Aachen: Kronprinzenquartier: Ein Neubau, der Altbau sein möchte

Aachen : Kronprinzenquartier: Ein Neubau, der Altbau sein möchte

Wenn alles glatt geht, dann werden in den nächsten drei bis vier Jahren im Frankenberger Viertel 185 nagelneue Altbauwohnungen bezugsfertig. Klingt paradox, aber genau das ist der Kern des Konzepts des Aachener Büros „kadawittfeldarchitektur“, das die Pläne für das „Kronprinzenquartier“ an Bever- und Kronprinzenstraße entworfen hat.

Denn dort, wo früher das Finanzamt-Außenstadt stand, will man auf 12.000 Quadratmetern Fläche laut Gerhard Wittfeld „die Struktur des Frankenberger Viertels fortschreiben“. Soll heißen: Vieles von dem, was den Charme und die Qualitäten des beliebten Gründerzeitviertels aus dem Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert ausmacht, soll sich auch in dem neuen Quartier wiederfinden. „Wir wollen Standards setzen, die es heute so nicht mehr gibt“, sagt Wittfeld. Aber die es eben in Altbauten gab und gibt.

Eine riesige Brache (5), auf der das „Kronprinzenquartier“ (kleines Bild) wachsen soll: Zwischen Kronprinzenstraße (1), Beverstraße (2) und Bismarckstraße (3) sollen 185 Wohnungen entstehen. Probleme gibt es noch mit der Kita an der Goerdelerstraße (4), deren Außenfläche dadurch beschnitten würde. Foto: Manfred Kistermann, Animation: „kadawittfeldarchitektur“. Foto: Manfred Kistermann, Animation: „kadawittfeldarchitektur“

Das gilt insbesondere architektonisch. Die Bebauung der riesigen Brache, mit der städtebaulich die Blockstruktur des Viertels fortgesetzt werden soll, orientiert sich dabei an den in der Umgebung vorherrschenden Drei- und Vier-Fenster-Häusern. Der neue Block soll dadurch nicht wie ein massiver Block, sondern wie viele individuelle Einheiten wirken. „Es gibt zwar viele neue Wohnungen, aber in kleinteiligen Häusern“, sagt Wittfeld.

Eine riesige Brache (5), auf der das „Kronprinzenquartier“ (kleines Bild) wachsen soll: Zwischen Kronprinzenstraße (1), Beverstraße (2) und Bismarckstraße (3) sollen 185 Wohnungen entstehen. Probleme gibt es noch mit der Kita an der Goerdelerstraße (4), deren Außenfläche dadurch beschnitten würde. Foto: Manfred Kistermann, Animation: „kadawittfeldarchitektur“. Foto: Manfred Kistermann, Animation: „kadawittfeldarchitektur“

Auch deren äußeres Erscheinungsbild orientiert sich an der Altbau-Umgebung: Es soll Hochparterre, Sockel, vertikale Fenster, Erker, Simszonen, diverse Schmuckelemente und unterschiedliche Firsthöhen geben. Auch innen wollen die neuen Wohnungen die Vorzüge der Altbauten aufgreifen. So sind beispielsweise Deckenhöhen von 2,80 bis 3,60 Meter geplant.

All das soll allerdings hochmodern umgesetzt werden. Zur Standardausstattung der Wohnungen, deren Palette vom 40-Quadratmeter-Appartment bis zum 200 Quadratmeter großen Sechs-Zimmer-Ensemble reicht, gehören Fußbodenheizung, Parkettböden und hochwertige Fenster, Aufzüge soll es in jedem Haus geben.

Altersgerecht, barrierefrei, individuell und lebendig sind Attribute, für die das Kronprinzenquartier stehen will. Ergänzt wird das Konzept durch eine Tiefgarage mit 200 Stellplätzen, durch 400 Fahrradstellplätze im Keller und auf der neuen Wohnstraße, die das Quartier von der Kronprinzenstraße aus erschließen soll. Drei Spielflächen und ein kleiner Park runden die Pläne ab.

„Das ist eine tolle Ergänzung des Frankenberger Viertels, eine perfekte Lösung, auf die wir dort schon so lange warten“, ist Oberbürgermeister Marcel Philipp von dem Projekt begeistert. Und er findet es „schade, dass zuletzt nur über die Probleme der Kita geredet wurde“. Besagte AWO-Einrichtung „Mittendrin“ verliert wie berichtet bei der Umsetzung der heutigen Pläne einen wichtigen Teil ihres Außengeländes, weil das „Kronprinzenquartier“ auch von der Goerdelerstraße aus mit einem Fuß- und Radweg erschlossen werden soll und dieser die Kita-Fläche beschneidet.

„Wir glauben, dass der Weg sehr wichtig ist für alle“, sagt Architekt Wittfeld und verspricht, mit den Belangen der Eltern und Kinder „sehr verantwortungsvoll“ umzugehen: „Wir sind in der weiteren Abstimmung, die Fläche für die Kita zu maximieren.“ Wittfeld sagt aber auch, dass es im Endeffekt eine Frage der Interessenabwägung sein wird: „Wir haben die Kita auf dem Schirm, aber es geht um sehr viel.“ Für den OB ist das Ganze „ein lösbares Problem“.

Man habe in der Diskussion der vergangenen Wochen einiges gelernt, es gebe auch „einige Vorschläge aus der Kita, die interessant sind“. Zu Wort meldet sich in dieser Sache am Dienstag auch die Fraktion „Die Linke“, die eine Aussage von Planungsdezernentin Gisela Nacken zu einem bestehenden Alternativweg korrigiert. Nacken hatte gesagt, dies sei ein Privatweg, die Stadt habe aber nun auf Nachfrage der Linken eingeräumt, dass sie dort uneingeschränktes Wegerecht besitze.

Ob dies tatsächlich eine Alternative wäre, wird nun das weitere Verfahren zeigen. „Wir sind in einem Planungsstand, wo man durchaus noch einiges hin- und herschieben kann“, sagt der OB. Allerdings gibt es auch das Interesse der Investoren, diesen Stand möglichst schnell zu verlassen. „Spätestens im Januar wollen wir da die Kräne aufbauen“, sagt Georg Quadflieg, dessen Unternehmensgruppe mit der GS Immobiliengruppe aus Köln erst im Februar das Gelände gekauft hatte. 60 Millionen Euro will man in die 185 Wohnungen investieren, von denen 20 Prozent öffentlich geförderte sein sollen.

Gebaut wird Zug um Zug, beginnend von der Beverstraße aus. 2015 sollen die ersten Mieter und Käufer in den ersten Bauabschnitt einziehen, zu dem auch 30 Eigentumswohnungen gehören. In dreieinhalb bis vier Jahren sollen dann die nagelneuen Altbauten komplett fertig sein.