Aachen: Krönungsmahl: Blick auf Weltpolitik an Schweinsbäckchen

Aachen: Krönungsmahl: Blick auf Weltpolitik an Schweinsbäckchen

Das Menü steht, der Wein ist ausgewählt, an der Festrede wird noch fleißig gefeilt, das Equipment ist griffbereit. Kurz: Alles läuft wie am Schnürchen. Location und Termin stehen sowieso schon lange fest. Denn diese Konstanten haben sich seit der Premiere nicht geändert und sind vorgegeben.

Am 23. Oktober geht es in die nächste Runde: Das Krönungsmahl, eines der Highlights im Aachener Veranstaltungskalender, findet im prunkvollen Krönungssaal des Rathauses statt — bereits zum 15. Mal. Und tatsächlich bittet der Rathausverein Aachen unabhängig vom Wochentag Jahr für Jahr an genau diesem Datum an die festlich gedeckte Tafel.

Warum? Weil an besagtem Tag bereits anlässlich der Krönung von Karl V. das größte und prunkvollste Festmahl überhaupt in Aachen stattfand. Das war im Jahre 1520. Grund genug, diesem historisch bedeutsamen Tag auch in der heutigen Zeit ein bleibendes Denkmal zu setzen. Schließlich zeichnet sich das Krönungsmahl nicht nur durch ausgezeichnetes Essen und ein hochkarätiges musikalisches Programm aus, das von jungen Preisträgern und Stipendiaten der Deutschen Stiftung Musikleben vorgetragen wird.

Es geht auch darum, das historische Erbe in Anbetracht der neuzeitlichen Entwicklungen im Gedächtnis zu behalten. Daher hat auch der diesjährige Festredner, der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz, ein hochaktuelles Thema für seinen Vortrag gewählt. „Europa und die USA — dauerhafte Wertegemeinschaft oder Zweckbündnis auf Zeit?“ lautet die Überschrift seiner Rede, in die er mit Sicherheit die eine oder andere Erfahrung einfließen lassen wird, die er seit 2009 als Vorsitzender des Netzwerks „Atlantik-Brücke“ sammeln konnte.

Zum Grundkonzept des Krönungsmahls gehört von Beginn an der karitative Charakter. Alle Einnahmen gehen ausnahmslos an den Rathausverein Aachen, der so in den letzten 15 Jahren viele Projekte am und im Rathaus umsetzen konnte. Demgegenüber stehen natürlich hohe Kosten, die für das Krönungsmahl aufgebracht werden müssen. Damit keine Defizite eingefahren werden, können die Organisatoren auf die langjährige Unterstützung von den Sponsoren ProIdee, Babor, DSA und showlight Veranstaltungstechnik setzen.

„Am Aachener Rathaus ist immer etwas zu tun“, wird der stellvertretende Vorsitzende des Aachener Rathausvereins, Georg Helg, nicht müde zu betonen. Seit seiner Gründung im Jahr 2002 hat der Rathausverein ungefähr 1,5 Millionen Euro einnehmen können. Das Krönungsmahl ist in dem Rahmen ein wichtiger Baustein. Im vergangenen Jahr hat es allein etwa 34.000 Euro eingebracht.

„In diesem Jahr widmen wir uns besonders der Majestas Domini, der über dem Haupteingang des Aachener Rathauses angebrachten Darstellung des thronenden Christus mit den anbetenden Figuren Karls des Großen und Papst Leos III., und werden sie grundlegend restaurieren. Die Kosten werden sich auf ungefähr 80.000 Euro belaufen“, verrät Helg.

Seit vier Jahren ist Pullman Aachen Quellenhof zudem als Veranstalter dieses Events mit im Boot, so dass sowohl in kulinarischer als auch in logistischer Hinsicht alles in professionellen Händen liegt. Schließlich müssen auch dieses Jahr eine provisorische Küche aufgebaut und 3300 Teller, 2100 Gläser und 3600 Bestecke von der Monheimsallee in das Rathaus transportiert werden.

„Drei Lkw-Ladungen werden für den Transport nötig sein“, so Walter Hubel, Direktor des Quellenhofs. Ach in puncto Speisen wird nichts dem Zufall überlassen — inklusive Testessen im Vorfeld. Küchenchef Daniel van Zijp, der im vergangenen Jahr in dieser Position sein erstes Krönungsmahl bestritt, hat sich für das aktuelle 4-Gang-Menü die eine oder andere Raffinesse einfallen lassen.

Die Auswahl, darunter Mousse von Ziegenfrischkäse mit Rosmarin, Seeteufel Medaillon auf Safranschaum, Duroc-Schweinsbäckchen mit Wurzelgemüse-Textur und Quinoa-Risotto, eine Überraschungspraline zum Dessert und sogar ein eigenes vegetarisches Menü dürften Anreiz für eine Teilnahme sein. Dazu werden ausgewählte Weine gereicht.