Kristina Mostovaia aus Aachen hat Kleider für Kinder entworfen

Crowdfunding für besondere Kleidung : Diese Aachenerin will Mädchen Mut machen

Kleidung für starke junge Mädchen

Astronautin, Feuerwehrfrau oder Boxerin: Die Frauenfiguren, die Kristina Mostovaia auf ihre Kleidung für kleine Mädchen drucken möchte, sind nicht gerade typisch. Und darum so wichtig, findet die Illustratorin. Sie sucht noch Unterstützer für ihr Projekt.

Als Kristina Mostovaia aus Aachen Anfang dieses Jahres davon erfuhr, dass sie ein Kind erwarten würde, ein kleines Mädchen, war die Freude riesig. Als Mostovaia, die als Kinderbuchillustratorin und De­signerin arbeitet, jedoch zum ersten Mal in den Bekleidungsgeschäften nach Stramplern, Bodys und Hemdchen für ihre Tochter schauen wollte, traf sie der Schlag: „Ich hatte in der Abteilung für Mädchenkleidung das Gefühl, ich sei in eine rosafarbene Glitzerwelt voller Einhörner und Prinzessinen eingetaucht!“, beschreibt die gebürtige St. Petersburgerin ihr Erlebnis. Bei den Klamotten für Jungen hingegen hätte sie „spannende, coole“ Motive gefunden: „Für Jungs gibt es Kleidung mit Sportlern, Superhelden, Autos und Dinos. Die Auswahl ist einfach viel größer als für Mädchen, und das finde ich nicht richtig.“ Kurzum fiel die Entscheidung, selbst eine Kollektion von Mädchenkleidung zu entwickeln.

Bislang gibt es von der Kollektion lediglich Prototypen, doch die können sich sehen lassen. Die Kleidungsstücke – ein Kleid sowie ein Zweiteiler aus Hose und Pullover bestehend – sind weiß mit bunten Motiven. Zu sehen sind Frauen in sogenannten typischen Männerberufen: Kapitäninnen, Pilotinnen, Ärztinnen, Architektinnen, Feuerwehrfrauen und Schmiedinnen. Die Figuren sind kindgerecht, ohne kitschig zu sein. „Die Motive habe ich als Aquarelle angefertigt, so arbeite ich nämlich am liebsten“, erzählt Mostovaia.

Kleidung als richtiges Mittel

Warum aber hat sie sich für Berufsbilder entschieden, warum nicht auch für Dinosaurier oder Autos? Einrichtungen, um jungen Frauen die sogenannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) schmackhaft zu machen, gibt es doch schon seit Jahren – Stichwort Girls’ Day. Doch das reicht Kristina Mostovaia nicht. „Ich glaube, dass Mädchen auch heute noch dringend starke weibliche Vorbilder brauchen, und zwar von ganz klein an. Sie müssen in ihrem Alltag erleben, dass Frauen auch coole Berufe haben, damit das für sie später normal ist“, ist Mostovaia überzeugt. Und Kleidungsstücke seien das richtige Mittel, damit die Mädchen Tag für Tag mit den Motiven in Kontakt kommen und verinnerlichen, das es Astronautinnen, Boxerinnen und Fluglotsinnen gibt. „Ganz einfach: Man muss sich ja jeden Tag etwas anziehen.“ So könne man vielleicht etwas daran ändern, dass der Anteil von Frauen in den MINT-Berufen statistisch bei gerade einmal 15 Prozent liegt.

Die vierjährige Sascha Shmin führt die Prototypen vor, die Kristina Mostovaia, Illustratorin aus Aachen, entworfen hat. Foto: ZVA/Harald Krömer

Auch einige Aachener Läden scheinen Gefallen an der Idee zu haben: „Ich habe bereits Kontakt mit einigen Geschäftsinhabern aufgenommen, die meine Kleidung gerne in ihr Sortiment aufnehmen würden“, sagt Mostovaia.

Fabrik in Portugal

Doch bis die Kleidungsstücke in Aachen zu kaufen sein werden, wird es wohl noch eine Weile dauern, schätzt sie. Zunächst muss sie noch ein bisschen Geld auftreiben und die Werbetrommel rühren: „Mir ist wichtig, dass die Kleidung nachhaltig angefertigt wird, dass sie Bio-Qualität hat und dass sie in Europa produziert wird“, beschreibt sie ihre Ansprüche. Jemanden zu finden, der ihre Idee umsetzt, sei gar nicht so einfach gewesen. In Portugal hat sie aber schließlich eine Fabrik aufgetan, wo aus ihrer Sicht alles  passt. „Doch die Fabrik, die sich auf die Produktion von Kinderkleidung spezialisiert hat, hat relativ hohe Mindestabnahmen vorgegeben, damit sie rentabel produzieren kann“, sagt Mostovaia.

Gefördert wird Mostovaias Projekt unter dem Namen „Curious Stories“ bereits vom Kompetenzzentrum Kreativwirtschaft, einer Einrichtung des Landeswirtschaftsministeriums Nordrhein-Westfalen. Doch 16.380 Euro will sie noch über Crowdfunding über die Online-Plattform Startnext auftreiben. Der Gedanke hinter dem Crowdfunding, eine Art Mikro-Investment, ist einfach: Man investiert eine gewisse Summe und bekommt dafür einen Gegenwert: beispielsweise ein Kleid aus der Kollektion oder ein Foto-Shooting. Abgerufen wird das Geld erst, wenn genug Menschen investiert haben und das Crowdfunding-Ziel erreicht ist.

Kristina Mostovaia, Illustratorin aus Aachen, will kleinen Mädchen Mut machen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Mostovaia hat übrigens noch mehr Ideen: „Natürlich sind Jungen von dem Problem mit den alten Rollenmodellen auch betroffen“, sagt sie. Und es spräche natürlich nichts dagegen, auch die Auswahl für Jungenkleidung zu erhöhen. Alle Kinder sollten gleiche Voraussetzungen haben, findet sie. „Ich weiß nicht, ob meine Tochter später einmal einen MINT-Beruf ergreifen wird. Doch sie soll die Möglichkeit haben.“

www.startnext.com/was-ist-deine-superkraft

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