Künstler Gunter Demnig verlegt sieben neue Stolpersteine in Aachen

Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten: Sieben neue Stolpersteine in Aachen verlegt

70 Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig sind jetzt in Aachen verlegt. Gestern kamen sieben hinzu, die sehr unterschiedlichen Opfern der Nationalsozialisten gewidmet sind: einem Melker aus Vetschau, einem KPD-Politiker sowie fünf Spielern und Funktionären der Alemannia.

Der anonymen Zahl der Opfer des Nationalsozialismus werden durch die Verlegung der Stolpersteine von Gunter Demnig individuelle Namen und Schicksale entgegengesetzt und die Menschen vorm Vergessen bewahrt.

Mit der Ausstellung „Alemannia 1933 bis 1945 – Fußball zwischen Sport und Politik“, gezeigt im Zeitungsmuseum, hatte der 1900 gegründete Turn- und Sportverein seine Rolle im Nationalsozialismus aufgearbeitet. „Durch den vorauseilenden Gehorsam auch der Alemannia konnte das dunkelste Kapitel unserer Geschichte erst das dunkelste werden“, sagte der Präsident Martin Fröhlich gestern bei der Verlegung in der Thomashofstraße. Dort wurden Stolpersteine für Max Salomon, Spieler in der Mannschaft, die 1931 die Rheinbezirksmeisterschaft gewann, sowie für den Funktionär Erich André verlegt. „So etwas darf nie wieder passieren“, betonte Martin Fröhlich.

Die Interessengemeinschaft der Alemannia-Fans und Fanclubs hatte die Verlegung von sieben Stolpersteinen organisiert. Für Max Salomon, Erich André (Thomashofstraße 15 und 17), Fritz Moses (Jülicher Straße 80), Hans Silberberg (Aretzstraße 80) und Robert Salomon (Bismarckstraße 92) konnten die letzten frei gewählten Wohnorte ermittelt werden, für Eduard Levy und Dagobert Pintus gelang das bislang leider nicht. „Juden waren fester Bestandteil der Alemannia, ohne das daran jemand Anstoß nahm. Umso schlimmer ist es, dass auch niemand daran Anstoß nahm, als sie ziemlich schnell aus dem Verein gedrängt wurden“, sagte Thomas Wenge, Sprecher der Fan-IG bei der Verlegung. Auch ein Max-Salomon-Weg an der Südseite des Tivoli wird demnächst an den jüdischen Alemannia-Stürmer erinnern.

Eindeutige Botschaft des Alemannia-Präsidiums über den Nazi-Terror: „So etwas darf nie wieder passieren!“. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Gleich eine ganze Dorfgemeinschaft hat sich in Vetschau dafür stark gemacht, dass jetzt am Niersteiner Hof ein Stolperstein an Siegfried Randerath erinnert. Der Melker des Hofes von Hubert Lausberg hatte sich 1920 mit 15 Jahren taufen lassen. Weil er als werdender Vater das Aufgebot für eine Ehe mit einer jungen Aachenerin bestellte, wurde er im Nazi-Jargon wegen seiner jüdischen Eltern als „Volljude“ eingeordnet und 1937„aus dem Stall heraus verhaftet“, wie Franz-Josef Lausberg aus den Erzählungen seines Großvaters berichtete. Randerath wurde zu siebeneinhalb Monaten Zuchthaus wegen „Rassenschande“ verurteilt „und kam doch nie wieder frei“, erklärte Peter Johannes Droste, der mit der Dorfgemeinschaft das Leben und Sterben Randeraths recherchiert hat. Der Knecht des Niersteiner Hofs wurde 1942 in Majdanek ermordet.

Ein frühes Opfer der Faschisten

Achim May fand bereits 1933 den Tod. „Er ist eins der ersten Opfer der faschistischen Diktatur in Aachen“, stellte Heiner Krüger vom Bertram-Wieland-Archiv in Düren fest. Für den KPD-Politiker und Redakteur der „Arbeiterzeitung für den Regierungsbezirk Aachen“ verlegte Demnig auf Initiative des Archivs an Mays letztem frei gewähltem Wohnort am Muffeter Weg 57 einen Stolperstein. May wurde am 16. Juni 1933 verhaftet, gefoltert und später angeblich „auf der Flucht erschossen“, wie das Regime Mays Lebensgefährtin wissen ließ. Er wurde anonym nahe Jülich begraben.

Für den Kommunisten Arthur May wurde ein Stolperstein am Muffeter Weg verlegt. Foto: ZVA/Michael Jaspers

„Als Kommunist ist er aus der bürgerlichen Mitte herausgetreten. Deshalb wurde in unserer Familie nicht über ihn gesprochen“, erzählte Mays Nichte, Margit Kiefer, bei der Gedenkfeier. „Heute genießt mein Onkel meine Hochachtung, weil er mir gezeigt hat, dass man sich anders entscheiden konnte. Es bleibt wichtig, Herrschaft zu hinterfragen.“

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