Die möglichen Routen des Marktliners: Kriegt auch der Dom eine Haltestelle?

Die möglichen Routen des Marktliners : Kriegt auch der Dom eine Haltestelle?

Der Marktliner soll in Aachen schon bald auf Tour gehen. Bis es aber so weit ist, muss sich die Politik über die künftige Route einig werden. Die klare Mehrheit will den innerstädtischen Kleinbus durch die Fußgängerzonen schicken. Grüne und Piraten sind aber strikt dagegen.

Wann er erstmals auf Rundreise geht, ist zwar immer noch nicht ganz klar, aber dass der Marktliner kommt, kann inzwischen als sicher gelten. Im Mobilitätsausschuss haben die Politiker jetzt auch die künftige Route für den innerstädtischen Kleinbus abgesteckt.

Fünf Varianten hat die Verwaltung den Politikern zur Auswahl vorgelegt, von denen die längste – vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadtkern – schon früh aus dem Rennen war. Eine schnelle Verbindung auf kurzen Wegen sei gewünscht, so gaben es die Bezirksvertreter bereits im Sommer vor. Als Zielgruppe hatten sie dabei insbesondere jene Menschen im Auge, denen das Gehen schwerfällt: Ältere etwa, für die auch der Weg vom Elisenbrunnen hoch zum Markt eine große Anstrengung sein kann.

Bis 2001 hatten sie noch die Möglichkeit, sich mit einem sogenannten Midibus bis vor das Rathaus kutschieren zu lassen. Dann wurde die Verbindung eingestellt. Nicht rentabel, hieß es damals. Vor gut sechs Jahren hat sich dann die FDP für die Wiedereinführung stark gemacht, auch um die Geschäfte rund um den Markt zu stärken und damit ein stärkeres Gegengewicht zum großen Einkaufszentrum Aquis Plaza zu schaffen.

Vor allem im Zuge der Entwicklungen rund um die E-Mobilität hat die FDP schnell breite Unterstützung gefunden, denn inzwischen ist auch klar, dass die Stadt auf Fördermittel aus dem Bund hoffen kann. Rund 1,8 Millionen Euro konnten für die Anschaffung und den Betrieb hochmoderner Elektrofahrzeuge bereits eingeworben werden, mit denen auch ein Abwehrkampf gegen drohende Dieselfahrverbote geführt werden soll. Wunsch der Stadt ist es, den an der RWTH entwickelten Elektrobus e.Go Mover einzusetzen und damit zugleich für die Wissenschaftsstadt zu werben.

Als Teststrecke könnte dann eine Runde vom Bushof zum Elisenbrunnen und Markt taugen, auf die sich CDU und SPD verständigt haben und die im Mobilitätsausschuss auch von FDP und Linken befürwortet wurde. Wie Ye-One Rhie (SPD) erklärte, würde man das Fahrzeug mit Platz für kaum mehr als zehn Menschen am liebsten durch die Fußgängerzonen Annastraße und Großkölnstraße fahren lassen. „Es wäre reizvoll, den Bus am Dom vorbeifahren zu lassen“, meint Rhie, die aber selbst zu bedenken gibt, dass die Annastraße sehr eng ist. Ersatzweise könne man ihn daher auch über die Jakobstraße in Richtung Markt schicken.

Für wünschenswert hält Schwarz-Rot auch den Weg durch die Großkölnstraße, am liebsten auch mit einer Haltestelle, um dort etwas gegen den zunehmenden Leerstand zu tun, so Rhie. Müsste machbar sein, findet die CDU-Verkehrspolitikerin Gaby Breuer. „Die Großkölnstraße ist ja relativ breit.“ Sollten die Planer jedoch zu anderen Erkenntnissen kommen, wäre dort eine Ausweichstrecke über Mostardstraße und Neupforte möglich.

Mit dieser Variante könne er gut leben, erklärte FDP-Vertreter Peter Blum. „Endlich kommen wir vorwärts“, freut er sich. Eine Haltestelle am Dom findet er auch aus touristischen Erwägungen gut.

„Keine Bereicherung“

Derweil sprachen sich Matthias Achilles (Piraten) und Kaj Neumann (Grüne) strikt gegen eine Linienführung durch Fußgängerzonen aus. Auch das Argument „Barrierefreiheit“ will Achilles nicht gelten lassen: Wer den Weg von der Haltestelle Judengasse nicht zum Markt schaffe, könne auch auf dem dortigen Kopfsteinpflaster „keine zehn Meter laufen“, sagt er und lehnt das ganze Projekt Marktliner ab. Ein Bus auf dem Markt sei „keine Bereicherung für die Innenstadt“.

Die große Mehrheit aber sieht dies anders. „Wir sollten es probieren“, sagt auch Harald Siepmann (Linke). Für den Seniorenrat meint Rolf Winkler: „Wir sind froh, dass der Bus jetzt kommen soll und hoffen, dass alles schnell realisiert wird.“

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