Konzertreihe startet in der evangelischen Annakirche zu Aachen

Orgelkonzerte in Aachen : Von Barock bis Moderne in der Annakirche

Eine Wiederbegegnung mit einem alten Bekannten bescherte ein Orgelkonzert mit Thomas Dahl in der Reihe Orgelkonzerte Aachen 2019 der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen in der Annakirche. Dahl war von 1993 bis 1996 Kantor und Organist der Dreifaltigkeitskirche Aachen und in dieser Zeit auch Leiter des Aachener Kammerchors, ehe er die Karriereleiter steil hinaufkletterte und Kantor an der Hauptkirche St. Petri zu Hamburg wurde. Seitdem ist er vielfach preisgekrönt und mit Orgelkonzerten in der ganzen Welt unterwegs.

Für sein Konzert in Aachen hatte er ein Programm zusammengestellt, dessen Achse eine freie Improvisation bildete. Darum gruppierten sich Werke verschiedener Stilrichtungen vom Barock bis in die gemäßigte Moderne. Dahl, der in seinen Begrüßungsworten die klanglichen Möglichkeiten der Weimbs-Orgel in der Annakirche pries, nutzte diese denn auch für seine Darstellung von drei Stücken des französischen Barockkomponisten Louis Marchand, für dessen repräsentative, eher auf homophone Klangwirkungen bedachte Musik er die geeigneten Farben fand. Zwei Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach zeigten exemplarisch den stilistisch völlig anderen, von strenger Kontrapunktik und Polyphonie geprägten Weg des mitteldeutschen Barock auf.

Bei dem sechsstimmigen „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ registrierte Dahl die beiden Pedalstimmen mit der Bombarde so gewichtig, dass ein wenig die Durchhörbarkeit des dichten polyphonen Gewebes in Gefahr geriet. Den Bach-Chorälen stellte Dahl die gleichen Titel in Vertonungen von Max Reger gegenüber, deren Harmonik für Reger erstaunlich schlicht ist und die sich ganz auf die Hervorhebung des Cantus firmus konzentrieren.

Die „Orgelsonate über ein Thema“ von Heinz Wunderlich, Organist und Komponist und einer der Orgellehrer von Thomas Dahl, bildete den Schlusspunkt des Programms. Das dreisätzige Werk verrät deutliche Spuren der kompositorischen Sprache von Paul Hindemith, ist dabei recht wirkungsvoll. Im Zentrum stand Thomas Dahls freie Improvisation, die sich stilistisch an Olivier Messiaen orientierte.Ein kurzes, vogelrufartiges Motiv bildete die Keimzelle dieser großangelegten Improvisation, eine Keimzelle, die sich zu einem unruhigen Klanggebilde mit großem dynamischem Steigerungspotential entwickelte, das schließlich nach einem Kulminationspunkt in einen akkordisch ruhigen Schluss mündete.

Ein spannendes Stück Musik, das Dahl als einen klug disponierenden und harmonisch phantasievollen Musiker auswies. Dass die Darbietungen des gesamten Konzertes auf einem spieltechnisch hohen Niveau mit stabilen Tempi abliefen, braucht bei einem Künstler vom Format Thomas Dahls kaum erwähnt zu werden. Dem allzu überschaubaren Publikum gewährte er als Zugabe ein wiegendes Paeludium in h-Moll von César Franck.