Aachen: Krach um neue Bauzäune an der Bummelmeile

Aachen: Krach um neue Bauzäune an der Bummelmeile

„Frohnatur“ heißt der kleine Laden für Lederwaren und Accessoires an der Ecke Annuntiatenbach; seiner Inhaberin Anette Forré ist der Spaß dieser Tage allerdings endgültig vergangen. Und nicht nur ihr. „Seit jetzt auch noch die Eilfschornsteinstraße wegen der Asphaltarbeiten am Templergraben dicht ist, wird die Kockerellstraße von Baustellen praktisch in die Zange genommen“, klagt die Geschäftsfrau, die sich vor genau drei Jahren dort selbstständig gemacht hat.

„Und jetzt auch noch das: Ausgerechnet zum Start des Weihnachtsgeschäftes sollen die potenziellen Kunden kurz vor der oberen Kockerellstraße vor den nächsten Bauzaun laufen, wie wir gehört haben.“

Bangen ums Weihnachtsgeschäft: Anette Forré, Karin Zilt, Jürgen Mai, Andrea Cornjaerts, Jörg Kreus, Gerd Stybor und Martin und Karin Luhn (v.l.) aus der Kockerellstraße. Foto: Michael Jaspers

Dort nämlich — genauer: vor dem künftigen „Centre Charlemagne“ an der Johannes-Paul-II.-Straße — soll das Pflaster in Kürze ebenfalls aufgerissen werden. Die Stufen zum Entree des neuen Bürgerservice sollen weichen, der Eingang ebenerdig angelegt werden. „Damit werden die Geschäfte in der Kockerellstraße gleich von zwei Seiten von der Laufkundschaft abgeschnitten — und auf die sind wir absolut angewiesen“, kritisiert Gerd Stybor von der „Villa Kunterbunt“ in unfrohem Einvernehmen mit seinen Kollegen Jürgen Mai (Sport Gruber), Martin Luhn („Yucca“) und Karin Zilt („Traum-Atmosphäre“).

Mehrere Ladeninhaber haben sich daher bereits an den OB gewandt. „Wir erinnern Marcel Philipp daran, dass er erst vor kurzem nochmals versprochen hat, die Geschäfte in der IG Marktviertel zu unterstützen, vor allem durch eine vernünftige Wegeführung und Beschilderung“, sagt Luhn. Genau das Gegenteil aber sei jetzt der Fall beziehungsweise akut zu befürchten.

„Fußgänger, die normalerweise vom Bendplatz her über die Eilfschornsteinstraße zum Weihnachtsmarkt pilgern, werden am Templergraben gleich Richtung Pontstraße marschieren. Wer aus Richtung Dom kommt, wird in aller Regel noch vor dem Bauzaun am Centre Charlemagne über den Katschhof Richtung Markt ausweichen“, prophezeit Stybor. Kurzum: Wenn man sich vor Augen führe, dass die kleinen Läden an der gebeutelten Flaniermeile einen erheblichen Teil der Jahresumsätze in der Adventszeit erzielten, müsse so mancher Geschäftsinhaber nun endgültig um seine Existenz bangen.

Diese Sorge kann auch Benedikt Förster, Inhaber des gleichnamigen Juwelierladens direkt gegenüber dem Bürgerservice, allemal nachvollziehen. „Trotzdem hoffen wir jetzt darauf, dass die geplanten Arbeiten zwischen Klosterplatz und Markt möglichst noch vor dem Jahresende umgesetzt und beendet werden“, unterstreicht er hingegen. Eher zufällig habe er überhaupt von der Maßnahme erfahren.

Und gemeinsam mit einigen Kollegen aus der unmittelbaren Nachbarschaft sogleich zum Ortstermin mit den Verantwortlichen von der Stadt gebeten. „Man hat uns zugesagt, dass der Klosterplatz ab kommender Woche wieder aus Richtung Fischmarkt erreichbar ist. Wir hatten aber die Befürchtung, dass die geplanten Arbeiten vor dem Bürgerservice bis weit ins kommende Jahr hinein andauern könnten — zumal ab April 2014 wegen Heiligtumsfahrt und Karlsjahr sämtliche Bauprojekte im Umfeld von Dom und Rathaus monatelang ruhen sollen.“

Auch OB Marcel Philipp zeigte sich am Dienstag bemüht, die Wogen zu glätten: „In der Tat hätten wir auch die Geschäftsleute im weiteren Umfeld aktiv informieren müssen“, bedauerte er. „Das werden wir sofort nachholen.“ Und Regina Poth, zuständige Abteilungsleiterin bei der Stadt, erklärte mit Nachdruck: „Wir haben mit den direkt Betroffenen an der Johannes-Paul-II.-Straße einen Konsens gefunden, dass wir die Arbeiten am Bürgerservice kommenden Montag in Angriff nehmen.

Der eigentliche, 4,50 Meter breite Gehweg zwischen Klosterplatz und Markt ist davon sowieso nicht betroffen. Wir werden die Maßnahme innerhalb von vier Wochen umsetzen. Zudem soll der Bauzaun mit Ad-ventmotiven geschmückt werden.“ Schließlich: Auch die Eilfschornsteinstraße werde bereits in zwei Wochen wieder in beide Richtungen befahrbar sein, verspricht Poth.