Kreuzbundgruppe im Diözesanverband Aachen feiert 50-Jähriges

Bewährte Selbsthilfegruppe : Endlich raus aus der Abhängigkeit

Beziehungsbrüche, eine kaputte Leber, Schwierigkeiten bei der Arbeitsstelle – „Alkoholsucht ist immer mit Absturz verbunden. Als Alkoholiker verharmlost man das allerdings. Man hat im wahrsten Sinne einen getrübten Blick.“ Werner Barke weiß das aus eigenem Erleben.

Viele Jahre konnte Barke nicht ohne die Droge Alkohol. Seine Ehe zerbrach, andere Beziehungen ebenfalls. Bei Emanuel Dunke nahm die Leber Schaden, seine Frau verließ ihn. Barke und Dunke sind jetzt trocken, auch dank einer Selbsthilfegruppe des Kreuzbundes. „Sie hält die Problematik der Sucht im Bewusstsein“, meint der Regionalleiter des Diözesanverbandes Aachen, Barke. Und der Geschäftsführer Dunke bestätigt: „Eine Gruppe bringt Stabilität. Rückfälle sind dann sehr selten.“

Bei Dunke hat die Gruppe sogar so viel Stabilität gebracht, dass er bislang ohne Therapie auskam. Nach Entgiftung und Therapievorbereitung bei der Aachener Suchthilfe sowie den bis heute andauernden Besuchen der Kreuzbundgruppe wurde er sogar von Transplantationsärzten für so stabil eingestuft, dass sie ihm eine Spenderleber zusprachen. „Abstinente Jahre sind keine verlorenen Jahre – egal wie viele es am Ende sind“, sagt Barke. Auch deshalb rühren er und Dunke regelmäßig ehrenamtlich bei der Suchthilfe die Werbetrommel für den Besuch einer Selbsthilfegruppe – egal von welcher Substanz der- oder diejenige abhängig ist.

Der Kreuzbund wurde 1896 in Aachen von Pfarrer Josef Neumann gegründet, um dem Elendsalkoholismus entgegenzuwirken. Bis in die 1960er Jahre hinein lebten die Mitglieder des Kreuzbundes überwiegend solidarisch-abstinent, ohne selbst suchtkrank zu sein. Von diesen Wurzeln ist heute nur noch wenig übrig: Der Kreuzbund schaut weder auf die Konfession des Hilfesuchenden, noch auf die Art der Sucht. Medikamentenabhängige sind heute genauso willkommen wie Cannabis- oder Spielsüchtige. „Wir sind für alle offen. Unsere Erfahrung mit Abhängigen von harten illegalen Drogen wie Heroin ist allerdings schwierig. Die ticken meistens anders und brauchen auch eine andere Hilfestruktur“, erklärt Barke.

Auch vom absoluten Abstinenzgebot rückt der Kreuzbund langsam ab, obwohl von den Bundesgremien bis in die einzelnen Gruppen hinein kontrovers darüber diskutiert wird. Aber: „Wurde vor 50 Jahren noch der völlige Suchtmittelverzicht vorausgesetzt, orientieren wir uns heute mehr und mehr an dem individuellen Bedarf unserer Teilnehmer. Zufriedene Abstinenz ist weiterhin ein wünschenswertes Ziel, doch akzeptieren wir, dass Rückfälle manchmal dazu gehören oder ‚nur‘ eine Reduktion des Suchtmittels angestrebt wird“, erklärt Karen Sprenger, Vorsitzende des Diözesanverbandes Aachen die heutige Haltung des Kreuzbundes.

Nicht verändert haben sich in den vergangenen 50 Jahren die Struktur und das Konzept der Organisation: Unter dem Dach der Caritas gliedert sich der Kreuzbund in Diözesanverbände – den Aachener Diözesanverband Aachen gibt es seit 50 Jahren; er ist offen für Abhängige und auch für Angehörige, die in die gleichen Gesprächsgruppen gehen; er wünscht in den Selbsthilfegruppen offene Kommunikation.

Gerade das Gruppenkonzept des Kreuzbundes hatte Barke und Dunke angesprochen. „Abhängige und Angehörige profitieren von den Erfahrungen des jeweils anderen. Und bei uns gibt es kein einseitiges Erzählen. Jeder kann beim anderen nachfragen. Gerade von den Erlebnissen der anderen kann man ja lernen“, so Barke.

Eine statische Struktur, wie es zum Beispiel die Anonymen Alkoholiker verfolgen, war nichts für sie. Zudem biete der Kreuzbund seinen Mitgliedern regelmäßig Seminare – zum Beispiel zu den Themen Umgang mit Rückfall oder Umgang mit Konflikten. Aber auch Glück und Resilienz werden ins Programm genommen.

Das Wichtigste sei aber das Gespräch: „Gruppe, Gruppe, Gruppe! Einfach mal etwas loswerden können – das tut eigentlich jedem gut“, glaubt Barke fest an das System der Selbsthilfe. Ihm, Dunke und den anderen 410 Mitgliedern des Diözesanverbandes hat sie jedenfalls die wichtige Wende im Leben gebracht. „Das Leben lohnt sich wieder!“

www.kreuzbund-aachen.de

Mehr von Aachener Zeitung