„Render“-Projekt zum Klimaschutz: Kommunen sind am Zug

„Render“-Projekt zum Klimaschutz: Kommunen sind am Zug

Nach vier Jahren harter Arbeit darf es auch mal feierlich werden. Am 1. Oktober wird das der Fall sein. Dann werden die Verantwortlichen des Projektes „Render“ – die Abkürzung steht für „Regionaler Dialog Energiewende Aachen“ – führenden Vertretern von Städteregion und Stadt Aachen in Stolberg den „Energieplan 2030“ überreichen.

Dann werden die Verantwortlichen des Projektes „Render“ – die Abkürzung steht für „Regionaler Dialog Energiewende Aachen“ – führenden Vertretern von Städteregion und Stadt Aachen in Stolberg den „Energieplan 2030“ überreichen. Es ist der Abschluss eines ehrgeizigen Vorhabens, das das Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW) federführend mit zahlreichen Partnern und gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung realisiert hat. In dieser Zeit stand stets die Frage im Fokus, wie und in welchem Maße der Anteil erneuerbarer Energien (EE) an der Stromerzeugung in der Städteregion erhöht werden kann.

Drei Ausbauszenarien hat das Projektteam entwickelt. Wobei das erste, das – frei formuliert – mit dem Titel „Weitermachen wie bisher“ überschrieben ist, nicht wirklich in Frage kommt. Es würde dazu führen, dass der EE-Anteil bis 2030 unverändert bleiben und beim aktuellen Stand von rund 20 Prozent verharren würde – kaum vorstellbar angesichts des nicht mehr zu leugnenden Klimawandels. Und kaum vorstellbar auch in Anbetracht der von der Bundesregierung ausgegebenen Ziele für eine erhebliche Reduzierung des Co2-Ausstoßes.

Ambitioniertes Ziel bei erneuerbaren Energien

Das andere Extrem wird im Energieplan unter Ausbauoption 3 aufgeführt – und ist wohl nicht weniger unrealistisch. Denn dass es innerhalb der nächsten zwölf Jahre gelingen wird, 75 Prozent des Strombedarfes aus erneuerbaren Quellen zu decken, hält selbst „Render“-Projektleiter Jens Schneider für mehr als ambitioniert.

So liegt es nahe, sich an der zweiten (und mittleren) Ausbauoption zu orientieren. Bei ihren Berechnungen sind die Wissenschaftler auf einen Wert von 37 Prozent gekommen. Aber auch er ist mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, weil er auf der Annahme basiert, dass sich alle drei betrachteten Möglichkeiten der regenerativen Stromerzeugung – Windkraft, Dachphotovoltaik und Freiflächenphotovoltaik – planmäßig weiterentwickeln.

Ausgebremst werden könnten sie in der Praxis durch verschiedene Hindernisse. Allen voran gilt das für die restriktiveren Auflagen für die Windenergie, wie sie die NRW-Landesregierung angekündigt hat. Aber ebenso in Sachen Sonnenenergie für den Bedarf an großen Freiflächen, die auch für andere Verwendungen wie den Wohnungsbau oder die Entwicklung von Gewerbegebieten dringend gesucht werden.

So bietet dann die Dachflächenphotovoltaik die besten Möglichkeiten, der 37-Prozent-Marke bis zum Jahr 2030 nahezukommen. „Für sie müssen keine neuen Flächen ausgewiesen und keine aufwendigen Genehmigungen bei der jeweiligen Kommune eingeholt werden“, benennt Ruth Roelen, Arbeitsgruppenleiterin im städteregionalen Amt für Mobilität, Klimaschutz und Regionalentwicklung, zwei wesentliche Vorteile. Nichtsdestotrotz will sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Alexandra Ptock auch für den Ausbau der anderen Optionen in den kommenden Monaten, wie sie es formuliert, „Klinken putzen“.

Bund fördert Umsetzungsphase

Das wird überhaupt erst möglich, weil die „Render“-Projektmittel in den vier Jahren nicht ausgeschöpft worden sind und der Bund der Förderung einer einjährigen „Umsetzungsphase“ zugestimmt hat. Mit der Übergabe des Energieplans in der übernächsten Woche wird also nicht Schluss sein. Und das findet – nicht nur – Ruth Roelen sehr positiv, denn: „Die Kommunen müssen jetzt den Mut aufbringen, den entwickelten Empfehlungen auch zu folgen. Dank der weiteren Unterstützung des Bundes haben wir die Chance, sie von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen und sie bei der Umsetzung zu begleiten.“ Damit werde die Städteregion ihrer Rolle bei den Bemühungen um eine regionale Energiewende gerecht: „Wir verstehen uns als Servicestelle für die Kommunen.“

Handeln aber werden letztlich sie müssen, wenn denn im Jahr 2030 in der Bilanz mehr stehen soll als die Ausbauoption 1 und ein „Weitergemacht wie bisher“.

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