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Neues Verteilzentrum im Gewerbegebiet: Kritik an Amazon-Ansiedlung auf Avantis

Neues Verteilzentrum im Gewerbegebiet : Kritik an Amazon-Ansiedlung auf Avantis

Der DGB Aachen hat die geplante Ansiedlung von Amazon im deutsch-niederländischen Gewerbegebiet Avantis massiv kritisiert. Die bisherigen Erfahrungen der Gewerkschaften mit diesem Unternehmen würden keinen Anlass für Euphorie geben. Auch die Fraktion Die Linke im Rat der Stadt übte am Mittwoch Kritik.

Das sagte DGB-Geschäftsführer Ralf Woelk. Wie berichtet, baut Amazon auf der Grenze zwischen Aachen und Heerlen ein 9000 Quadratmeter umfassendes Verteilzentrum, umgeben von einer riesigen Fläche für die Fahrzeug- und Parkplatzinfrastruktur, Ladetechnik für Elektrofahrzeuge inklusive. In dem Verteilzentrum sollen unterjährig – also außerhalb des Weihnachtsgeschäfts – 170 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen, hinzukommen sollen rund 300 bis 350 zusätzliche Arbeitsplätze bei den Vertriebspartnern von Amazon, die die Pakete an die Kunden ausliefern.

Bis heute, so DGB-Geschäftsführer Woelk, sei der Streit nicht beendet, nach welchem Tarifvertrag Amazon seine Beschäftigten zu bezahlen habe. „Während Amazon sich hier als Logistiker betrachtet, sieht der Rest der Welt den Konzern als das, was er tatsächlich ist, nämlich einen Handelskonzern.“

Aber auch in vielen anderen Bereichen würde der DGB große Zweifel daran anmelden, ob ein Konzern wie Amazon in unsere Region passt. „Mit Blick auf die Steuermoral stellen wir fest, dass es größter Anstrengungen bedarf, um von Amazon das zu bekommen, was jeder Einzelhändler vor Ort zu bezahlen hat.“

„Alarmglocken klingeln“

Das Thema Arbeitnehmerüberwachung lasse „zusätzlich alle Alarmglocken bei den örtlichen Gewerkschaften klingeln“. Auch in Sachen Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechte hinke Amazon „den Ansprüchen an die deutsche Mitbestimmungskultur meilenweit hinterher“. So sei es auch für den Geschäftsführer des DGB nicht akzeptabel, dass Amazon für die 170 in Aussicht gestellten Arbeitsplätze lediglich Leiharbeit vorsehe.

Man habe es nicht mit einem Start-up zu tun, das sich erst einmal am Markt durchsetzen müsse und ein gewisses Geschäftsrisiko trage, sondern mit einem Online-Giganten, der sowohl die Marktpreise der Händler zu bestimmen versuche, „als auch ohne jede erkennbare Notwendigkeit über die Leiharbeit zu Dumping-Löhnen arbeiten lassen will“.

Woelk hoffe, dass alle Akteure, die an dieser Ansiedlung beteiligt waren, „nun auch das Rückgrat haben, von Amazon ordentlich bezahlte, unbefristete Tarifverträge für die Beschäftigten zu verlangen und sich nicht auf den Kuhhandel mit der Leiharbeit einzulassen“. Letztlich gehe es dabei von vornherein auch darum, „durch Leiharbeit die Beschäftigten zu disziplinieren und die Gründung von Betriebsräten zu verhindern“.

Mit Blick auf den Strukturwandel gibt es laut DGB ebenfalls große Fragezeichen. „Bisher ging es in allen Gesprächen des Strukturwandels immer darum, am Ende gute industrielle Arbeitsplätze in der Region zu schaffen.“

Amazon passe da nicht ins Bild. 170 Leiharbeitsplätze auf 66.000 Quadratmetern seien „ein sehr mageres Ergebnis für die wenigen Restflächen, die wir für industrielle Ansiedlung in der Region noch haben“. Das müsse ein „deutliches Alarmsignal“ für all jene sein, „die versuchen, den Strukturwandel erfolgreich zu gestalten“.

Linke: „Atlantis des Einzelhandels“

Auch die Fraktion Die Linke im Rat der Stadt Aachen übte Kritik an der Amazon-Ansiedlung. „Unseres Erachtens steht eine Kommune bei der Vergabe von städtischen Gewerbeflächen in der gesellschaftlichen Verantwortung, ein besonderes Augenmerk auf die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen zu werfen und deren „Unternehmensphilosophie“ in Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen“, erklärte Ellen Begolli, personalpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Hinzu komme, dass sich der lokale Einzelhandel in einem Überlebenskampf befinde der lange vor der Pandemie einsetzte und für den der Internethandel hauptverantwortlich mitzeichne.

 In den aktuellen Haushaltsberatungen seien daher zahlreiche Maßnahmen beschlossen, „um die Lebendigkeit unserer Innenstadt zu erhalten und den Gewerbetreibenden des lokalen Einzelhandels Unterstützung zu garantieren“. Die Expansion von Amazon sei dabei sicher nicht hilfreich.

„Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen sind für die regionale Entwicklung unserer Kommune von Bedeutung“, ist Linken-Fraktionsvorsitzender Leo Deumens überzeugt, „Im Gegensatz zu Internetriesen zahlen sie ihre Steuern korrekt und tragen so dazu bei, dass unsere Stadt sich stetig weiterentwickeln kann.“

Die Fraktion hat sich mit einer Ratsanfrage an die Oberbürgermeisterin gewandt, um zu erfahren, ob und welche Standards Amazon in Bezug auf gute Arbeitsverhältnisse nachweisen könne und ob das Unternehmen hier überhaupt Gewerbesteuer zahle.

(alp)