Noliko Maaseik vermutlich ein abruptes Ende finden, denn die Halle hat sich in den vergangenen zehn Jahren als Erfolgsmodell bewiesen. Nach nur 15 Monaten Bauzeit wurde die vereinseigene Halle, integriert in einen Freizeitkomplex, 2008 eröffnet. 3,5 Millionen Euro hat sie nach Aussage von Noliko-Manager Dieter Leenders gekostet. Die Bürgschaft übernahm die Stadt, die Finanzierung läuft jetzt noch zwölf Jahre. „Das Konzept ist aufgegangen“, betont der Manager des erfolgreichen belgischen Volleyball-Erstligisten, der auch in der Champions-League spielt.

Hat den Durchblick in Sachen Hallenkonzeption: Dieter Leenders, Manager des Erstligisten Maaseik, erklärt die Idee des erfolgreichen Konzeptes bei den Gastgebern der „Ladies in Black“. Foto: Andreas Steindl

Ehrung der Aachenerinnen

„Punkten, basta“: Der Wunsch der kleinen Helferin Melissa ging nicht in Erfüllung, die Mottotafeln verteilte sie aber mit großem Eifer. Foto: Andreas Steindl

Dank der eigenen Halle können zudem frühere Miet- und Personalkosten eingespart werden. Stichwort sparen: Bei der Errichtung der Halle haben die Vereinsmitglieder selbst ordentlich Hand angelegt und allein durch die Montage der Sitze 130.000 Euro gespart. 2600 Sitzplätze hat die Steengoed-Arena, 300 Stehplätze kommen bei Bedarf hinzu. Und wenn die Volleyball-Saison im Mai beendet ist, wird die Arena für Shows und Konzerte genutzt. Platz ist für einen eigenen Fan-Shop, VIP-Bereich und Catering. Zudem gibt es einen weiteren Veranstaltungsraum, den zum Beispiel Schnitker am Samstagnachmittag für einen Talk mit Sebastian Gutgesell, dem Sportdirekor der Ladies, genutzt hat.

Als Offizieller der Stadt Aachen ist der Beigeordnete Dr. Markus Kremer vor Ort. Sein Job ist die Ehrung der Aachenerinnen — er dürfte den Besuch aber auch genutzt haben, um sich die Halle anzusehen. Schließlich wird er zu Beginn der Zeremonie mit Fan-Gesängen „neue Halle, neue Halle“ begrüßt.

An der tatkräftigen Unterstützung à la Noliko-Mitglieder durch die große Schar von Ehrenamtlern wird beim PTSV gewiss nichts scheitern. Auch in Maaseik war nicht nur das Team Volley am Freitag und Samstag vorbildlich im Einsatz. Vier Sonderbusse hatten die Fans herbeichauffiert. Alles das hatte der PTSV organisiert, wohlwissend, dass das Halbfinale wirtschaftlich ein Minusgeschäft werden würde. Emotional und sportlich werten an diesem Samstagabend aber alle das Halbfinale als Volltreffer. Und so lächeln die Ladies dann auch wieder, als Kremer sie als „absolutes Aushängeschild für die Stadt Aachen“ bezeichnet. Die Tränen der Enttäuschung sind da getrocknet.

Am Mittwoch, 11. April, wird noch einmal ab 18.30 Uhr im K1 beim PTSV am Eulersweg gefeiert, es gibt eine kleine Ehrung für die Ladies. Natürlich sind auch Fans eingeladen. Noch einmal muss André Schnitker schmunzeln, als er den Termin ankündigt: „Wenn vielleicht nicht alle 1810 Fans kommen…“

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