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Aachen: Kripo überaltert und überlastet?

Aachen : Kripo überaltert und überlastet?

Scharfe Kritik an den Arbeitsbedingungen und -abläufen der hiesigen Kriminalpolizei hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) geübt. Der Vorsitzende des Aachener Bezirksverbandes, Rolf Bültmann, beklagte am Donnerstag, dass die Ergebnisse der polizeilichen Kriminalitätsstatistik „nur die halbe Wahrheit” seien.

„Nach dem Motto Mehr fahnden als verwalten hat die Landesregierung zwar unsinnige Entscheidungen der vorherigen rot-grünen Landesregierung zurückgenommen. Aber sie traf dafür andere, die insbesondere der Kriminalpolizei Todesstöße versetzen.”

Verantwortlich dafür sei vor allem NRW-Innenminister Ingo Wolf. „Dem Polizeipräsidenten bleibt nichts anderes übrig, als Mangelwirtschaft zu betreiben”, erklärte Bültmann. Steigende Kriminalitätsraten führten „in einigen Bereichen unbestritten zu Problemen in der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung”, stellte der BDK-Chef fest. „Ermittlungsstau und Überlastungen der Kriminalbeamten gibt es dabei in fast allen Bereichen.”

Mehr Verbrechen gezählt

2008 war die Zahl der Straftaten in Aachen um 15 Prozent auf 28.492 Fälle gestiegen. Und schon zu Beginn des vergangenen Jahres hatte eine Welle von Internetbetrugs-Verfahren in einigen Kriminalkommissariaten monatelange Verzögerungen bei der Fallbearbeitung ausgelöst.

Die Staatsanwaltschaft hatte damals auf „termingerechte Ermittlungsarbeit” gedrängt, Polizeipräsident Klaus Oelze setzte eine interne Projektgruppe zur Untersuchung der Arbeitsbelastungen ein. Ebenfalls im Visier der Kommission: Gesundheitsmanagement, Schichtdienstmodelle, Arbeitsplatzgestaltung und die demografische Entwicklung. Die Ergebnisse stehen noch aus.

Bültmann bemängelte, man habe jahrelang auf Nachwuchs verzichten müssen. „Das Durchschnittsalter der Kriminalbeamten liegt in Aachen bei über 49 Jahren und wird in den nächsten Jahren dramatisch ansteigen”, sagte der Kriminalhauptkommissar. Zudem steige nicht nur der Ermittlungs-, sondern auch der Verwaltungsaufwand durch neue Datensysteme. „Wir bräuchten auch junge, gut ausgebildete Ermittler, die auch die Zeit hätten, sich in einer Vernehmung intensiv mit dem Tatverdächtigen zu beschäftigen. Die Kollegen wollen nicht mehr verwalten, sie wollen wieder Zeit für Ermittlungen haben.”

Dem gesetzlichen Strafverfolgungszwang könne die Polizei mit dem vorhandenen Personal längst nicht mehr genügen, erklärte Bültmann. Man benötige dringend mehr Sachbearbeiter, um die Arbeitsbelastung der Kripo-Beamten zu senken. Auffällig sei, dass es bei immer mehr Kriminalbeamten zu immer längeren krankheitsbedingten Ausfällen komme.

„Opel wäre dankbar”

Polizeipräsident Klaus Oelze bewertete die Kritik des Bundes Deutscher Kriminalbeamter am Donnerstag als „uraltes Instrument aus dem Werkzeugkasten gewerkschaftlicher Interessenpolitik”. Zudem verwahre er sich gegen „die altersdiskriminierenden Aussagen” des Gewerkschaftssekretärs. „Unsere Kriminalstatistik weist nach, dass gerade unsere dienst- und lebenserfahrenen Kollegen hervorragende Arbeit leisten, auf die ich gerade bei der Kripo nicht verzichten möchte.” Der Polizeichef verwies darauf, dass das Innenministerium das Aachener Polizeipräsidium gerade erst zu einer von zehn Einstellungs- und Ausbildungsbehörden ernannt habe, „die ab sofort für junge Nachwuchspolizistinnen und -polizisten sorgen”.

Der allgemein hohe Arbeitsdruck sei indes unbestritten, räumte Oelze ein. „Aber”, so der Polizeipräsident, „dies ist ein Problem, das die Opelarbeiter zurzeit gerne hätten.”