Kuriose Vorschläge für Straßen im Neubaugebiet Alter Tivoli in Aachen

Glosse zu Straßennamen rund um den alten Tivoli : Die „Abseitsfalle“ auf der Visitenkarte? Na prächtig.

Im Abseits stehen ist schon schlimm genug. Aber „Im Abseits“ wohnen – ganz offiziell und dauerhaft? Na schönen Dank. Dabei wäre es für einige Aachener fast so weit gekommen.

Nachdem die Bagger 2011 den alten Tivoli dem Erdboden gleichgemacht haben, sollten die Öcher nicht traurig in Erinnerungen schwelgen, sondern nach vorne blicken. Mit jeder Menge Gehirnschmalz. Denn wo früher Blut, Tränen und Schweiß vergossen wurden, wurde Raum für Wohnungen und Geschäfte geschaffen.

Fünf neue Straßen entstanden im Neubaugebiet Alter Tivoli. Sie alle brauchten einen Namen. Und die Öcher sollten mitreden. Im Frühjahr 2013 rief die Bezirksvertretung Aachen-Mitte dazu auf, Vorschläge einzureichen. Bürgerbeteiligung eben. Oder auch Schwarmintelligenz – die Fähigkeit eines Kollektivs zu sinnvoll erscheinendem Verhalten.

Das Ergebnis ist bekannt: Heute kann man vom „Stadionweg“ in die Straße „An der Haupttribüne“ einbiegen, ein bisschen über den „Würselener Wall“ flanieren, mal sehen, wer sich im Bereich „Alter Tivoli“ so herumtreibt und bei Nachbarn in der „Alemannenstraße“ einkehren. Doch es hätte auch ganz anders kommen können. Unter den 125 Vorschlägen, die die Verwaltung der Bezirksvertretung Mitte vorlegte, findet sich nämlich auch die eine oder andere Kuriosität.

Wer hätte auf seiner Visitenkarte nicht gerne die „Abseitsfalle“ stehen? Oder wie wäre es mit „Im Aus“ oder „Abwehr“? Dann weiß der potenzielle neue Geschäftspartner auch gleich Bescheid. Der neue und ungeliebte Freund der Tochter wohnt auf der „Ersatzbank“? Das Problem könnte sich schnell erledigt haben. Dann doch lieber „Im Mittelfeld“ oder gleich in der „Sturmstraße“. Apropos Wetter: Der Vorschlag „In der Pratsch“ wurde gleich mehrfach eingereicht.

Wenn die Politiker nach der Anzahl der eingereichten Vorschläge entschieden hätten, dann würde es heute eine „Werner-Fuchs-Straße“ geben. Sieben Mal wurde dieser Name eingereicht. Nur der „Würselener Wall“ (14) und der „Aachener Wall“ (9) hatten mehr Unterstützer. Dass der beliebte Alemannia-Trainer, der 1999 starb, nicht mit einer Straßenbenennung geehrt wurde, dürfte daran liegen, dass die Bezirksvertretung Mitte schon 2013 davon Abstand nahm, Personen auf diese Art zu würdigen. Sinnvoll ist der Beschluss, der vier Jahre später auch offiziell gefasst wurde, aus objektiven Gründen sicherlich. Das Gefühl dürfte bei vielen trotzdem etwas anderes sagen.

Vielleicht hätte sich die Politik aber doch auf die „Aufstiegsstraße“ einigen sollen. So als sprechender Name für die Zukunft. Aber es werden ja sicher noch ein paar Straßen gebaut.

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