Aachen: Kulturverein Aachen-Prag: Zum Start ein Preisträger mit Ecken und Kanten

Aachen: Kulturverein Aachen-Prag: Zum Start ein Preisträger mit Ecken und Kanten

Leicht hat sich die Jury die Entscheidung nicht gemacht. „Wir haben lange über den Preisträger diskutiert, schließlich ging es um eine Premiere”, versichert Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur der Aachener Zeitung.

Die Vergabe des neuen „Kulturpreis Karl IV.”, den der Kulturverein Aachen-Prag erstmals stiftet, war Anlass der Gespräche. Am Ende fiel die Wahl mit dem Tschechen Miloslav Kardinal Vlk auf einen Geistlichen, der auf ein bewegtes Leben blicken kann und sich stets für die Freundschaft zwischen Aachen und Prag eingesetzt hat.

„Kardinal Vlk ist ein Preisträger mit Ecken und Kanten”, erklärte Jurysprecher Mathieu, „seine Biographie spricht eine deutliche Sprache.” Der Kardinal, der gerne auch als „Brückenbauer” zwischen Tschechien und Deutschland bezeichnet wird und Träger des großen Bundesverdienstkreuzes ist, fiel etwa in den späten Siebziger Jahren durch seine Kritik am kommunistischen Regime auf.

Die staatliche Genehmigung zur Ausübung des Priesteramtes wurde ihm daraufhin entzogen, acht Jahre lang schlug er sich als Fensterputzer durch. Erst mit der Wende durfte Vlk wieder in den Priesterberuf zurück, schnell schaffte er den Aufstieg zum Erzbischof von Prag und schließlich gar zum Kardinal.

Den Kulturverein Aachen-Prag, der sich selbst die Unterstützung der Völkerverständigung und die Erforschung der historischen Beziehungen der beiden Städte zum Ziel gesetzt hat, hat Kardinal Vlk seit der Vereinsgründung stets unterstützt. Auch dies möchte der Kulturverein durch die Preisverleihung honorieren, wie die Vorsitzende Vera Blazek betonte. Den Gedanken, einen solchen Preis ins Leben zu rufen, hegte der momentan 125 Mitglieder starke Verein schon seit dem vergangenen Jahr.

Mit Kaiser Karl IV. wurde ein Patron gefunden, der die Beziehungen zwischen Aachen und Prag stärkte wie kaum jemand vor ihm. Als König von Böhmen wurde er in Aachen zum Kaiser gekrönt - am 25. Juli, dem Tag, an dem auch der Kulturpreis im Quadrum des Doms verliehen werden soll.

Eine vom Prager Künstler Lumir Sindelar geschaffene Medaille mit dem Antlitz Karls IV. sowie eine Urkunde wird Kardinal Vlk dann in Empfang nehmen, was auch Oberbürgermeister Marcel Philipp sichtlich erfreute: „Wie wichtig die Beziehungen zwischen Aachen und Prag sind, zeigt ja nicht zuletzt die Ausstellung über Hans von Aachen, die ja auch in Prag Station machen wird. Karl IV. ist auch für die Aachener Stadtgeschichte eine wichtige Person, so dass ein solcher Preis sicher seine Berechtigung hat und Verwechslungen mit dem Karlspreis wohl ausgeschlossen sind.”

Nur eine Frage gab es für Philipp noch zu klären: „Wie spricht man eigentlich einen Namen ohne Vokal aus?” Vera Blazek wusste da schnell Rat: „ungefähr Vlök”, klärte die Vereinsvorsitzende den OB auf. Zumindest was die Sprache angeht, muss der Verein also noch ein wenig Aufklärungsarbeit leisten.

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