Aachen: Kurpark Classix begrüßt 2389 Zuschauer

Aachen: Kurpark Classix begrüßt 2389 Zuschauer

Backstage, 22.55 Uhr: Christian Mourad hockt im festlichen Smoking im schmucklosen Büro-Container. Die Box steht neben der Bühne. Musiker ziehen vorbei, tragen Instrumente weg. Geschafft. Zwischen Fax, Laptop und Putzeimern stapeln sich Kartons mit 2800 Regencapes. Ungeöffnet. Mourad lächelt. „A Night at the Opera! Und was für eine!“, sagt der Veranstalter der „Kurpark Classix“.

Und er grinst übers ganze Gesicht. Weil‘s klasse war! Weil‘s trocken blieb. Bis zum rauschenden Schlussapplaus für Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, das furiose Sinfonieorchester, die Chöre, die Solisten — über 140 Akteure — hat Mourad (48) am gestrigen Freitag einen 17-stündigen Arbeitstag bewältigt. Hier einige Kostproben:

20.02 Uhr: Glänzend gelaunt begrüßt Veranstalter Christian Mourad das Publikum. Foto: Andreas Steindl

6.45 Uhr: Wecker klingelt. Mourad studiert zu Hause die E-Paper-Ausgabe der AZ; dazu gibt‘s zwei Tassen Kaffee, 20 Telefonate.

18.40 Uhr: Ob Festtafel oder Picknick — tausende Zuschauer im Kurpark genießen die Atmosphäre. Mourad ist natürlich ein gern gesehener Gast.

8.54 Uhr: Die Luxuskarosse für Cocker parkt Mourad im Kurpark hinter dem Auto von Abdullah. „Sieht witzig aus“, sagt Mourad. Der Chefdirigent fährt Skoda.

9.42 Uhr: Chefelektriker Martin Schallermeir trifft Mourad an der 600 Ampere starken Stromstation. Weil man die Bühne heutzutage mit LED-Technik ausleuchtet, sinkt der Verbrauch zur siebten Classix-Auflage fast um die Hälfte.

12.39 Uhr: Das Orchester probt, Mourad telefoniert. Ein Anrufer will wissen, warum er seinen Hund nicht mitbringen darf; von diesem Verbot stehe nichts auf der Eintrittskarte. Bis Mitternacht wird Mourad fast 200 Telefonate geführt haben

15.10 Uhr: Termin mit Sicherheitschef Dirk Nagel. Erstmals kommen am Abend Eintrittskartenscanner zum Einsatz. So sollen unrechtmäßig erworbene und gefälschte Karten herausgefiltert werden. Gefunden wird keine.

16.23 Uhr: Mourad fährt heim, schlüpft in seinen Smoking. Nochmal rasieren. Ein Ritual. „Ich bin schließlich Gastgeber...“

17.33 Uhr: Die ersten Musiker treffen im Kurpark ein, teils im Frack auf dem Rad. Mourad ist zurück, instruiert Ordner.

18.05 Uhr: „Doors open“, hunderte Classix-Fans mit Stühlen, Tischen, Kerzenleuchtern und Picknickkörben eilen auf die Wiese und machen es sich gemütlich. „Diese Atmosphäre ist einzigartig. Ich liebe das. Nachher schaue ich bei einigen vorbei...“

19.10 Uhr: Smalltalk mit VIPs und Sponsoren im Lenné-Pavillon. Es gibt Gambas und Co. Mourad isst nichts, wirkt völlig entspannt.

19.59 Uhr: Keine Hektik, aber spürbare Anspannung hinter der Bühne. Das Orchester nimmt Platz, stimmt Instrumente; auf Publikumsseite Stimmengemurmel. Mourad und Abdullah wünschen sich „Toi, Toi, Toi“.

20.01 Uhr: Showtime. Mourad gibt einem Bühnentechniker sein Handy, der drückt ihm dafür ein Mikrofon in die Hand. Dann geht‘s auf die Bühne. Begrüßung.

20.02 Uhr: Applaus. Galant dankt Mourad allen Helfern und stellt TV-Moderator Malte Arkona — „Er hat klassischen Gesang studiert“ — vor. Denn: „Ich selbst bin ein miserabler Sänger...“

20.44 Uhr: Fasziniert lauscht Mourad GMD Kazem Abdullah und dem Sinfonieorchester („Sensationell; die Solisten auch“); es gibt Wagner, Verdi und mehr. Alles klingt wundervoll. Bis das Handy wieder klingelt: „Ja, es gibt noch Tickets für Sarah Connor am Samstag, die Kasse öffnet um 18 Uhr...“

21.08 Uhr: Pause. Lob für Arkona: „Er trifft genau den richtigen Ton, ist witzig, aber nicht albern; informativ, charmant, einfach perfekt“,

22.40 Uhr: Zugaben, Konzertende; vier Minuten tosender Beifall. Mourad zieht um 22.55 Uhr backstage Bilanz: „2389 Zuschauer, grandiose musikalische Leistung, fantastischer Auftakt.“ Ein offenbar äußerst glückliches Publikum schlendert vom Platz. Der Chef denkt schon an morgen. „Sarahs Barhocker stehen in meinem Container“, sagt er. Licht aus. Kurz vor Mitternacht will er nach Hause. Drei Tage noch...

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