Aachen: Kultur, Kosten und die Kunst des Sparens

Aachen: Kultur, Kosten und die Kunst des Sparens

Das Rennen ist — mal wieder — eröffnet: Auch im städtischen Kulturbetrieb rattern dieser Tage die Rechenmaschinen um die Wette. Musik in den Ohren mancher „freier“ Institution, die auch 2014 auf einen Batzen an Barem hoffen darf, könnte man meinen.

Allerdings auch die (mehr oder minder) immer gleiche, bescheidene Leier mit kaum je wechselnder Melodie: Gerade einmal knapp 313.000 Euro erhalten die unabhängigen Einrichtungen an Zuschüssen aus dem laufenden städtischen Etat. Das ist weit weniger als ein Prozent der Gesamtausgaben von derzeit rund 40 Millionen für Schauspiel, Musik, Tanz, Literatur, Kabarett, Film ...

Hochspannende Sitzprobe: Kunstaktionen wie Angie Hiesls Performance von 2008 sind toll, aber meist auch teuer.

Und es sind stets mehr oder weniger die gleichen Adressaten; Spielraum für innovative Projekte und Initiativen bleibt angesichts stagnierender Aufwendungen so gut wie keiner. Die Kunst des Sparens hat zwangsläufig weiter Hochkonjunktur.

Fördertopf seit Jahren tiefgefroren

Denn der Fördertopf ist seit etlichen Jahren um keinen Cent gewachsen — die Debatte über fettere Finanzspritzen für die „Freien“ ist in vollem Gang, spätestens seit die heiß umstrittene Umgestaltung des Lufo-Foyers — Gesamtkosten knapp 300.000 Euro — in den politischen Gremien abgesegnet worden ist.

Beim AZ-Forum Kultur am 28. November wird mit Sicherheit auch darüber gestritten werden, wie und wofür die Stadt eben auch den nicht-kommunalen Initiativen mehr Geld geben müsste und könnte. Wohin aber fließen die Mittel zurzeit im Einzelnen? Eine Bestandsaufnahme.

Ganz oben auf der Liste der Empfänger stehen die Eigenbetriebe Theater Aachen und Volkshochschule. Knapp 19 Millionen Euro erhält die größte Bühne der Region 2013 aus dem Stadtsäckel. Die VHS benötigt vier Millionen, um ihren Haushalt auszugleichen.

Der städtische Kulturbetrieb soll laut Plan für 2014 mit 16,5 Millionen Euro bedacht werden. Bei einem veranschlagten (und gedeckelten) Gesamtetat von knapp 23 Millionen müssen die kommunalen Kunstförderer folglich mindestens rund 6,5 Millionen Euro an Einnahmen erwirtschaften, dazu gehören auch Mieterlöse für private Veranstaltungen, zum Beispiel im Alten Kurhaus.

Alles, was darüber hinaus geht, würde in den Rücklagentopf eingezahlt. Der enthält zurzeit immerhin 450.000 Euro — aber nicht mehr lange. Besagte 300.000 Euro fürs neue Lufo-Entree sollen daraus entnommen werden, der Rest geht anno 2014 für Veranstaltungen im Rahmen des Karlsjahrs durch die Bücher.

Acht große Posten schlagen ferner zu Buche (die Zahlen für die Museen basieren teils auf den Jahresabschlüssen für 2012).

Museen: Das Ludwig Forum hat im vergangenen Jahr einen Zuschuss von knapp 2,04 Millionen Euro erhalten. Unterm Strich wurden an der Jülicher Straße 2,5 Millionen Euro aufgewendet, davon gerade einmal 450.000 für Ausstellungen. Den Rest verschlangen laufende Ausgaben vor allem für Personal, Mieten und Betriebskosten. 260.000 Euro konnte das Haus anderweitig an Mitteln einwerben sowie rund 50.000 Euro aus Eintrittserlösen. Die übrigen städtischen Einrichtungen — Suermondt-Ludwig-Museum, Couven Museum und Zollmuseum — haben insgesamt 2,7 Millionen ausgegeben, die Ausstellungen schlugen dabei mit rund 600.000 Euro zu Buche. 360.000 Euro konnten insgesamt eingeworben werden, weitere 107.000 Euro flossen in die Besucherkassen. Der städtische Zuschuss für diese drei Häuser belief sich im Ganzen auf 2,1 Millionen Euro (das Zeitungsmuseum ist hier noch nicht berücksichtigt, es rangiert unter dem Haushaltsposten „Route Charlemagne“). Im kommenden Jahr wird das Zuschussbudget für die städtischen Museen (ohne Zeitungsmuseum) auf 2,2 Millionen aufgestockt, das Ludwig Forum soll 2,1 Millionen erhalten.

Stadtarchiv: Die neue Anlaufstelle in der Nadelfabrik soll bei einem kalkulierten Gesamtaufwand von 915.000 Euro einen Zuschuss von 903.000 Euro bekommen.

Veranstaltungsmanagement: Insgesamt wird ein Bedarf von 1,1 Millionen veranschlagt, 908.000 Euro sollen als Zuschüsse fließen. Ein großer Posten ist hier das „Schrittmacher“-Festival, das bei einem Gesamtetat von 220.000 Euro fürs kommende Jahr mit 130.000 Euro unterstützt werden soll, es sei denn, die Einnahmen fallen — wie in diesem Jahr — höher aus als kalkuliert. 2013 konnte der Zuschuss so von 130.000 auf 90.000 Euro reduziert werden. Weitere erkleckliche Beträge fließen unter anderem in die Straßenkunst-Stafette „across the borders“ (50.000 Euro Budget) und ins „September Special“ (20.000 Euro).

Musikschule: Bei einem Gesamtaufwand von 2,65 Millionen Euro werden 1,4 Millionen aus städtischen Subventionen gedeckt.

Bibliothek: Bei einem Gesamtaufwand von 4,2 Millionen Euro fließen knapp 3,9 Millionen Euro aus dem Zuschusstopf.

Route Charlemagne: Für die Angebote im Rathaus, den Infopoint in Haus Löwenstein und das Zeitungsmuseum sind 1,4 Millionen Euro veranschlagt, 1,1 Millionen resultieren aus städtischen Fördermitteln.

Barockfabrik: Die Konzeption für die Kinder- und Jugendkultur ist weiter in Arbeit, für die Barockfabrik waren zuletzt 500.000 Euro veranschlagt.

Karlsjahr: Die drei großen Ausstellungen zum 1200. Todestag des Kaisers beanspruchen 3,8 Millionen im Stadtsäckel.

Was bleibt? Siehe oben: vor allem die sogenannte freie Kultur. Die unabhängigen Initiativen erhalten insgesamt 243.300 Euro an „Festgeldern“, bleiben gerade einmal knapp 70.000 Euro für Projektanträge.