Kunstsymbiose im Aachener Tuchwerk

Theater und Bilder finden zusammen : Alles in Weiß und doch extrem vielfältig

Weiß ist die Farbe, die Schauspieler und bildende Künstler in der Tuchfabrik am Strüverweg zusammenbringt. Weiße Streifen auf weißem Grund: Der Kauf dieses sündhaft teuren Gemäldes löst in Yasmina Rezas Stück „Kunst“ eine ernsthafte Krise unter Freunden aus.

Das Theater K hat das Stück in der Vergangenheit bereits in zwei unterschiedlichen Szenarien zur Aufführung gebracht. Einmal im Suermondt-Ludwig-Museum und später auch im Ludwig Forum. Diesmal bildet eine Künstlerausstellung in der Tuchfabrik den Rahmen für die Geschichte um ein Bild, an dessen materiellem und künstlerischem Wert sich die Gemüter erhitzen.

Gleich eine ganze Reihe von Künstlerinnen und Künstlern fühlte sich durch das Stück und die Vorgabe „weiß“ inspiriert. Odine Lang beispielsweise nutzte weiße Leinwände, um darin gleichsam Pflanzen zu verbergen, die entweder weiß sind oder deren Name das Wort weiß enthält. Erst mit einer Schwarzlichttaschenlampe können ihre Zeichnungen sichtbar gemacht werden. Maren Hoch dagegen stöberte in ihren Arbeiten und fand zwei, die ihrer Meinung nach wie gemacht sind für diese Ausstellung. Auch ihre Arbeiten sehen auf den ersten Blick aus wie weiße Bilder. Wer aber beim richtigen Licht genau hinsieht, erkennt Reliefs und Formen.

Anita Brendgens präsentiert drei bewegliche Puppen, die die Rolle der Frau in den Ländern Deutschland, Belgien und Holland darstellen sollen. Juliane Heidenreich hat weiße Männerhemden zu einem einzigen Kunstwerk drapiert und kann darin noch immer den Mann erkennen, der sie getragen hat. Und Marlene Kapitza-Meyer hat eine Leinwand mitgebracht, die seit Jahren unbearbeitet in ihrem Atelier steht. „Die weiße Grundierung schimmert durch“, sagt sie. Bislang habe sie das richtige Motiv für diese Leinwand noch nicht gefunden. „Und ich frage mich, wie lange sie noch so ungenutzt überdauern wird“, meint sie weiter.

Das Zusammenspiel zwischen Künstlerausstellung und Theaterstück finden alle gleichermaßen spannend. Entwickelt haben diese Idee Annette Schmidt (Theater K) und die Künstlerin Martha Ferenczy-Kappel, deren Beitrag zur Ausstellung an die Tuchfabrik und die Herstellung von Strümpfen erinnert. Die entsprechenden Schablonen hat sie mit weißen Tutus versehen, im Hintergrund erinnern schemenhafte Figuren an die Arbeiterinnen und deren Kinder, die laut Ferenczy-Kappel gerne auch mal vom Ballett geträumt hätten, um der harten Realität in der Fabrik zu entfliehen.

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