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Demonstration am Samstag in Aachen: „Krachparade“ marschiert für die freie Kultur

Demonstration am Samstag in Aachen : „Krachparade“ marschiert für die freie Kultur

Die „Krachparade“ formiert sich wieder: Am Samstag wollen zahlreiche Kulturschaffende in der Aachener Innenstadt demonstrieren. Sie fordern mehr Freiräume für unabhängige Künstler.

Wie frei ist die freie Szene? Wie groß sind die kreativen Spielräume für Kulturschaffende in Aachen überhaupt noch? Jedenfalls nicht groß genug, meinen die Veranstalter der „Krachparade“. Einmal mehr wollen sich deshalb am kommenden Samstag zahlreiche Initiativen gemeinsam Gehör verschaffen – lautstark, aber auch konstruktiv, so könnte man die ideelle Marschroute abstecken, sobald der große Demozug sich am Samstag ab 14 Uhr vor dem SuperC am Templergraben formiert, um sich quer durch die City bis zum Stadtpark in Bewegung zu setzen.

Denn nicht nur die jüngsten Auseinandersetzungen um den Lärmschutz – wie zuletzt etwa rund ums Alte Tuchwerk in der Soers – klingen den Organisatoren der neuerlichen Kundgebung, die als „Tanzdemonstration“ angekündigt wird, naturgemäß nachhaltig in den Ohren. „Wir wollen weiter dafür kämpfen, dass die Bedingungen für unabhängige Bühnenkunst endlich wieder besser werden“, sagt Oskar Bastian. Bis zu 2000 Teilnehmer erwartet der 28-Jährige gelernte Umweltingenieur, seinerseits Gründungsmitglied des Aachener Künstlerkollektivs Base e.V., diesmal.

Bereits 2019, vor der langen coronabedingten Zwangspause, waren rund 1500 Menschen zur „Krachparade“ auf die Straße gegangen, um sich für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen freier Künstler im Dreiländereck stark zu machen. „Wir setzen uns dafür ein, dass die vielen Initiativen der Stadt sich dauerhaft zusammenschließen, um mit einer Stimme zu sprechen“, sagt Bastian. „Auch die Demo am Wochenende kann dazu sicherlich einen Beitrag leisten.“

Große Hoffnungen setzen die Kulturschaffenden jetzt zudem in den neuen städtischen Nachtbürgermeister Lukas Delvenne, der vor wenigen Tagen als Moderator in einer Art Scharnierstelle zwischen Behörden, Kulturveranstaltern und Bürgern seine Tätigkeit in der Verwaltung aufgenommen hat, wie das Presseamt auf Nachfrage bestätigt (siehe Info). Der 28-Jährige, so war bereits zu erfahren, gehört im Übrigen selbst dem sogenannten „Krachkollektiv“ an, das die Tanzdemo im Namen etlicher Kulturinitiativen organisiert.

„Wir wollen gemeinsam für mehr Solidarität und Unterstützung werben, nachdem in den vergangenen Jahren mehrere Clubs die Segel streichen mussten“, betont Bastian. Das Beispiel der „Meffis“, die sich kürzlich mit Unterstützung der Stadt als neue Anlaufstelle in der Mefferdatisstraße etabliert haben, könne so durchaus Schule machen. Weitere derartige „Pop-up-Konzepte“ könnten etwa in leerstehenden Ladenlokalen umgesetzt werden.

„Wir wünschen uns, dass der Stadtrat und auch die Vertreter der Studierenden sich stärker als bislang aktiv für den Erhalt der bestehenden und die Schaffung neuer, nicht kommerzieller Kulturstätten und Veranstaltungsräume einsetzen“, sagt Bastian.

Denn der vielfach beklagte Umstand, dass die Lärmschutzbestimmungen für einschlägige Happenings selbst in bestens etablierten „Locations“ wie dem Alten Tuchwerk oder dem städtischen Depot in der Talstraße abermals deutlich eingeschränkt worden seien, müsse zu neuen, konstruktiven Maßnahmen führen. „Wir könnten uns vorstellen, dass Beschwerden von Anwohnern etwa durch qualifizierte und regelmäßige Messungen Rechnung getragen wird“, meint Bastian.

Entscheidend sei dabei, dass Künstler und Behörden sich mit betroffenen Bürgern an einen Tisch setzen. „So könnten Kompromisse gefunden werden, um zu gewährleisten, dass nicht jedes Mal aufs Neue, für jede einzelne Veranstaltung neue und kostspielige Schallschutzgutachten in Auftrag gegeben werden müssten.“ Kurzum: Gerade jetzt – nach monatelangen Hängepartien durch die Lockdowns der vergangenen zwei Jahre – müssten Verfahren entwickelt werden, um der freien Kultur neue Wege zu ebnen.

Erster wichtiger Schritt aus Sicht der Vertreter des „Krach-Kollektivs“: Sie appellieren an die zuständigen städtischen Abteilungen wie Kulturbetrieb und Ordnungsbehörden, „rechtzeitig über die jeweiligen Anforderungen zur Durchführung von Veranstaltungen zu informieren“.

Bastian und seine Mitstreiter hoffen nun auf rege Beteiligung und Solidaritätsbekundungen aus der gesamten Bürgerschaft. Nach dem Start am SuperC bewegt sich der Protestzug am Samstag über Templergraben, Markt, Elisenbrunnen, Europaplatz, Frankenberger Park und Hauptbahnhof bis zum Stadtpark. Dort gibt es eine Abschlusskundgebung mit musikalischer Begleitung. Mit Verkehrsbehinderungen ist also zu rechnen.