Kreative Köpfe: Neue Ausstellungen in Aachen

Kunstgeschichten : Karger Hain, Medusenkuss und russischer Salat

Mit Titel“ nennt sich die Ausstellung des Aachener Fotografen Michael Dohle, der regelmäßig den Süden Frankreichs in der Region Ardèche bereist und dort „unspektakuläre Landschaften“ aufnimmt.

Die Naturbelassenheit wie Verlassenheit der ländlichen Weiten interessiert ihn, einsame Straßen und Baumgruppen, die sich in der steppenartigen Umgebung wie hochragende Kirchenbauten erheben. Weiterhin das berühmte Licht des Südens, gleißende Helligkeit und tiefste Schatten, die in regelrechte schwarze Abgründe führen.

Dohle präsentiert keine Naturidylle, sondern Kargheit. Verbranntes Gras und einsame Bäume, Steine, Friedhöfe und Mauern schweigen beredt und laden den Betrachter ein, mit sich allein zu sein und das Gefühl der Zurückgeworfenheit auf sich selbst zu spüren. Bevor Dohle seine Reise antrat, las er den Geländeroman „Hain“ von Esther Kinsky und setzte ihn zu seinen Fotografien in Beziehung. Konsequent finden sich Zitate aus dem Roman auf der Wand, die die Bilder behutsam begleiten. Es sind Schilderungen von Fremdheit und dem Gefühl, ein ungebetener Gast im Gelände zu sein, wo möglicherweise etwas verborgen bleiben möchte. Die Foto-Ausstellung im Kukuk an der Grenze, Eupener Straße 420, ist so still wie spannend und besteht aus acht hochwertigen großformatigen Drucken in Museumsqualität mit einer Panoramaaufnahme von 100 mal 230 Zentimetern. Geöffnet ist samstags von 14 bis 19 und sonntags von 11 bis 19 Uhr.

Impressionen der Kargheit statt „spektakulärer Landschaften“: Michael Dohle zeigt seine Bilder im Kukuk an der Grenze. Foto: Heike Lachmann

Echte Kunstschätze hat Ice El Macedon vom Atelier 21 für seine Ausstellung „Russischer Salat“ gehoben und zu einer Schau zusammengestellt, die nicht nur für Aachen einzigartig ist. Künstler meist vom Balkan, aus dem Nahen Osten und auch aus Aachen zeigen Arbeiten, die von sichtlich anderen Schulen ausgehen und andere künstlerische Positionen beziehen.

Der aus Bosnien stammende, in Bayern lebende Milan Mihailovic etwa malte eine tanzende Figur in einem gebrochenen Weißraum, Aranya Sen fotografierte eine Szene mit Kindern am Rande der Beisetzung von Mutter Teresa in Indien.

Ein Highlight der Ausstellung lieferte die junge griechische Künstlerin Maria Karimpidi mit ihren puppenstubenartigen Wand- und Zimmerkonstruktionen namens „Mikrochaos“, Ice El Macedon malte einen selbst erlittenen Quallenbiss als Medusenkuss. Patrick Jeune, Aachener Maler aus Paris, stellt eine nahezu bewegliche, schon ältere Collage aus, Karl von Monschau brachte eine Hommage an Malewitsch und sein 100 Jahre altes schwarzes Quadrat ein. Immer wieder sehenswert sind auch die mit Kerzen beleuchteten Geldaltäre und Geldkunstwerke, die auf einen archaisch-schamanischen Hintergrund verweisen und auch ironisch gesehen werden können. Zu sehen ist der „Russische Salat“ bis zum 20. Januar an der Jülicher Straße 21 jeden Samstag von 16 bis 19 Uhr und nach Absprache unter Telefon 0176/78698300.

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