Aachen: Krisenteam an Gleis 1 hilft immer

Aachen: Krisenteam an Gleis 1 hilft immer

Der Bahnhof zieht sie besonders an, die Rastlosen, Einsamen und Verzweifelten. Zwischen dem Kommen und Gehen der Reisenden, der hastenden Menschenmasse und den ein- und ausfahrenden Zügen fallen sie kaum auf.

Elke Dibba-Schreiber läuft immer wieder über den windigen Bahnhofsvorplatz, durch die Bahnhofshalle und über die Gleise. Mit geschultem Blick sucht sie die Menschenmenge ab - nach eben diesen Rastlosen, Einsamen und Verzweifelten.

„Oft wissen wir gar nicht, wie viel wir helfen”, sagt Elke Dibba-Schreiber, sie leitet die Bahnhofsmission am Aachener Hauptbahnhof. „Wir reagieren auf alles, vom abgerissenen Knopf vor einem Vorstellungsgespräch bis zum versuchten Selbstmord.” Die Mitarbeiter in den blauen Westen der Bahnhofsmission fallen auf, sprechen die Menschen an. Am Tag der Bahnhofsmission am 21. April ist das Motto „Lass dich vom Leben überraschen: Freiwillig engagieren in der Bahnhofsmission”.

Bisher arbeiten neben sechs Hauptamtlichen rund 20 Ehrenamtliche am Gleis, das Ziel ist eine Bereitschaft ganztags an sieben Tagen die Woche. „Wir möchten gerne die Öffnungszeiten erweitern, das können wir nur mit mehr Ehrenamtlichen erreichen”, erzählt Dibba-Schreiber. Elke Dibba-Schreiber sucht auf dem Bahnhofsvorplatz nach Interessierten, die ein offenes Ohr für die Nöte und Sorgen anderer haben.

Christa-Maria Böhm ist von Übach-Palenberg angereist. „Ich habe die Bahnhofsmission schon im Fernsehen gesehen. Das wäre schon interessant für mich”, sagt Böhm. Sie hat früher Lehramt studiert, war sozial engagiert. „Ich denke schon, dass ich Menschen Hilfestellung geben könnte.” Die Leiterin der Bahnhofsmission erklärt ihr, dass die Wegkosten der Mitarbeiter übernommen werden. Christa-Maria Böhm will über eine Mitarbeit in der Bahnhofsmission nachdenken und sich melden. Vielleicht hat die Bahnhofsmission ja bald eine neue Ehrenamtliche mehr.

Die Anlaufstelle für die Mitarbeiter und Hilfesuchende sind die Räume der Bahnhofsmission auf Gleis 1, heute flattern blaue Ballons als Wegweiser am Gebäude. „Ich wage zu behaupten, dass wir zu 98 Prozent wissen, wohin wir die Leute weitervermitteln können”, sagt Dibba-Schreiber und verweist auf die gute Vernetzung mit städtischen und kirchlichen Einrichtungen, an die schwere Fälle vermittelt werden. Der Bahnhof besitzt Anziehungskraft - auch auf Menschen, die helfen wollen.

Infos und Kontaktzu den Helfern in blauen Westen

Getragen wird die Bahnhofsmission Aachen vom Diakonische Werk im Kirchenkreis Aachen und „In Via”, Einrichtung für katholischen Mädchensozialarbeit. Pro Tag helfen die Mitarbeiter in den blauen Westen rund 30 Personen, im Jahr 2011 betraf das rund 15.000 Menschen.

Kontakt unter Telefon 0241/34560 oder per Mail an aachen@bahnhofsmission.de.