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Aachen: Künstler Karl Otto Götz war ein ganz Großer seiner Zunft

Aachen : Künstler Karl Otto Götz war ein ganz Großer seiner Zunft

Hubert Bindels brachte es vor der kleinen Zeremonie auf den Punkt: „In Burtscheid schlummern ganz viele immaterielle Werte. Das ist ein unglaublicher Mehrwert für die Menschen, deshalb unterstützen wir die Projekte der Heimatfreunde Burtscheid gerne“. Im konkreten Fall war der Anlass für den Leiter der Sparkassenfiliale Burtscheid die Enthüllung einer Gedenktafel für den bekannten Künstler Karl Otto Götz.

Götz kam am 22. Februar 1914 in Burtscheid in der Dammstraße 1-3 zur Welt, startete von da aus seine vielbeachtete Karriere und blieb seiner Heimatstadt gedanklich und emotional Zeit seines Lebens eng verbunden. Das stellte seine Witwe, Professorin Karin Götz, auch bekannt unter ihrem Künstlernamen Rissa, in ihrer kurzen und anrührenden Ansprache klar und gab einen kurzen Abriss über das Wirken und Schaffen ihres am 19. August 2017 im Alter von 103 Jahren gestorbenen Mannes.

Zwei Medaillen aus Dresden

„Hier habe ich meine Kindheit verbracht“, pflegte er ihr immer zu erklären, wenn die beiden wieder einmal in Aachen zu Gast waren, wo sie einen treuen Bekanntenkreis pflegten. Einer dieser Freunde, Ernst Cremer, ließ zum 95. Geburtstag von Götz zwei Medaillen vom bekannten Medailleur Peter Götz Güttler aus Dresden schaffen. Diese zwei Medaillen wurden nun mit in die Gedenktafel integriert, die Steinmetzwerkstatt Ulrich Berghoff leistete ganze Arbeit.

Der Vorsitzende der Burtscheider Heimatfreunde, Uwe Reuters, stellte dann auch das große Engagement aller Beteiligten in den Vordergrund. „Ohne die Hilfe all dieser Unterstützer wären derartige Ideen nicht realisierbar“, unterstrich er die Notwendigkeit der Hilfe und dankte allen Förderern.

Die Idee einer Hinweistafel auf das Götzsche Geburtshaus verfolgte Reuter bereits einige Jahre, nun ist eine Gedenktafel neben dem Hauseingang angebracht. „Das hätte Karl Otto ganz sicher gefallen“, freute sich auch seine Witwe. Götz habe in seinem Leben immer versucht, seine Ideen durchzusetzen, die er „meine Fimmel“ nannte.

Götz war einer der Hauptvertreter der abstrakten Kunst in Deutschland, neben der Malerei befasste er sich mit Lyrik. Zu seinen Schülern gehörten unter anderen Gerhard Richter, Rissa und HA Schult. Der größte Teil seines Frühwerks ging im Dresdener Bombenhagel 1945 verloren. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten war ihm das Malen verboten, was er aber heimlich weiter betrieb. „Die Nazis haben ihm neun Jahre seines Lebens gestohlen“, blickte Rissa auf diese düsteren Jahre zurück.

Nach dem Krieg gelangte er über Königsforde, Paris und Frankfurt nach Düsseldorf, wo er 1959 zum Professor an der Kunstakademie ernannt wurde und 20 Jahre lang lehrte. Er war einer der Befürworter der Professur von Joseph Beuys, beide verband zeitweise eine enge künstlerische Beziehung, die sich nach der Besetzung der Kunstakademie durch Beuys und seine Studenten deutlich abkühlte. Seit 1975 lebte er mit seiner Frau in Niederbreitbach-Wolfenacker im Westerwald, wo er vor einem Jahr starb.