Konzepte für die Aachener City: Engagierte Debatte im Stadtrat

Politik in Aachen : Ring frei im Kampf um die „neue“ City

Schade eigentlich, dass die potenzielle Topkandidatin für das Amt der Planungsdezernentin ihr vielfach heiß ersehntes Debüt an der Seite des Oberbürgermeisters nicht bereits am vergangenen Mittwoch hat geben können. Frauke Burgdorff hätte nach ihrer hochgelobten Vorstellung bei den Fraktionen ihrerseits einen politischen Aufschlag erlebt, den man wohl in jedem Sinn als denkwürdig bezeichnen darf. Und sich einen einzigartigen Eindruck über die Herausforderungen verschaffen können, die in den nächsten Jahren auf sie zukommen dürften.

Denn während – und weil – die vielzitierte Bau- und Erlebniskultur an allen Ecken und Enden der City darniederliegt, liefen die Mandatsträger in der jüngsten Ratssitzung wahrlich zur Hochform auf. „Innenstadtentwicklung“ – schon als der OB das heftig strapazierte Stichwort zu Punkt 5 der Tagesordnung in den Mund nahm, schnellten derart viele Arme in die Vertikale, dass Marcel Philipp Mühe hatte, die Reihenfolge der Wortmeldungen protokollarisch korrekt aufzunehmen ...

Und selbst die Grünen hatten wohl nicht geahnt, dass sie mit ihrem umfassenden Vorstoß unter dem vielsagenden Titel „Aachen kann mehr – Innenstadt neu denken und leben“ die Steilvorlage für eine derart leidenschaftlich geführte Generaldebatte liefern würden, die erst nach zweieinhalb Stunden in einen immerhin einstimmigen Beschluss münden sollte – vorerst. Nun soll das umfängliche Paket der Forderungen Punkt für Punkt in den Ratsausschüssen aufgeschnürt werden. Tenor: Nach den jahrelangen Hängepartien müssten Politik und Verwaltungsspitze insbesondere die Gestaltung des Büchel- und Bushofumfeldes endlich anpacken. Und: Neue „Formate“ zur kontinuierlichen Einbindung von Experten und Bürgern in die Gestaltungsprozesse seien mehr gefragt denn je. Sechs zentrale Handlungsfelder gelte es dabei vor allem zu beackern, um die Innenstadt quasi zu neuer Blüte zu bringen: Mobilität und Verkehr, Handel und Gastronomie, Kultur und Bildung, Parks und Grünflächen, Hochschulen und Wissenschaft als spannende „Erlebniswelten“ sowie – natürlich – eine qualitativ hochwertige Baukultur.

„Andere machen es vor“

Reichlich Stoff also für eine in weiten Teilen konstruktive, punktuell freilich auch polemisch geführte Auseinandersetzung, die inhaltlich allerdings wenig Neues zutage förderte. Einmal mehr warfen die Grünen den Vertretern der großen Koalition vor, sie hätten noch immer nicht kapiert, dass eine zukunftsweisende Attraktivierung der City Hand in Hand gehen müsse mit der konsequenten Verbannung des Kfz-Verkehrs. „Andere Städte machen das doch längst vor und gelten damit als ,cool‘“, konstatierte etwa Grünen-Ratsherr Michael Rau. Unterdessen „verkomme“ die Kaiserstadt „in Mittelmäßigkeit“. Dabei liege ein vernünftiges Innenstadtkonzept längst vor, die Entscheidungsträger hätten sich derweil in einem „absoluten Kuddelmuddel“ verheddert statt überfällige Veränderungen mit Mut und Fantasie anzugehen: Nur mit neuen Freizeitangeboten für alle Generationen könne man die Magnetkraft der City wieder stärken, weil die Menschen eben nicht mehr vor allem zum Einkaufen in die Städte strömten, sondern vor allem, um Kultur in allen Facetten zu erleben – überhaupt müsse die Vielfalt der Angebote als „gigantischer Motor“ für eine gedeihliche Entwicklung begriffen werden.

Was auch seitens der großen Fraktionen durchaus auf offene Ohren stieß. Auch wenn der OB mit Nachdruck zu bedenken gab, dass „es weiterhin nicht ohne die Wirtschaft geht, weil in Aachen auch Geld verdient werden muss“. Die Fokussierung auf die wesentlichen Herausforderungen namens Altstadtquartier und Bushof sei jetzt unerlässlich. Überhaupt müsse auch einmal zur Kenntnis genommen werden, dass sich in den vergangenen Jahren vieles zum Besten gewandelt habe, plädierten die schwarz-roten Politiker, allen voran CDU-Fraktionschef Harald Baal: Mit den hervorragend etablierten neuen Campus-Arealen, der Neugestaltung von Katschhof und Hof, der Route Charlemagne, dem optimal gediehenen Stadtteil Aachen-Nord, etlichen Wohnungsbauprojekten seien viele wichtige Projekte erfolgreich umgesetzt worden. „Wir dürfen auch nicht alles schlechtreden“, hieß es mehrfach und: „Aachen zieht die Menschen immer noch an; der Blick von außen auf die Stadt ist nach wie vor positiv.“

Fazit: Auch wenn die Debatte gelegentlich in ein veritables (Vor-)Wahlkampf-Scharmützel abzudriften drohte, wurden die entscheidenden Defizite in Sachen Standortbestimmung ohne allzu große parteipolitische Scheuklappen in den Blick genommen.

Und: Weitere dicke Pflöcke auf dem langen Weg namens Innenstadtentwicklung düften die Fraktionen am Donnerstag ebenfalls einträchtig eingeschlagen. Im Planungsausschuss des Rates steht die Gründung einer neuen Stadtgesellschaft zur Überplanung des Altstadtquartiers an. Und: Mit der Schaffung eines ämterübergreifenden City-Managements sollen die Kräfte im Ringen um die Zukunft der Kultur- und Kaiserstadt neu gebündelt werden – um das weite Feld nicht nur für die designierte Planungsdezernentin neu zu bestellen.

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