Konzertreihe in der Kirche St. Severin im Aachener Stadtteil

Eilendorfer Orgelsommer : Wenn beim Konzert nicht nur die Ohren auf ihre Kosten kommen

Stolz thront die Göckel-Orgel seit 1997 über dem Hauptportal von St. Severin. Beim 5. Eilendorfer Orgelsommer wird das zweimanualige Instrument wieder die Hauptrolle spielen.

Aber: „Die Orgel wird nicht die alleinige Königin sein. Sie wird von vielen Prinzen und Prinzessinnen begleitet“, meint Elenita von der Nahmer, Vorsitzende des Fördervereins für Musik und Kultur an St. Severin in Eilendorf. Saxophon, Klarinette, Oboe, Gesang und sogar Handglocken werden den Part des hochherrschaftlichen Nachwuchses bei den acht Konzerten, verteilt vom 23. Juni bis 22. September, übernehmen.

Zwei in Aachen äußerst anerkannte Musiker gestalten das Eröffnungskonzert am Sonntag, 23. Juni, um 17 Uhr: Lutz Felbick (Orgel) und Heribert Leuchter (Saxophon). Sie widmen sich dabei Werken von Komponisten, deren künstlerisches Schaffen weniger als 100 Jahre alt ist. Eric Satie, Olivier Messiaen und Frank Martin gehören dazu, aber auch Heribert Leuchter selbst, der „Hymnus für Saxophon und Orgel“ zum Programm beitragen wird. Felbick wie Leuchter sind versierte Jazzmusiker und „baden in der Musik“, findet von der Nahmer.

Umso mehr war es ihr ein Anliegen, sie nicht nur optimal zu Gehör zu bringen, sondern auch ihren Umgang mit den Instrumenten sichtbar zu machen. Nicht weniger als vier Kameras postiert sie auf der Orgelempore, um das musikalische Schaffen von Händen, Mund und Füßen der Musiker auf eine Leinwand im Altarraum zu projizieren. Dieses technische Equipment ist beim Konzert von „The Bellringers“ (Freitag, 28. Juni, 20 Uhr) nicht notwendig, um den Musikern auf die Finger schauen zu können. Zwölf junge Männer bedienen 37 Handglocken, um ein sehr unterschiedliches Repertoire erklingen zu lassen. Marcel van Westen, Organist in St. Severin und künstlerischer Leiter des Eilendorfer Orgelsommers, komplettiert den Abend unter anderem mit der Wassermusik von Händel und einem Werk von Beethoven.

Musik von Barock bis Gegenwart haben Kianhwa Djie (Orgel) und Judith Schaible (Oboe) am Freitag, 5. Juli, um 20 Uhr auf dem Programm: Bach und Händel präsentieren die beiden Aachener Musiker ebenso wie Joseph Noyon und Naji Hakim.

Die Eilendorfer Orgelnacht – stets ein Highlight im Orgelsommer – bestreiten in diesem Jahr die drei niederländischen Organisten Jan Peter Lanooy, Geerten Liefting und Jan Hage am Freitag, 12. Juli, um 20 Uhr. Liefting wird in seinem Part den Buster-Keaton-Stummfilm-Klassiker „The General“ von 1926 live an der Orgel vertonen. Lanooy und Hage präsentieren bedeutende Orgelwerke unter anderem von Max Reger und Maurice Duruflé.

Gleich nach den Sommerferien startet der Eilendorfer Orgelsommer in die zweite Runde. Am Freitag, 30. August, hat dann auch wieder eine Prinzessin eine tragende Rolle: Martin Busch gestaltet mit seiner Klarinette zusammen mit Marcel van Westen ab 20 Uhr ein Programm von Dietrich Buxtehude, geboren 1637, bis Liselotte Kunkel, geboren 1975.

Freunde der reinen Orgelmusik kommen am Freitag, 6. September, ab 20 Uhr auf ihre Kosten: Der britische Orgelvirtuose Peter Wright, seit 1989 Organist und musikalischer Leiter an der Southwark Cathedral in London, spielt die komplette „Symphony No. 4“ von Louis Vierne.

Die Königin der Instrumente darf dann am Freitag, 13. September, eine Pause einlegen. Diesen Abend übernimmt der Aachener „Mustard Seed Faith Gospelchor“ unter der Leitung von Johan Leenders, Beginn ist um 20 Uhr. Am Sonntag, 22. September, hat die Göckel-Orgel von St. Severin dann ihren letzten großen Auftritt im 5. Eilendorfer Orgelsommer: Marcel van Westen stellt den gregorianischen Gesängen der Schola Kantorum Magnus aus Njimwegen (Leitung Stan Hollardt) ab 17 Uhr moderne, aber nicht weniger meditative Werke von Jean Langlais und Najim Hakim gegenüber.

Durch die Unterstützung der Katholischen Stiftung Sozialwerk St. Severin und einiger Sponsoren kann der Förderverein für Musik und Kultur an St. Severin in Eilendorf weiter ein wichtiges Ziel verfolgen: „Wir wollen den Menschen Kultur nahe bringe, ohne dass sie viel dafür bezahlen müssen“, so von der Nahmer. Alle Konzerte haben also freien Eintritt. Spenden werden aber erbeten, denn der Förderverein möchte die Technik, um Livestreams wie beim Eröffnungskonzert zu ermöglichen, dauerhaft anschaffen. „Wir wollen die Künstler auf der Orgelempore öfter sichtbar machen“, bestätigt die Vorsitzende.