Aachen: Kunst und Kultur soll Brücken schaffen

Aachen: Kunst und Kultur soll Brücken schaffen

Interessiert erkunden die Jugendlichen im Centre Charlemagne die Geschichte Aachens von der Stadtgründung bis heute. Die Schüler stammen aus Eritrea, Pakistan oder Afghanistan und besuchen die internationalen Klassen des Mies-van-der-Rohe Berufskollegs.

Die Unterstützung des Rotary Clubs Aachen Frankenburg ermöglicht Zusatzangebote zu Kunst und Kultur — so wie den Besuch der Dauerausstellung im Centre Charlemagne und „Mokka Türk und Marihuana“, einer Ausstellung zum Schmuggel in der Grenzregion.

Alleine nach Aachen

Auf den beruflichen Alltag bereitet das technisch ausgerichtete Berufskolleg die Jugendlichen in derzeit drei internationalen Klassen und den Berufsschulklassen vor. Je nach individuellen Interessen und Talenten finden die zumeist alleine nach Aachen gekommenen Flüchtlinge Praktika in vielen Bereichen, aus denen mit etwas Glück später auch Ausbildungsverhältnisse entstehen.

Doch um sich so richtig einzufinden, wollen die Schüler auch mehr über deutsche und europäische Geschichte, Landeskunde und Politik erfahren. Die Mies-van-der-Rohe Schule hat daher eine „Staatsbürgerkunde“ eingeführt. Für den Unterricht wird das Lehrerkollegium von mehreren ehrenamtlichen Dozentinnen und Dozenten unterstützt. Um das Gelernte erlebbar und greifbar zu machen, sollen die Schüler auch an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen, Museen und Ausstellung besuchen.

Dank der finanziellen Unterstützung des Rotary-Club Aachen Frankenburg sind solche Exkursionen nun möglich. Präsident Reiner Kopp ist begeistert, wie offen die Schule auf den Vorschlag reagiert hat. Der Frankenburger Club hat sich als Thema für das aktuelle Jahr Hilfe für Flüchtlinge auf die Fahne geschrieben — und Kopp ist überzeugt, dass die vielen kleinen Schritte, die so ermöglicht werden, zu einer guten Integration beitragen.

Visuelle Mittel sind ideal bei der Vermittlung von Kultur und Geschichte, so Lutz Thelen, Bildungsanleiter des Berufskollegs. Das Spektrum der Schüler in den internationalen Klassen reiche vom Analphabeten bis zum Hochbegabten, von einer bisherigen Schulerfahrung von null bis hin zu zehn Jahren. Viele der Jugendlichen sprechen ganz selbstverständlich drei Sprachen, können zum Teil aber nicht lesen oder schreiben. Daher erfolge die Vermittlung von Wissen häufig weniger über Sprache als über Bilder — wie zum Beispiel beim Besuch einer Ausstellung.

„Wir leben in Aachen und wollen darüber Bescheid wissen“, sagt ein Schüler aus Pakistan. Seit zwei Jahren ist er in Deutschland. Nach einem Praktikum im Pflegebereich hofft er auf einen Ausbildungsplatz als Krankenpfleger.

Auch viele andere Betroffene haben sich bereits beruflich orientieren können und wünschen sich den Einstieg in die Informationstechnologie- oder Elektronik-Branche. Pläne für weitere Exkursionen gibt es auch schon: Nachdem nun alles über Kaiser Karl bekannt ist, soll es bald in die Sternwarte und ins Bonner Haus der Geschichte gehen.

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