Aachen: Kreative Ideen als Soforthilfe für Alemannia

Aachen: Kreative Ideen als Soforthilfe für Alemannia

Am Sonntag sitzt Daniel Kosch wieder im Regieraum unter dem Dach des Tivoli und hofft, ab 14 Uhr möglichst oft in ein Dilemma zu rutschen: nämlich gleichzeitig Schieber und Knöpfe zu bedienen und Tore der Alemannia zu bejubeln, wenn diese gegen die Zweitvertretung der Fortuna Düsseldorf um wichtige Punkte kämpft. Daniel Kosch ist professioneller Filmemacher und leidenschaftlicher Alemannia-Fan.

Beide Eigenschaften bringt er derzeit nicht ganz zufällig unter einen Hut. Er gehört zu den Leuten, die dem klammen Regionalligisten durch die schwere Zeit helfen wollen. Dass dies sehr wohl gelingen kann und wo er sonst noch den Dreh raus hat, berichtet er im Interview mit unserem Redakteur Hans-Peter Leisten.

Daniel Kosch als Filmemacher: Mit seiner Filmproduktion ist er in der Charlottenstraße zu Hause. Foto: Michael Jaspers

Wieviel bekommen Sie voraussichtlich am Sonntag vom Spiel der Alemannia gegen Düsseldorf II mit?

Kosch: Das ist schwer zu sagen. Ich muss mich schon noch auf die neue Technik im Regieraum konzentrieren. Ich hoffe aber, Jubel und Regie unter einen Hut bringen zu können. Zum Glück habe ich mit Heike Otto, die sich seit vielen vielen Jahren ehrenamtlich um die Musik kümmert, und meinem Bruder, der mir im Regieraum hilft, tolle Unterstützung. Auf Dauer will ich aber wieder im Stadion sitzen, sobald das neue System stabil läuft.

Welche Aufgabe haben Sie in dieser Saison bei der Alemannia übernommen?

Kosch: Angesichts der Insolvenz war die Gefahr groß, dass die Videowände schwarz bleiben oder das Angebot extrem verringert werden müsste. Dabei geht es nicht so sehr um die Anzeige des Spielstandes, sondern vielmehr um das Abspielen der Spots der Werbekunden der Alemannia, die eine wichtige Einnahmequelle darstellen.

Wie sieht Ihr Part aus?

Kosch: Ich habe zunächst eine Woche lang die Möglichkeiten geprüft, wie man die Kosten reduzieren kann, was uns auf etwa ein Drittel der Kosten des Vorjahres gelungen ist. Wir haben ein Modell entwickelt, bei dem Alemannia die Hard- und Software Spiel für Spiel abschreiben kann. Am Ende geht so alles in den Besitz der Alemannia über. Die Alemannia hat dann nach Abschluss der laufenden Saison die Einnahmen aus der Videowand ohne externe Kosten für sich und kann im Anschluss, im Besitz der Hard- und Software, nochmal Kosten einsparen.

Wie profitieren Sie davon?

Kosch: Wir wollen finanziell nicht davon profitieren. Ziel war es, dass der Verein mehr Geld in Spieler investieren kann und wir lediglich unsere Unkosten decken.

Wo sehen Sie die Alemannia-Spiele, wenn Sie nicht quasi ehrenamtlich für den Verein unterwegs sind?

Kosch: Im Juniorblock oder im Businessbereich. Je nachdem, ob mich mein Vater, mein Bruder oder meine Nichten und Neffen begleiten. Die sind natürlich auch schon brav Alemannia-Fans.

Wie sind Sie denn zum Fan geworden?

Kosch: Anfangs war ich sporadisch am Tivoli. Mit dem Aufstieg in die zweite Liga 1999 wurde es dann immer intensiver. Die Atmosphäre am alten Tivoli hat mich nicht mehr losgelassen. Mit guten Freunden im x-Block zu stehen war immer großartig, egal bei welchem Wetter und in welcher Liga. Den neuen Tivoli schließe ich aber auch immer mehr in mein Herz.

Haben Sie in der jüngeren Vergangenheit nicht die Lust an Alemannia verloren?

