Aachen: Kurbrunnenstraße: Dicke Mauer gibt Archäologen Rätsel auf

Aachen: Kurbrunnenstraße: Dicke Mauer gibt Archäologen Rätsel auf

Das Bauwerk ist schon ein ordentlicher Kawenzmann. Denn die Mauer, die bei den Kanalbauarbeiten in der Kurbrunnenstraße zutage getreten ist, hat eine Dicke von rund 1,50 Metern. Den Archäologen, die den Fund untersuchen, gibt das Teil allerdings Rätsel auf.

„Das ist schon ein Mysterium“, sagt Dr. Winrich Schwellnus, leitender Archäologe bei der im Auftrag der Stadt dort arbeitenden Fachfirma „SK Archeo Consult“, in einer ersten Einschätzung.

Eines kann der Experte mit Sicherheit sagen: „Es ist definitiv kein römisches Bauwerk.“ Und das ist für die Archäologen enttäuschend. Denn: „Wir hatten gehofft, bei dieser Baustelle auf die römische Wasserleitung von Burtscheid nach Aachen zu stoßen“, so Schwellnus. Doch daraus wird wohl nichts. Denn die Baugruben sind nicht tief genug. „Das ist Pech. Die Wasserleitung liegt wohl tiefer“, bedauert Schwellnus.

Der Mauerfund im Fahrbahnbereich der Kurbrunnenstraße sei im Vergleich zu besagter Wasserleitung eher von geringerer Bedeutung. Dennoch stellt sich den Experten die Frage, wozu die massive Mauer denn wohl gehörte. „Den Aufzeichnungen nach hat an dieser Stelle seit 1820 jedenfalls nichts gestanden“, berichtet Schwellnus. Was auch immer es war: „Es muss vor 1820 plattgemacht worden sein.“ Die Entstehungszeit der Mauer ordnet der Experte zunächst einmal grob auf 16. bis 18. Jahrhundert ein. Sie wird jetzt kartiert und soll dann zumindest ein Stück weit erhalten bleiben.

Was für die Stawag, die den Kanal und die Versorgungsleitungen dort erneuert, allerdings Folgen hat. „Die Versorgungsleitungen werden um den Fund herum verschwenkt“, so Schwellnus. Angeli Bhattacharyya von der Stawag-Pressestelle konnte auf Anfrage am Donnerstag allerdings noch nicht sagen, ob und inwieweit sich die Arbeiten deshalb verzögern.

Während die Archäologen sich freuen, hat an der Kurbrunnen-straße in Sachen Verkehrsführung seit knapp zwei Wochen eine besonders heikle Phase begonnen. Denn in dem Abschnitt zwischen Bachstraße und Amos-Comenius-Schule ersetzt die Stawag den völlig maroden Kanal aus dem 19. Jahrhundert und muss ihn außerdem in Richtung Straßenmitte verschwenken, weil sonst die Baumreihe entlang der Parkpaletten gefällt werden müsste. Die Folge: Die komplette Fahrbahn ist nun Baustelle. Der motorisierte Verkehr wird über die untere Parkpalette geführt, wo man mit großem Aufwand vorübergehend eine provisorische Straße angelegt hat.

Radfahrer und Fußgänger sollen derweil auf die obere Palette ausweichen, weil ihr angestammter Weg nun für Rettungsfahrzeuge freigehalten wird. Bloß hat sich daran trotz umfangreicher Beschilderung zunächst kaum jemand gehalten, was laut Stawag zu einigen „brenzligen Situationen“ führte. Deshalb sind dort nun noch bis Samstag zu Stoßzeiten Verkehrskadetten im Einsatz. Danach will man es erst einmal ohne Helfer versuchen. „In der ersten Woche nach den Schulferien werden sie aber wieder eingesetzt“, sagt Bhattacharyya. Dann dürfte es an der Kurbrunnenstraße noch heikler werden.