Koningin Julianaplein: Aachener investieren zehn Millionen Euro

Städtebau : Das „Herz von Vaals“ wird wiederbelebt

Bisher war das so gepriesene „neue Herz von Vaals“ eher eine Luftnummer, aber nun soll es der große Wurf werden, der auf die gesamte Gegend ausstrahlt. Als der Koningin Julianaplein im September 2016 eingeweiht wurde, wurde er mit großen Vorschusslorbeeren bedacht – doch drei Jahre tat sich in den Geschäftslokalen im Erdgeschoss kaum etwas. Das soll sich jetzt mit Aachener Hilfe ändern.

Man hoffte vergeblich, von den 600.000 Übernachtungen zu profitieren, die jährlich in Hotels und dem Ferienpark von Vaals registriert werden. Das soll sich jetzt gründlich ändern: Die Aachener Unternehmerfamilie Gündüz investiert dort mehr als zehn Millionen Euro, richtet fünf Restaurants unterschiedlicher Ausrichtung ein, die Gerichte in die gesamte Umgebung liefern sollen, außerdem eine Entertainment-Bar und ein hochwertiges Einzelhandelsgeschäft.

Auf dem Platz sollen fast jedes Wochenende Veranstaltungen wie Oldtimertreffen, Antikbörse oder Wochen- und Kunstmarkt stattfinden, auch Straßenkünstler auftreten. 3000 Besucher müssen täglich kommen, falls das Konzept aufgeht und mindestens 150 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Dahinter steht die Firma „FestiVaals“, die das Projekt über die Grenzen hinaus bekanntmachen soll.

In einer großen Pressekonferenz im Kulturzentrum Kopermolen wurde die frohe Kunde am Freitagmittag gleich von mehreren Botschaftern verkündet. An der Spitze Bürgermeister Reg van Loo, dessen Amtszeit zu Ende geht und der das unvollendete Großprojekt noch in gute Hände legen will. Voller Stolz verkündete er den Startschuss für ein Projekt, das es „so in der Region noch nicht gibt“. Ohnehin werde es ein derartiges Vorhaben (wie der Koningin Julianaplein) mit der Schaffung von hochwertigem öffentlichen Raum, das etwa 20 Millionen Euro gekostet hat, angesichts wirtschaftlich schwieriger werdender Zeiten in dieser Form wohl nicht mehr geben – zusammengearbeitet haben die Wohnungsstiftung Vaals, die Provinz, die Gemeinde und die ausführende Baufirma als Eigentümerin der Gewerbeflächen.

Nicht unerwähnt ließ der erste Mann von Vaals, dass man in den letzten 36 Monaten so manche Enttäuschung habe erleben müssen. Zwar standen Dutzende Interessenten auf der Matte, immer wieder aber hagelte es Absagen. Möglicherweise auch deshalb, weil handwerkliche Fehler gemacht wurden: Der Königin-Juliana-Platz ist, wegen eines Fontänenfeldes, nur teilweise oder am Rande zu nutzen, wegen der übermäßigen Verwendung von hellem steinernem Belag blendet er an Sonnentagen und heizt sich stark auf. Grün ist fast Fehlanzeige und Spielgelegenheiten etwa für Kinder sind, bis auf die Wasserspeier, ebenfalls dünn gesät. Besucher machen also oft einen Bogen um den Platz.

Jetzt aber soll alles besser werden, auch einen Spielplatz wolle man anlegen, erläuterte Projektmanager Dr. Ali Akün die Pläne. Im Vorfeld habe man umfangreiche Marktforschung betrieben und entdeckt, dass das Zentrum von Vaals großes Potenzial hat: „Da ist interkulturelle Kompetenz aus drei Ländern, mit der wir etwas anfangen können.“ So ziele man auch nicht auf die 10.000 Einwohner des Grenzortes und werde in Konkurrenz zur vorhandenen Gastronomie oder dem Einzelhandel treten, sondern richte sich auf die eine Million Einwohner im gesamten Gebiet um die Dreiländergemeinde drumherum.

Damit soll der Koningin Julianaplein nun endlich der Dorfplatz mit einer Mischung aus Wohnen, Einzelhandel, Entspannung und Veranstaltungen werden, wie es ursprünglich geplant war: „Wir streben eine große sozioökonomische Umwandlung an.“ Ein Ort der Begegnung und Verbindung, Entspannung für Jung und Alt, Einwohner und Besucher. Im Konzept FestiVaals sind mehrere Restaurants (asiatische, griechische, türkische, italienische, deutsche und englische Küche), eine Sport- und Entertainmentbar, ein Eissalon und ein Detailhandel vorgesehen – insgesamt 2600 Quadratmeter groß, plus 700 Quadratmeter Terrassen. Dabei handele es sich nur um den ersten Aufgalopp, möglicherweise werde das Ganze noch ausgeweitet: „Wir müssen diesen Traum verwirklichen“, sagte Akgün.

Hohe gastronomische Qualität sei ein wichtiger Ausgangspunkt, wurde betont, wobei die Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten angestrebt werde. Außerdem würden von der Firma FestiVaals B.V. regelmäßig zu Vaals passende Aktivitäten und Veranstaltungen auf dem Platz organisiert werden. Die Unternehmerfamilie Gündüz betreibt mehrere Restaurants in Aachen („Forckenbeck“ und „Boulevard 30“ im Campus Melaten, „Mister Nik“ in Brand und Burtscheid) sowie ein Hotel in Eschweiler, entwickle aber auch Projekte und verfüge über mehr als 30 Jahre Erfahrung, berichtete Dr. Akgün weiter.

Mit FestiVaals solle die Anziehungskraft von Vaals sowohl auf Einwohner aus der gesamten Region, als auch Tagesausflügler und Besucher von Unterkünften im umliegenden Gebiet vergrößert werden. Von dieser zunehmenden Geschäftigkeit profitierten auch die ansässigen Unternehmen und die lokale Wirtschaft, sagten Akgün, van Loo und Beigeordneter Jean-Paul Kompier unisono. Nicht ausgespart wurden aber auch Parkprobleme, falls die Blütenträume tatsächlich reifen. 3000 Besucher täglich kommen ja nicht alle mit dem Rad, wie ein Fragesteller einwarf. Darüber sei man intensiv im Austausch, merkte der Bürgermeister an: „Da müssen wir etwas tun, wenn es ein Erfolg wird.“ Gedacht werde etwa daran, einen Parkplatz an der Peripherie anzulegen und einen Pendelverkehr per Elektrobus zu organisieren.

Erwartet wird, dass die Geschäfte am Koningin Julianaplein im ersten Quartal 2020 eröffnet werden können.

Mehr von Aachener Zeitung