Kosch: Gar nicht. Ich habe eine einfache Regel: Solange ich mich auf ein Spiel der Alemannia freue, ist alles ok. Das war in der Saison 2015/2016 kurz nicht der Fall, da waren plötzlich Spieler weg, die ich sehr geschätzt habe. Im Moment ist das aber absolut so.

Kommen wir zum Filmemacher Daniel Kosch. Wie kam es zum Doppelpass zwischen Filmemacher und Alemannia-Fan?

Kosch: Beim Abriss des alten Tivoli. Ich wollte damals mit meinem Freund Guido Diefenthal die Atmosphäre des Stadions einfangen (DVD „Abpfiff am alten Tivoli“, Anm. der Red.). Dadurch ist die Verbindung zum Verein nochmals deutlich intensiviert worden.

Sie setzen als Filmemacher auf die emotionale Komponente bei Alemannia?

Kosch: Bisher ja. Fußball-Fan sein funktioniert für mich nur emotional. 2015 stand das Heimspiel gegen Rot-Weiß Essen an. Alemannia hatte zuvor überraschend bei Viktoria Köln durch ein Tor von Dennis Dowidat gewonnen. Die Emotionen waren enorm. Dann kam das Spitzenspiel gegen RWE. Ich wollte zum vollen Stadion etwas beitragen und habe den Spot „Die Hoffnung kehrt zurück“ gedreht. Ebenfalls eine sehr emotionale Geschichte. Das Stadion war zwar auch schon vor der Premiere ausverkauft, der Spot spiegelt die Zeit aber ganz gut wider.

Fällt Ihnen dieser professionelle Ansatz als Fan schwer?

Kosch: Ganz im Gegenteil. Das vereinfacht die Sache sogar, da ich Alemannia nach so vielen Jahren ganz gut fühlen kann. Für mich als Filmemacher war das eine tolle Geschichte: Ich hatte als Fan und Filmemacher das Stadion und einige der Spieler zur Verfügung.

Welche stilistischen und technischen Elemente aus der Werbefilmsparte können Sie denn für einen Fußball-Spot verwenden?

Kosch: Eigentlich alle. Prinzipiell wird in der Werbung versucht Marken zu emotionalisieren und so eine Bindung zum Verbraucher herzustellen. Bei Fußballclubs, in unserem Fall bei der Alemannia, gibt es diese emotionale Bindung sowieso schon und so lag die Herausforderung bei dem Spot „Die Hoffnung kehrt zurück“ eher darin, in kaum einer Minute diese negative Situation zwischen tiefem Fall und aufkeimender Hoffnung zu visualisieren.

Ist so etwas wie vor dem damaligen RWE-Spiel noch mal denkbar?

Kosch: Ich habe in der Tat vor dem Spiel gegen Essen am 22. Oktober etwas vor. Trainer Fuat Kilic hat da ein mehr als offenes Ohr. Mal sehen, was wir machen können. Aber das war schon eine besondere Zeit damals.

Ihr Dasein als Filmemacher besteht aber nicht nur aus Spots.

Kosch: Meine Schwerpunkte sind Werbespots und Musikvideos. Unter anderem habe ich mit Bands wie Die Toten Hosen, Broilers, Jennifer Rostock, Dendemann u.v.m gearbeitet. Ich habe als klassischer Werbefilmer eine eigene Filmproduktion, die Grid-Filmproduktion, und arbeite für viele Werbeagenturen aber auch Aachener Unternehmen. Beim Thema Alemannia kooperiere ich mit der Kommunikationsagentur C/O von Jochen Lauscher. C/O wiederum ist Vertragspartner von Alemannia.

Und macht was?

Kosch: Autogrammkarten, Spieltagsposter oder auch das Cover fürs Tivoli-Echo. Die Agentur hat zum Beispiel ein Foto-Studio, in dem wir schnell und unkompliziert Fotos und Videos fürs Stadion-TV, Autogrammkarten etc. Schießen können. Eine Mannschaft wie Alemannia geht auch in der Regionalliga nicht ohne Autogrammkarten.

Welche Pläne verfolgen Sie als Filmemacher?

Kosch: Ich arbeite gerade an einem Langfilm, den ich gerne in unserer Region ansiedeln möchte. Die Lage Aachens in der Nachbarschaft zu Belgien und den Niederlanden bietet viele Möglichkeiten und ist daher für mich als Filmemacher sehr spannend.