Aachen: Komo e.V. betreut seit zehn Jahren Sucht- und psychisch Kranke

Aachen : Komo e.V. betreut seit zehn Jahren Sucht- und psychisch Kranke

Für die Experten ist es kein untypisches Szenario: Ein Paar, das gemeinsam in einer Wohnung lebt, beide nehmen Drogen, beide sind psychisch krank. Die Leiden sind miteinander verwoben, bilden eine Abwärtsspirale. In dieser Kombination haben sie mit Mitte 40 kaum eine Chance, gesund zu werden und wieder aktiv am gesellschaftlichen Alltag teilzunehmen.

Aus der Drogenszene aber kommt ein Hinweis, der ihre Zukunft verändern wird. Sie wenden sich an den Verein Komo, der in Aachen seit zehn Jahren komorbid Erkrankte betreut. „Komorbid“ ist der Fachbegriff für eben jene unheilvolle Kombination aus Sucht- und psychischer Erkrankung. Die Mitarbeiter des Vereins betreuen ihre Klienten dabei, ihr Leben wieder in möglichst geordnete Bahnen zu lenken — bei Behördengängen oder Einkäufen beispielsweise. Aber auch bei der Koordination ihrer Behandlung. Vor Komo gab es in der Stadt kein vergleichbares Angebot.

Die Idee drängte sich Sabine Janitzek, heute Geschäftsführerin von Komo, und ihrer Berufskollegin Angelika Zeike vor mehr als zehn Jahren quasi auf. Beide hatten Erfahrung in der ambulanten Betreuung von Suchtkranken und wussten, dass die nicht optimal ist, sobald die Patienten außerdem psychisch krank sind. „Wir haben damals verschiedene Menschen kennengelernt, die psychisch so beeinträchtigt waren, dass sie das Suchtmittel zur Regulation von psychischen Zuständen eingesetzt haben. Und denen zu sagen: ‚Jetzt gehen Sie erst einmal in die Entgiftung und dann gucken wir weiter‘ ... das hätten die überhaupt nicht ertragen.“ Also entschlossen sich die Frauen, ein eigenes Konzept zu entwickeln.

Der Ansatz von Komo wird mit jedem Patienten variiert — welche Erkrankungen gibt es parallel zueinander, was spielt wo eine Rolle? —, alles muss individuell eingeschätzt werden, um dann eine ebenso individuelle Vorgehensweise untereinander und mit den Partnern abzustimmen. „Als wir vor rund zehn Jahren gestartet waren, lief das noch eher zäh“, erinnert sich Janitzek. Das Netzwerk wuchs zunächst nur langsam, die neue Initiative wurde zurückhaltend in Arbeitskreisen, Interessengemeinschaften und Konferenzen begrüßt. Mittlerweile ist gerade das Netzwerk aber zu einem der Pfeiler geworden, auf den sich der Erfolg des Vereins stützten kann.

„Erfolg ist für unsere Arbeit grundsätzlich schwer zu definieren“, erklärt Eva Offermann, stellvertretende Geschäftsführerin von Komo. Messbar ist er schon gar nicht. Manche Klienten haben überhaupt nicht die Voraussetzungen dafür, in Zukunft ohne Betreuung leben zu können. Für die mittlerweile neun pädagogischen Mitarbeiter, erklärt Janitzek, ist daher jede Lebensverbesserung für die Klienten ein Erfolg. Ständig mit schwierigen Lebensläufen konfrontiert zu sein „ist nicht frustrierend. Es ist spannend“, sagt sie.

Und die Zukunft? „Wir beobachten, dass durch die auseinandergehende soziale Schere mehr Menschen ihren Halt verlieren, manifest psychisch krank werden und/oder — oft aus purer Verzweiflung — zu Suchtmitteln greifen“, erklärt die Sozialpädagogin. Die Bedeutung von Angeboten wie dem von Komo sei deshalb im Laufe der vergangenen zehn Jahre gestiegen und dieser Trend halte an. Neben einer Feier im kleinen Kreis soll das Jubiläum mit einem Vortrag und einem Workshop begangen werden.

(tv)
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